Kampfsport Nach der Ruhephase plötzlich ein EM-Kampf

Hamburg · Erstmals seit der Corona-Krise steigt Jakob Styben – auch für ihn selbst etwas überraschend – an diesem Samstag wieder in den Ring. In Hamburg kämpft der Zweibrücker gegen Atti Gerardo um den WBC-Europameisterschafts-Gürtel im Muaythai.

 Fit gemacht hat sich Jakob Styben (links) unter anderem bei einem Trainingslager in Danzig mit Lukas Radosz.

Fit gemacht hat sich Jakob Styben (links) unter anderem bei einem Trainingslager in Danzig mit Lukas Radosz.

Foto: Privat

Lange lebte auch Jakob Styben in der Ungewissheit, wann er nach der Corona-Krise erstmals wieder in den Ring steigen würde. Die vergangenen Monate bestanden vor allem aus Training, Fortbilden und nochmal Training. Dann ging es plötzlich ganz schnell. Bereits an diesem Samstag steht für den Muaythai- und Kickboxer aus Zweibrücken nun wieder ein Kampf an. Und nicht irgendeiner: Für den 28-Jährigen, der in Grevenbroich trainiert, geht es in Hamburg um den WBC-Europameisterschafts-Gürtel im Muaythai-Boxen. Sein Gegner wird Atti Gerardo sein.

 Dass Jakob Styben an diesem Schwergewichtskampf teilnimmt – eher Zufall. „Normalerweise sollte mein Gegner gegen einen Kämpfer aus Finnland antreten. Durch die Corona-Einschränkungen konnte das finnische Team aber nicht anreisen“, erklärt Styben. Und so kam plötzlich sein Name ins Gespräch. „Nun darf ich um einen neuen Titel kämpfen. Manchmal hat man auch Vorteile, wenn man in der Corona-Zeit weiterhin fleißig war. Für Fleiß wird man immer belohnt“, freut sich der Zweibrücker auf diese neue Aufgabe. Zumal er sich nach den wettkampfmäßig sehr ruhigen Wochen und Monaten schon angefangen habe, sich zu langweilen. „Jetzt möchte ich das umsetzen, was ich in diesem Jahr aus meinen Büchern gelernt habe. Theorie ist gut, dennoch macht die Praxis es erst vollkommen.“

Der Kampf gegen den Lokalmatadoren Atti Gerardo, der amtierender WFCA-Weltmeister ist und unter anderem in Thailand gekämpft hat, wird im Rahmen des „Day of Distruction 13“ in Hamburg als Open-Air-Veranstaltung vor maximal 100 Zuschauern ausgetragen. „Es ist auch nur ein Trainer in der Ecke erlaubt“, erklärt Styben. „Das ist etwas schwieriger, aber wir kriegen das hin“, lässt sich der Kämpfer von den ungewöhnlichen Umständen ebenso wenig schocken, wie von der kurzen Vorbereitungszeit.

Bei einem siebentägigen Trainingslager in Danzig (Polen) Ende August hat Jakob Styben weiter hart an sich gearbeitet. Täglich standen drei Einheiten auf dem Plan: Morgens um sieben Uhr Laufen, ab neun Partnerübungen und Technik sowie am Abend jeweils für eineinhalb Stunden Technkitraining, Basisübungen und Sparring. Gearbeitet hat er dort mit Lukas Radosz aus der polnischen Nationalmannschaft. „Das Training und Sparring mit ihm war wie ein Schachspiel. Keiner von uns wollte denn anderen Freiraum geben, somit wurde jeder kleinster Fehler von beiden Seiten bestraft. Es hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht“, erzählt Styben, der nach Danzig dann die vergangenen zwei Wochen zuhause nutzte, um sich intensiv auf seinen kommenden Gegner vorzubereiten. Gegen Gerardo, der auch schon einige Erfahrung bei größeren Organisationen wie Enfusion – der Europa League in Kickboxen – gesammelt hat wird Styben über fünf Runden von je drei Minuten in den Ring steigen. Wenn Jakob Styben auch stets als Sieger aus einem Kampf hervorgehen will, sei ihm das am Samstag nicht so wichtig. Wichtigersei es, überhaupt wieder in den Ring zu steigen „und den Kampf so zu bestreiten, wie ich es wirklich kann, ihn ganz auslebe, mit allem, was in mir steckt“.