VT Zweibrücken Nach Corona nun in Sorge vor der Energiekrise

Zweibrücken · Die Vorsitzende der VT Zweibrücken sieht Vereine erneut vor einer großen Herausforderung. Alt blickt aber auch auf positive Momente.

Abteilungen wie die der Gerrätturner, Basketballer, Handballer oder Leichtathleten sind – auch dank des großen Engagements der Übungsleiter – bei der VT Zweibrücken auch nach der harten Corona-Zeit noch gut aufgestellt. Im vergangenen Jahr gingen auch die Mitgliederzahlen wieder leicht nach oben. Sorgenvoll blickt die Vereins-Vorsitzende Gisela Alt nun allerdings der Energiekrise entgegen.

Abteilungen wie die der Gerrätturner, Basketballer, Handballer oder Leichtathleten sind – auch dank des großen Engagements der Übungsleiter – bei der VT Zweibrücken auch nach der harten Corona-Zeit noch gut aufgestellt. Im vergangenen Jahr gingen auch die Mitgliederzahlen wieder leicht nach oben. Sorgenvoll blickt die Vereins-Vorsitzende Gisela Alt nun allerdings der Energiekrise entgegen.

Foto: Martin Wittenmeier

Seit über fünf Jahren ist Gisela Alt nun Vorsitzende der Vereinigten Turnerschaft Zweibrücken. Die Hälfte davon erlebte sie unter den schwierigen Pandemie-Bedingungen. Die 83-Jährige erzählt, wie sich der mitgliederstärkste Verein der Stadt durch diese Zeit gekämpft hat, blickt aber auch auf künftige Herausforderungen für den gesamten Breitensport, die Entwicklung bei der VTZ sowie die anstehende Mitgliederversammlung an diesem Donnerstag.

Frau Alt, seit zweieinhalb Jahren kämpfen auch Sportvereine mit den Umständen und Folgen der Corona-Krise. Wie ist die VT Zweibrücken insgesamt durch diese Zeit gekommen?

GISELA ALT Es war eine schwierige und arbeitsreiche Zeit. Das kann man nicht anders sagen. Natürlich haben auch wir Leute verloren in dieser Phase. Die meisten Mitglieder konnten wir aber halten. Wenn man die Sportbund-Statistik betrachtet, hat es vor allem Turnvereine hart getroffen, Ballsportvereine und Outdoor-Sportarten weniger, weil die eben ins Freie können.

Nach einem Mitgliederrückgang im ersten Corona-Jahr (276 weniger) gab es 2021 bei der VTZ wieder einen leichten Anstieg auf 2165. Sind das vor allem Rückkehrer oder Neu-Mitglieder?

ALT Beides. Aber wir haben ja immer noch gut über 2000 Mitglieder. Insgesamt haben wir in den vergangen, fünf, sechs Jahren schon rund 300 Leute verloren – allerdings auch schon vor Corona. 2020 sind dann einfach kaum neue dazugekommen, weil ja niemand wusste, ob überhaupt Training oder Kurse stattfinden können. Die meisten, die ausgetreten sind, haben das aus „ganz normalen“ Gründen getan – weil sie weggezogen sind, weil sie zum Studium gingen. Gerade jetzt haben wir im ersten Halbjahr aber vor allem auch wieder eine ganze Reihe an Neuanmeldungen. Das ist für uns natürlich gut – auch, um Zuschüsse einzutreiben. Der Sportbund hatte im vergangenen Jahr etwa eine Förderung ausgeschrieben für Neueintritte von Kindern zwischen null und zehn Jahren, da hatten wir 61 Kinder. Auch der Sportbund hat natürlich gesehen, dass viele Vereine Mitglieder verloren haben. So gibt es nun in diesem Jahr durch die Initiative „Comeback der Bewegung“ Zuschüsse für jeden Neueintritt bis zum 30. September.

Konnte die VTZ all ihre Sparten und Kurse erhalten?

ALT Ja. Das Turnen etwa funktioniert bei uns nach wie vor gut. Natürlich gibt es da ab einem bestimmten Alter immer eine Fluktuation. Aber da kommen immer wieder neue nach. Auch bei den Basketballern läuft es super, auch wieder im Nachwuchsbereich. Und toll war in diesem Jahr zudem der Erfolg unserer Leichtathletik-Abteilung mit Hammerwerfer Timo Port, der bei der U18-EM ins Finale kam, deutscher Jugendmeister wurde. Wir haben hier auch einen neuen Langlauftrainer, da wird eine neue Gruppe kommen. Die Abteilungen an sich laufen schon gut, die managen sich und wirtschaften größtenteils selbst. Wenn es irgendwo klemmt, sind wir aber natürlich da.

Dass der Mitgliederschwund in Ihrem Verein in Maßen gehalten werden konnte, dass die Abteilungen laufen, kommt wahrscheinlich nicht von selbst?

