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Nicht überrascht von Entscheidung

Nicht überrascht von Entscheidung

Jürgen Klopp sieht sich nicht mehr als den „perfekten Trainer“ für Borussia Dortmund. Daher nimmt er im Sommer nach sieben Jahren Abschied. Fußball-Trainer in der Region hat diese Entscheidung des 47-Jährigen gestern nicht überrascht, wie eine Umfrage des Pfälzischen Merkur ergab.

In Expertenkreisen der Fußball-Bundesliga für viele überraschend war gestern die Entscheidung von Jürgen Klopp : Nach der Saison streicht der Trainer bei Borussia Dortmund die Segel. Anders wurde der Entschluss des 47-Jährigen bei den Fußballtrainern in der Region aufgenommen, wie eine Merkur-Umfrage gestern ergab.

"Jürgen Klopp hat jahrelang eine super Arbeit in Dortmund gemacht, diese Saison hat sich das etwas abgenutzt", reagiert SVN-Trainer Guido Hoffmann auf Klopps Entscheidung. Die der 49-Jährige aber absolut nachvollziehen kann. "Wenn man so lange auf so hohem Niveau arbeitet, dann wird man irgendwann müde, auch im Kopf." Das habe nichts mit einer verminderten Qualität der Arbeit zu tun. Zumal der BVB nach der Winterpause, als bei dem damaligen Schlusslicht der Liga alles schlecht gemacht wurde, jetzt immer noch die Möglichkeit hat, über den Pokal oder den Europa-Cup international zu spielen. "Ich glaube auch nicht, dass der Schritt einem Autoritätsverlust der Person Jürgen Klopp gleichkommt", betont Hoffmann. Mental sei ein Trainer in dieser Position so sehr gefordert, "auch im Erfolg", dass dieser Schritt absolut verständlich sei.

"Wirklich überrascht hat mich die Nachricht nicht", sagt auch Björn Hüther, Trainer des Fußball-Verbandsligisten SG Rieschweiler, "es hat sich schon länger angedeutet". Es sei durchaus normal, dass es zwischen Verein und Trainer nur selten so lange gut geht. "Dortmund hat mit Klopp Riesenerfolge gefeiert, die ohne ihn wahrscheinlich nicht so umgesetzt worden wären", betont Hüther. Der SGR-Coach glaubt, dass die Verkündung noch vor dem Ende der Saison und dem DFB-Pokal-Halbfinale am 28. April gegen den Erzrivalen Bayern München wohl eher einen positiven Einfluss auf die Mannschaft haben wird. "Beide wollen sicher einen versöhnlichen Abschied, das könnte nun noch mal einen positiven Ruck geben".

Das glaubt auch David Schwartz, Trainer des Bezirksligisten VB Zweibrücken. "Natürlich ist nicht gesagt, dass die Mannschaft das nun positiv umsetzen kann, aber nachdem sie in dieser Runde sowieso eher blockiert war, glaub ich schon, dass es einen positiven Einfluss haben wird." Solch ein Paukenschlag könne ein Wachmacher sein und die Spieler dazu animieren, "noch einmal richtig Gas zu geben". Auch Schwartz ist über den Zeitpunkt und die Entscheidung Klopps nicht wirklich erstaunt. "Für Dortmund und Jürgen Klopp persönlich ist es sicher die richtige Entscheidung, die ich absolut nachvollziehen kann."

Wild wird gleich auch über die Nachfolge spekuliert. Heißer Kandidat ist Thomas Tuchel, wie Klopp ehemaliger Trainer des FSV Mainz 05 . "Er ist auch ein ähnlicher Trainertyp wie Jürgen Klopp . Auch wenn ich kein Freund von ihm bin, könnte das eigentlich ganz gut passen mit Dortmund - er ist auch ein Fußballverrückter." Das sieht Guido Hoffmann ähnlich. "Auch Klopp kam aus Mainz nach Dortmund , auch Tuchel ist ein sehr emotionaler Trainer mit großer Qualität - daher könnte das funktionieren." Er erinnert zudem an die Anfangszeit Klopps vor sieben Jahren. "Wer hätte denn damals an eine solche Erfolgsgeschichte geglaubt? - Vielleicht die, die ihn verpflichtet haben." David Schwartz sähe Tuchel als Nachfolger eher kritisch. Gerade weil er so ein ähnlicher Typ ist. "Ich weiß nicht, ob das so eine sinnvolle Entscheidung wäre, einen zweiten Klopp einzustellen." Die Fußstapfen für Tuchel seien extrem groß.