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Mit dem Wandel der Gesellschaft Schritt halten

Mit dem Wandel der Gesellschaft Schritt halten

Gisela Alt, neue kommissarische Vorsitzende der VT Zweibrücken, spricht über ihre Ziele und heutige Herausforderungen in Vereinen.

Gisela Alt ist neue Vorsitzende der Vereinigten Turnerschaft Zweibrücken (VTZ). Sie tritt damit in die Fußstapfen von Erwin Hoffmann. Die 77-Jährige sieht sich bei dem 2500 Mitglieder starken Verein allerdings nur als zeitlich befristete Notlösung.

Frau Alt, Sie haben als Nachfolgerin von Erwin Hoffmann für ein Jahr das Amt als Vorsitzende der VT Zweibrücken übernommen. Wie kam es zu diesem Schritt?

Gisela Alt: Ich bin ja schon länger im VTZ-Vorstand und Vorsitzende des Fördervereins. Als wir erfahren haben, dass Erwin Hoffmann aufhört, haben wir gemerkt, dass es nicht so einfach ist, einen Nachfolger zu finden. Irgendwann ist der geschäftsführende Vorstand dann an mich herangetreten.

Haben Sie lange überlegen müssen, als die Anfrage kam?

Alt: Zunächst habe ich gehadert. Ich werde in zwei Jahren immerhin 80 und ich denke, dass eigentlich jemand Jüngeres das Amt übernehmen sollte. Aber als wir niemanden gefunden haben, habe ich schließlich doch zugesagt. An sich ist mir das nicht so schwer gefallen, weil die VTZ ein sehr gut organisierter Verein ist. Zunächst wird keine Entscheidung hier alleine getroffen - was durch die Struktur mit dem Präsidenten, dem Ersten Vorsitzenden und den drei gleichberechtigten Vertretern bedingt ist. Zum anderen sind die vielen Abteilungen erstmal für sich selbst verantwortlich. Ich habe dann entschieden, für ein Jahr das Amt kommissarisch zu übernehmen. Ich persönlich finde es einfach schlecht, wenn ein so großer Verein keinen Vorsitzenden hat. Das ist auch nach außen wichtig, es muss ein Ansprechpartner da sein. Außerdem komme ich aus dem Sport und ich denke, man hat auch eine soziale Verantwortung. Ihr Engagement als Vorsitzende sehen Sie aber auf jeden Fall auf ein Jahr begrenzt?

Alt: Ein klares Ja. Es war uns einfach wichtig, nun Zeit für die Suche nach einem neuen Vorsitzenden zu haben und keinen Schnellschuss abgeben zu müssen. Wir haben jetzt etwas Luft, alles ordentlich vorzubereiten und uns um einen Nachfolger zu kümmern.

Als Vorsitzende des Fördervereins und bisheriges Vorstandsmitglied hatten Sie in der Vergangenheit ohnehin einige Aufgaben bei der VTZ übernommen. Welche neuen werden im nächsten Jahr auf Sie zukommen?

Alt: Zunächst muss ich mir einen Überblick über alles verschaffen, was der Vorsitzende selbst gemacht hat. Da werde ich sicher noch dazulernen. In meinem Beruf - ich war ja nicht nur Lehrerin am Helmholtz, sondern auch Studiendirektorin und Vertreterin im Fach Sport bei der Aufsichtsdirektion - habe ich viel gemanagt. Das Organisatorische ist mir nicht fremd. Aber die meisten Aufgaben werden nicht grundlegend andere sein als vorher auch. Dennoch werden sicher neue Anfragen an mich herangetragen. Ich mache aber auch nicht alles: Ganz bestimmt werde ich mich nicht beim Fassanstich am Turnerjahrmarkt zeigen (lacht). Ich schaffe lieber mit dem Kopf. Was die Vereinsstruktur angeht, sehe ich keinerlei Veranlassung, etwas zu ändern, das läuft gut. Ich habe mir vorgenommen, möglichst alle Geldquellen auszutüfteln, was Zuschüsse etwa vom Landessportbund für Ferienwochen, Fahrten, Flüchtlingshilfe und solche Dinge angeht. Da muss man immer hinterher sein. Eine weitere Herausforderung ist es, den Turnerjahrmarkt am Leben zu halten. Da muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass das eine von der VTZ realisierte Veranstaltung ist, die viel Geld kostet. Ich selbst habe mir da früher auch nie Gedanken drüber gemacht. Da sind wir weiter auf Spenden der Zweibrücker angewiesen. Zumal die Kosten, auch was Sicherheitsbedingungen angeht, steigen.

