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Niederlage in Magdeburg: 1. FC Kaiserslautern droht Viertklassigkeit

Nach Niederlage in Magdeburg: 1. FC Kaiserslautern droht Viertklassigkeit : FCK im Sinkflug Richtung Regionalliga

Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern verliert das Kellerduell beim 1. FC Magdeburg mit 0:1. Der Sturz in die Viertklassigkeit droht.

„Solang‘s in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK“. Das ist eine Zeile aus dem „Betze-Lied“, das regelmäßig vor dem Anpfiff im Fritz-Walter-Stadion erklingt. Dass der 1. FC Kaiserslautern in der kommenden Saison aber noch im deutschen Profifußball vertreten ist, muss immer stärker bezweifelt werden. Der FCK hat am Samstag auch die zum „Abstiegsendspiel“ hochstilisierte Drittliga-Partie beim 1. FC Magdeburg nach schwacher Leistung mit 0:1 (0:0) verloren und taumelt scheinbar unaufhaltsam der Regionalliga entgegen. „Im Moment habe ich eigentlich gar keine Gedanken, sondern spüre einfach nur Leere. Es ist die pure Enttäuschung“, sagte der sichtlich mitgenommene Lauterer Co-Trainer Frank Döpper am Mikrofon von MagentaSport. Döpper hatte den gesperrten Chefcoach Marco Antwerpen an der Seitenlinie vertreten.

 Sechs Zähler beträgt der Rückstand der Roten Teufel auf einen Nichtabstiegsplatz. Zehn Partien sind noch zu absolvieren. 30 Punkte werden noch vergeben. Auszuschließen ist es selbstverständlich nicht, dass die Roten Teufel im Saisonendspurt eine Siegesserie starten. Zumal das Restprogramm der Pfälzer auf dem Papier machbar erscheint. „Aufgeben werden wir nicht“, versprach Döpper dann auch direkt im Anschluss an die Partie in der MDCC-Arena.

 Trotzdem dürfte sich die Hoffnung bei den Fans in Grenzen halten: Am Sonntag sperrten Anhänger das Eingangstor unterhalb der Nordtribüne am Fritz-Walter-Stadion ab und hängten ein Plakat mit der Aufschrift: „Zutritt nur nach Leistung“ auf. Der FCK braucht wohl sechs Siege, um dem Abstieg noch von der Schippe zu springen. Im bisherigen Saisonverlauf (28 Spiele) gingen die Pfälzer aber erst vier Mal als Gewinner vom Platz. Und während die Konkurrenz im Tabellenkeller – der MSV Duisburg, der KFC Uerdingen und eben der 1. FC Magdeburg – in den vergangenen Wochen Punkte sammelten, treten die Roten Teufel auf der Stelle. Die Euphorie, die beim FCK mit dem Amtsantritt Antwerpens nach dem Derbysieg gegen Waldhof Mannheim (2:0) aufkam, ist erloschen. Seit fünf Spielen wartet Kaiserslautern auf einen Erfolg.

 „Wir waren gegen einen direkten Konkurrenten unterlegen. Da tut die Niederlage doppelt weh“, sagte Kapitän Jean Zimmer: „Wir haben jetzt eine lange Busfahrt vor uns. Da sollte jeder vielleicht mal über sich selbst nachdenken.“ Doch es ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere FCK-Profi spätestens nach der Pleite in Magdeburg viel eher darüber nachdachte, die Telefonnummer seines Beraters aus der Schublade zu kramen. Denn kaum ein Spieler besitzt aktuell ein Arbeitspapier, das auch für die Regionalliga gilt.

 Auch wenn der reflexhafte Vorwurf mangelnder Einstellung bei ausbleibendem Erfolg polemisch und plakativ daherkommen mag, stellt sich die Frage, ob die Roten Teufel das mentale Rüstzeug für den Abstiegskampf mitbringen. „Wir sind spielerisch so gut, dass uns eigentlich keine Mannschaft schlagen kann, außer wir selbst“, hatte der derzeit verletzte Carlo Sickinger zu Saisonbeginn kundgetan. Auch Ex-Sportdirektor Boris Notzon sprach im Hinblick auf den Kader von einem „Top-Team“. Womöglich haben die Spieler derlei Einschätzungen, die aktuell kaum weiter an der Realität vorbeischießen könnten, selbst geglaubt.

 In Magdeburg jedenfalls wirkten die Roten Teufel als hätten sie Blei im Kopf und in den Füßen. Trotz einer Doppelspitze um Elias Huth und den nach zwei Spielen wieder berücksichtigten Marvin Pourié entwickelteder FCK erneut keine offensive Wucht. Ein Kopfball Pouriés, der knapp am Magdeburger Tor vorbei rauschte, war die einzig nennenswerte Chance der Pfälzer im ersten Durchgang (35. Minute). Eventuell wäre eine zweite hinzugekommen. Doch Marlon Ritter schoss einen Freistoß aus bester Position genau in die Arme von FCM-Torwart Morten Behrens (17.). Auf der Gegenseite machten es die von Christian Titz – Ex-Coach des FC Homburg – trainierten Magdeburger lange nicht viel besser. Auch der FCM verzeichnete durch Baris Atik, der 2017 als Leihspieler zwölf Partien für den FCK bestritt, in Halbzeit eins nur eine gute Möglichkeit (10.).

 Auch nach dem Seitenwechsel lief beim FCK wenig zusammen. Von der Bank kamen ebenfalls keine Impulse. Winterneuzugang Anas Ouahim, der zur Halbzeit eingewechselt worden war, nahm Döpper schon nach 75 Minuten wieder vom Feld. Zu diesem Zeitpunkt lag Kaiserslautern bereits mit 0:1 zurück. Magdeburgs Sebastian Jakubiak hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt. Lauterns Zimmer zögerte und unterband die Flanke nicht. Der Ex-Lauterer Atik, der in Frankenthal geboren wurde, hatte im Zentrum Zeit, den Ball anzunehmen und überwand FCK-Torwart Avdo Spahic mit einem Flachschuss in die linke Ecke (56.).

 Eine gute Chance, um wenigstens ein Remis zu retten, hatten die Pfälzer noch. Zimmer marschierte urchs Mittelfeld und legte rechts raus zu Redondo. Der passte zurück ins Zentrum. Doch Zimmers Abschluss ging links am Tor vorbei (72.). In der Schlussphase warf Kaiserslautern alles nach vorne. Doch die Angriffsbemühungen der Roten Teufel schwankten zwischen planlos und ungestüm.

„Ich war in dieser Woche eigentlich sehr optimistisch. Wir haben gut trainiert, viele Einzelgespräche geführt. Ich hatte den Eindruck, dass jeder weiß, worum es geht“, haderte Döpper bei der Pressekonferenz nach der Partie. Sein Fazit fiel düster aus: „Was dann unter dem Strich dabei herauskommt, ist für den Abstiegskampf zu wenig.“

 „Jetzt liegen zwei lange, leider sehr lange, Wochen vor uns, bevor es in der 3. Liga weitergeht“, sagte Zimmer mit Blick auf die anstehende Länderspielpause. Erst am Samstag, den 3. April empfängt der FCK den Halleschen FC wieder im Fritz-Walter-Stadion. Es ist das erste von zehn Endspielen. Die darüber entscheiden, ob das Betze-Lied umgeschrieben werden muss.