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Oberliga-Handballerinnen vom SV 64 Zweibrücken starten gegen Welling in Runde

Handball-Oberliga : SV-Frauen starten „Blindflug“ in die neue Saison

Die Oberliga-Handballerinnen vom SV 64 Zweibrücken empfangen zum Auftakt den TV Welling. Die Vorbereitung war nicht nur wegen Corona eine Herausforderung.

Wer ist der TV Welling? Nun, das ist der Auftaktgegner der Oberliga-Handballerinnen vom SV 64 Zweibrücken am Sonntag um 16 Uhr in der Ignaz-Roth-Halle. Das weiß Rüdiger Lydorf. Viel mehr aber auch nicht. „Wenn ich nicht wüsste, dass wir gegen sie spielen, würde ich denken, sie hätten abgemeldet“, sagt der Trainer der Zweibrückerinnen ein wenig ungläubig. Er habe sich im Rheinland über die Mannschaft aus dem Norden von Rheinland-Pfalz umgehört, soziale Netzwerke durchforstet „und sogar meine Mädels darauf angesetzt, etwas in Erfahrung zu bringen“. Erfolglos.

Doch der kommende Gegner ist kein Einzelfall. „Für gewöhnlich sammelt man in der Vorbereitung Informationen über die Konkurrenten, aber das war diesmal sehr schwierig. Es ist so, als würden die meisten Mannschaften gar nicht existieren. Vielleicht pokern die Vereine und halten sich nach der langen Pause bewusst bedeckt. Keiner will seine Karten offenlegen“, vermutet Lydorf.

Auch deshalb erwartet er eine spannende Saison. Eine mit vielen Fragezeichen, wie er sagt. Wer spielt oben mit, wer kämpft gegen den Abstieg? „Ich gehe davon aus, dass alle richtig gespannt auf die Ergebnisse an den ersten Spieltagen schauen“, sagt der SV-Trainer.

Dass seine 64erinnen in der Tabelle an der Spitze mitmischen werden, glaubt Lydorf aber nicht. Zu groß sei der personelle Aderlass gewesen. Levke Worm zog es wieder in ihre Heimat im Norden, Spielmacherin Lucie Krein zum Pfalzligisten TSG Haßloch, Elisa Wagner studienbedingt nach Darmstadt. Auch Renata Szabo wird aus familiären Gründen vorerst nicht zur Verfügung stehen. Vier wichtige Säulen im Team. Sie werden ersetzt durch Nachwuchskräfte aus der eigenen Jugend. Abgesehen vom einzigen externen Neuzugang: Friederike Dötting, die aus beruflichen Gründen aus der Nähe von Sylt nach Zweibrücken gezogen ist, kommt vom TSV Westerland.

Deshalb klingen die Ziele der SV-Frauen, die in den vergangenen Spielzeiten stets vorne mitspielten, erstmal bescheiden. „Es wird einen vermehrten Abstieg geben. Deshalb wollen wir einfach so schnell wie möglich den Klassenerhalt abhaken“, sagt Lydorf, der grundsätzlich mit einem Mittelfeldplatz rechnet. Immer unter der Prämisse, dass das Einschätzen der Konkurrenz aktuell einem „Blindflug“ (Lydorf) gleicht.

Qualitativ sei seine Mannschaft – Stand jetzt – schwächer aufgestellt als letzte Saison, räumt der Trainer ein. „Perspektivisch sehe ich uns mit den vielen Nachwuchskräften aber gut aufgestellt. Wir sind außerdem homogener geworden. Es gibt nicht mehr die eine Spielerin, die herausragt. Das macht uns weniger ausrechenbar“, analysiert der Trainer.

Er gibt allerdings zu, dass die Vorbereitung nach seinem Geschmack noch vier Wochen länger hätte dauern können. „Ich sehe uns noch nicht da, wo ich gerne wäre. Auch wenn sich die Mannschaft in den letzten Wochen immer mehr gefunden hat. Auf der anderen Seite wäre es natürlich schwer geworden, die Spannung im Training über einen noch längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.“

Im Vergleich zu den ersten Einheiten, die er mit seinen SV-Frauen absolvierte, sind das ohnehin Luxusprobleme. „Da mussten wir ganz von vorne anfangen. Mit den Basics. Die Belastungssteuerung war eine Herausforderung. Was kann ich erwarten? Was kann ich verlangen? Das lässt sich nun mal besser beurteilen, wenn man die Spielerinnen mindestens zwei Mal in der Woche im Training sieht“, erzählt Lydorf.

 Rüdiger Lydorf, der Trainer der Oberliga-Handballerinnen vom SV 64 Zweibrücken.
Rüdiger Lydorf, der Trainer der Oberliga-Handballerinnen vom SV 64 Zweibrücken. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Doch wie bereitet er seine Mannschaft aktuell auf einen Gegner vor, auf den man sich zumindest gezielt nicht vorbereiten kann? „Wir haben versucht, unsere Stärken zu stärken. Das was klappt, noch besser zu machen. Und dann wollen wir am Sonntag unser eigenes Spiel durchbringen.“ Denn ein konkretes Saisonziel hat Lydorf dann doch. Die Heim-Serie seiner Mannschaft, die seit nunmehr rund zweieinhalb Jahren in der Ignaz-Roth-Halle ungeschlagen ist, solle doch bitte noch lange andauern. „Klar würde mich das freuen. Vor allem aber freue ich mich darauf, dass es am Sonntag endlich los geht“, sagt Rüdiger Lydorf. Spätestens dann wird er auch erfahren, wer der TV Welling ist.