Triathlet von Ironman in Finnland zurück Oliver Spurzems Blick geht schon zur WM in Nizza

Lahti/Zweibrücken · Beim Ironman im finnischen Lahti hat der Zweibrücker Oliver Spurzem Platz 17 in seiner Alterskategorie erreicht. Mit seiner Leistung ist der Athlet zufrieden. Überschattet wurde das Rennen aber von einem Todesfall, der auch Spurzem beschäftigte.

Triathlet Oliver Spurzem bei der Ironman-WM in Finnland.

Triathlet Oliver Spurzem bei der Ironman-WM in Finnland.

Foto: Privat

Das finnische Lahti – 2021 zu Europas Grüner Hauptstadt gewählt – war am vergangenen Wochenende Austragungsort der Ironman-Weltmeisterschaft über die Mitteldistanz. Mit am Start: Triathlet Oliver Spurzem aus Zweibrücken. Vorbereitet auf das Rennen hat er sich in der etwa eineinhalb Autostunden entfernten finnischen Hauptstadt Helsinki. „Um dem Rennzirkus zu entgehen genau das Richtige“, schreibt der Athlet auf Facebook. „Trainingsstrecken hatte ich auch in Helsinki und die Stadt ist wirklich sehenswert.“

Doch bevor er selbst an den Start ging, wurde der Ironman von einem tragischen Todesfall überschattet. Beim Frauenrennen wurde nach Angaben des Veranstalters eine Person nach etwa der Hälfte der Schwimmdistanz von 1,9 Kilometern aus dem Wasser gezogen und anschließend sofort medizinisch versorgt. Doch jede Hilfe kam zu spät.

Spurzem beschäftigte dieser Fall sehr: „Ich war nicht besonders scharf darauf, in das Wasser zu gehen, in dem 24 Stunden vorher eine Frau tot geborgen wurde. Manche können es vielleicht wegignorieren, ich kann es nicht“, räumt er ein.

Dennoch startete das Rennen der Männer planmäßig. Der See hatte, so der Zweibrücker, frische 18 Grad Wassertemperatur. Da er von der Rennleitung in die letzte Gruppe eingeteilt wurde, musste er quälend lange zwei Stunden auf seinen Einsatz warten. Deshalb hatte er auch das komplette Feld mit über 2500 Triathleten zunächst vor sich. „Ein später Start ist nicht optimal, um vorne Druck zu machen“, sagt er. Was etwa bei der Radstrecke Probleme bereitete, denn: „Wenn man von ganz hinten als Schneller reinfährt, muss man immer von Rad zu Rad fahren und aufpassen, was man macht.“ Außerdem habe sich das Rennen „verselbstständigt“, wie Spurzem sagt. Es habe etwa Überholmanöver gegeben, die über die für die Sportler eigentlich untersagte andere Straßenseite geführt hätten.  Auch die geforderten Abstände seien nicht eingehalten worden.

90 Kilometer waren bei der Radstrecke zu fahren. Schon nach drei Kilometern fing es an zu regnen. Die Bedingungen waren für die Teilnehmer grenzwertig. Spurzem beschreibt es als „ordentliches Gemetzel“. Er fuhr etwa an Athleten vorbei, die völlig unterkühlt in Wärmedecken gehüllt an Bäumen saßen. „Die Abbrecherquote auf dem Rad war sehr hoch“, so der 46-Jährige. Er selbst sei mit den Temperaturverhältnissen recht gut klargekommen.

Im Gegensatz zu manchem „Abbrecher“ nahm er nach dem Schwimmen und dem Radfahren den Halbmarathon über 21,1 Kilometer in Angriff. „In Runde eins habe ich mich noch zurückgehalten, da ich wusste, dass einige Athleten hier eingehen würden“, sagt Spurzem zu der Strecke, die Anstiege, aber auch abfallende Abschnitte bot. Sogar eine immens steile Brücke sei extra für den Triathlon in den Parcours gebaut worden. „Genau das Richtige für mich“, sagt der leidensfähige Zweibrücker, der in seiner Altersklasse (45 -49 Jahre) am Ende Platz 17 belegte.

Keine absolute Top-Platzierung für Spurzem – aber der musste sich schließlich noch ein paar Körner aufsparen. Denn er hat ja schon die nächste Weltmeisterschaft im Blick – die Ironman-WM über die Langdistanz, die am 10. September stattfindet. Nicht wie für gewöhnlich auf Hawaii, sondern in Nizza an der französischen Côte d’Azur.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland fühlte sich Spurzem zunächst ein wenig ausgelaugt. „Jedes Rennen kostet Kraft – auch die Reisestrapazen sind nicht ohne“, erklärt er. Doch das nächste Training wartet nicht, denn: „Der Körper muss ja trotzdem bewegt werden.“

Ein konkretes Ziel für Frankreich hat er sich nicht gesetzt.  Das will er während des Rennens entscheiden. Doch auch in Nizza steht ihm wieder ein Start in der letzten Gruppe bevor. „Je länger das Rennen wird, desto langsamer werden die Leute. Dann komme ich von hinten angeschossen und fahre nach vorne“, prophezeit er. Glücklich ist er mit der Situation, das Feld von hinten aufrollen zu müssen, aber nicht: „Wenn ich zügig vorbeigehe und die Langsamen spazieren und blockieren, hab ich Probleme, Verpflegung aufzunehmen.“ Während des Rennens will er sich jedenfalls seine Zwischenzeiten durchgeben lassen – und wenn er eine Perspektive auf eine Platzierung unter den besten zehn sieht, richtig angreifen.

Auch nach der WM in Nizza wird sich Spurzem übrigens nicht auf die faule Haut legen. Er zieht die Teilnahme an einem Halbmarathon in Erwägung. Eine längere Pause wird es jedenfalls nicht geben. „Das kann ich nicht, das ist auch für meinen Körper ganz schlecht. Das ist ein hochgezüchtetes Rennpferdchen, das muss bewegt werden“, flachst der Zweibrücker.