ALT Nein, das ist mit großem Aufwand verbunden. Es steht und fällt in den Kursen, Abteilungen und im Trimini auch damit, welche Leute sich dort engagieren und arbeiten. Auch während der Lockdowns haben wir stets versucht, den Sportbetrieb aufrecht zu erhalten und mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben. Wir haben die Angebote angepasst. Mit Online-Trainingsstunden, Challenges. Auch Sport im Freien haben wir, wo es ging, recht schnell wieder aufgenommen. Wenn ich daran denke, wie Turn-Trainerin Sonja Rayer alle Geräte aus der Halle nach draußen geschleppt hat, um trainieren zu können. Wahnsinn.

Und in den vergangenen Monaten sind auch schon wieder neue Angebote dazugekommen?

ALT Ja. Wir haben eine gut angenommene Yoga-Gruppe seit einem halben Jahr. Die Übungsleiterin ist sehr gut, da kommen die Leute. Richtig gut läuft auch wieder das Kinderturnen für die Kleinen zwischen drei und sechs Jahren, das lange pausieren musste. Was nach wie vor sehr gut angenommen wird, ist Budolife (ein ganzheitlich orientiertes Gesundheitstraining mit dem Fokus auf Haltung und Bewegung). Ich geh‘ da ja selbst hin, das ist echt eine tolle Stunde. Übungsleiter Karl-Otto Benoit ist genial. Und dann haben wir jetzt seit neuestem Cheerleading. Wir haben seit Jahr und Tag versucht, ein interessantes Angebot für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu finden. Da haben wir einen tollen Zulauf. Sofort kamen dann auch ältere Mädchen, sodass jetzt gleich eine zweite Gruppe für 10- bis 14-Jährige gebildet wurde.

Gab es Sparten neben den Gesundheitskursen, die besonders gelitten haben in den vergangenen Jahren?

ALT Das Trimini. Es haben natürlich alle gelitten in dieser Zeit. Aber das Trimini leidet noch. Das war ja komplett geschlossen und wir suchen noch immer einen neuen Leiter. Es treten schon noch Sportler ein, aber es treten immer auch wieder welche aus. Die genauen Gründe kennen wir nicht, aber ich denke, dass die Kosten – wenn sie bei uns auch nicht so hoch sind – eine Rolle spielen. Wenn die Leute rechnen, wo sie sparen können, dann trifft es sicher schnell mal das Trimini. Einige Kurse, wie etwa Spinning, laufen sehr gut. Aber im großen und ganzen ist es nicht einfach. Wir sind der einzige Sportverein in der Pfalz, der ein eigenes Fitnessstudio hat – daher können wir uns auch bei niemand anderem Rat holen, wie die das schaffen.

Hat die Krise den Verein auch finanziell hart getroffen?

ALT Ich muss sagen, dass die VTZ schon vor und auch während Corona sehr gut gewirtschaftet hat. Aber natürlich hat uns das auch finanziell getroffen. Mitglieder sind weggebrochen, Veranstaltungen ausgefallen – und es wird uns vor allem jetzt hart treffen.

Mit der nächsten, der Energiekrise?

ALT Ja. Wir hatten bereits einen Energieberater der Stadtwerke gebeten, zu uns zu kommen und uns zu sagen, wo wir Einsparpotenzial haben. Das können wir ja nicht erst angehen, wenn es im November klemmt. Das war schon sehr gut, der hat alle Räume durchgecheckt und uns erklärt, was man machen kann. Da müssen wir im Vorstand nun entscheiden, was wir in Angriff nehmen, um Kosten zu sparen. Passend dazu nehme ich kommende Woche beim Sportbund auch an einem Online-Seminar zum Thema Sanierungskosten und Zuschüssen im Verein teil. Ich bin da ganz gut im Eintreiben von Geld (lacht).

Denken Sie, dass die Energieproblematik eine der größten Herausforderungen für Vereine in naher Zukunft darstellt, jetzt, nach den Corona-Jahren?

ALT Absolut. Es stellt sich ja auch die Frage, wie mit Hallen umgegangen wird. Ich denke etwa, dass es für Sportler auch nicht immer zumutbar ist, dass sie nicht duschen können. Das wollen wir auf keinen Fall. Aber es gibt natürlich Möglichkeiten, wie die, die Hallentemperatur etwas herunterzufahren. Entschieden haben wir da noch nichts, aber das wird auch Thema in der anstehenden Mitgliederversammlung.

Stand jetzt haben Sie aber noch keine Sorge, dass die VTZ ihre Hallen komplett dichtmachen muss?

ALT Nein, nein – nein. Auf keinen Fall. Wir haben ja auch während der gesamten Corona-Phase immer Sportbetrieb gehabt. Natürlich hatten auch wir Gruppen, die in der Hochphase der Krise gar nichts mehr machen konnten. Für Leute, die gesund sind, ist es einfacher, solch eine Zeit zu überstehen, als für die Herz- oder die Krebsnachsorge-Gruppe. Solche sensiblen Gruppen waren schwierig. Aber die haben alle den Betrieb wieder aufgenommen – und das wollen wir beibehalten.

Wie wichtig ist es für den Verein, dass der Sport, aber auch Veranstaltungen wie der Turnerjahrmarkt in diesem Jahr wieder ins Laufen gekommen sind?

ALT Das war ganz wichtig. Und der Turnerjahrmarkt war richtig toll. Die Crew um Peter Stauch, die das auf die Beine gestellt hat, nachdem der langjährige Marktmeister Horst Ließfeld sowie Mitorganisator Hartmut Seebach ja beide verstorben waren, ist top. Als die im September gesagt haben, wir machen den Turnerjahrmarkt, konnte ich es mir nicht vorstellen, dass es in diesem Jahr tatsächlich wieder funktioniert. Aber es war toll. Die Leute waren interessiert, es waren viele Besucher da und alles ist problemlos abgelaufen. Wir haben so viele Spenden erhalten wie lange nicht mehr. Und mit dem Turnerjahrmarkt haben wir uns in diesem Jahr auch bei Sterne des Sports beworben. Da das nicht unbedingt etwas typisch Sportspezifisches war, waren wir dieses Mal nicht unter den eigentlichen Preisträgern. Aber wir wurden für unser soziales Engagement ausgezeichnet und haben dafür 250 Euro erhalten.

Denken Sie, der Sport im Allgemeinen, kann das komplette Ausmaß der Corona-Krise bereits sehen?

ALT (schüttelt den Kopf) Ich kann es nicht sagen. Was es für den Nachwuchs insgesamt bedeutet. Wir wissen natürlich auch nicht, was passiert, wenn Corona im Winter wieder zunimmt. Es wird sicher nicht mehr so werden, wie im Lockdown – das kann ich mir nur im Worst Case vorstellen. Aber ich denke, es wird nach wie vor Vorschriften geben. Aber viel größere Sorgen machen mir wirklich die Kosten für die Energie. Das kann man im Moment einfach überhaupt nicht kalkulieren.

Als Sie das Amt der VTZ-Vorsitzenden 2017 übernommen hatten, sahen sie sich als zeitlich befristete Lösung. Nun machen Sie den „Job“ seit fünf Jahren. Knapp die Hälfte davon unter erschwerten Krisen-Bedingungen. Was motiviert Sie, sich auch in diesen Zeiten weiterhin ehrenamtlich in dem Sportverein zu engagieren?

ALT Ich gehöre nicht zu den Leuten, die das Handtuch schmeißen, wenn es schwierig wird. Ich habe auch mein Leben lang Sport gemacht. Man kann einen Verein nicht einfach hängen lassen, nur weil einen das selbst jetzt gerade fertigmacht. Aber natürlich waren die letzten Jahre nicht einfach. Wenn sich dann Baustellen auftun, wie der Wegfall des Trimini-Leiters, in der ohnehin harten Corona-Zeit, das potenziert sich und da merkt man die Belastung dann auch. Es kommt natürlich noch dazu, dass viele Sachen auch digital abgewickelt werden. Da muss ich schon auch sehen, dass ich da dran bleibe. Mittlerweile gehe ich immer in der Cloud spazieren (lacht), lege da einiges ab. Unsere neue Sekretärin hat mir da vieles gezeigt.

An diesem Donnerstag nun findet die nächste Mitgliederversammlung der VTZ statt, in der auch eine Satzungsänderung und Wahlen auf der Tagesordnung stehen. Momentan gibt es mit Ihnen eine Vorsitzende und mit Martin Graßhoff, Stefan Hodek, Winfried Tänzer und Steffi Urbschat vier Stellvertreter. Was soll sich ändern?

ALT Es soll künftig fünf gleichberechtigte geschäftsführende Vorsitzende geben und nicht mehr ersten, zweiten, dritten, vierten. Große Änderungen würde das erstmal nicht mit sich bringen. Wir haben die Arbeit ohnehin auf mehrere Schultern verteilt. Zum Beispiel hat sich Martin Graßhoff neben den Finanzen allem angenommen, was die Corona-Regeln betrifft. Der hat das schnell in ein Deutsch gebracht, das jeder von uns versteht. Im Vorstand hat jeder seine Bereiche.

Die Satzungsänderung und Wahlen bedeuten demnach nicht, dass Sie sich zurückziehen wollen?

ALT Ich werde wohl erstmal weitermachen. Zum Glück schafft mein Kopf noch gut und mein Sohn ist glücklich, dass ich was zu tun habe (lacht). Und die Frage, wer es sonst machen soll, ist ja weiter unbeantwortet. Wir kandidieren alle nochmal, was dann bei der Wahl am Donnerstag passiert, kann ich nicht vorhersagen. Vielleicht gibt es bei fünf gleichberechtigten Vorsitzenden irgendwann aber doch die Chance, eher jemanden zu finden, der das ganze von mir übernimmt.