Was motiviert Sie dazu, sich in noch größerem Maße ehrenamtlich bei der VTZ zu engagieren?

Alt: Wenn man ein Leben lang mit Sport zu tun hatte, dann kann man nicht einfach Zuhause herumsitzen. Zudem gibt der Verein einem in schwierigen Situationen auch etwas zurück. Das ist sicher nicht der Grund, warum ich mich engagiere. Ich bin eigentlich niemand, der die Vereinsbrille aufhat. Ich sehe den Sport. Es ist meine Motivation, den Sport und all das, was er leisten kann, voranzubringen. Dabei will ich nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern gemeinschaftlich arbeiten. Damit bin ich schon in der Schule gut gefahren und das halte ich weiter so. Ein großes Ziel ist es, in die Gedankenspur von Präsident Otto Graßhoff hineinzukommen. Es imponiert mir, was er für den Verein alles gemacht hat. Wenn ich nur fünf Prozent von dem erreiche, was er geleistet hat, dann habe ich gute Arbeit gemacht. Er ist, was die VTZ angeht, ein echtes Vorbild.

Wie wichtig ist auch in einem so großen Verein wie der VTZ das Ehrenamt? Und hat sich Ihrem Empfinden nach die Bereitschaft der Menschen gewandelt, ehrenamtlich tätig zu sein?

Alt: Das Ehrenamt ist enorm wichtig. Wir alle hier arbeiten ehrenamtlich. Bei einem Fußballverein mit 2500 Mitgliedern gäbe es sicher einen hauptamtlichen Geschäftsführer. Bei uns nicht. Ich glaube aber nicht, dass sich die Einstellung oder Bereitschaft zum Ehrenamt grundsätzlich verändert hat. Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Den jungen Menschen, die berufstätig sind, wird immer mehr zugemutet. Sie haben einfach zu wenig Zeit. Das sehen wir auch daran, dass wir immer ausrechend engagierte Helfer und Übungsleiter finden, wenn es um zeitlich begrenzte Einsätze geht, wie etwa die Ferien-Sportwoche oder Kursangebote. Man kann nicht generell sagen, dass junge Leute nicht mehr ehrenamtlich tätig sein wollen. Die Art des Engagements entspricht nur einfach nicht mehr dem herkömmlichen, traditionellen Sportverein-Verständnis. Aber das zieht sich durch alle Sportarten und ist ein Problem, das noch nicht gelöst ist.

Die VT Zweibrücken steht in stetigem Wandel. Wie wichtig ist es für Vereine, mit der Zeit zu gehen?

Alt: Die Flexibilität ist enorm wichtig. Die Mischung daraus, Traditionen zu pflegen und sich dennoch vor Trendsportarten nicht zu verschließen, ist denke ich das richtige Rezept. Es ist sehr wichtig, mit der Zeit zu gehen. Und zugleich neben dem Sport auch traditionelle Veranstaltungen wie die Kinderfastnacht, nicht fallen zu lassen. Man muss auf die Veränderungen in der Gesellschaft eingehen. So bieten wir mittlerweile 30 Gesundheitskurse an. Der Gesundheitssport ist eine Wachstumsbranche.

Was zeichnet die VTZ als Verein neben dieser Flexibilität noch aus?

Alt: Ein Vorteil der VTZ ist, dass sie ein großer Mehrspartenverein ist. Mit Ausnahme von Fußball und Schwimmen wird fast alles angeboten. Dazu kommt, dass traditionelle Sportarten wie das Fechten gepflegt werden, der Verein aber dennoch offen ist für Neues, niemand bei einer neuen Idee gleich Nein sagt. Neben dem Riesenspektrum an Leistungssport - in Leichtathletik, Turnen, Handball, Basketball oder Tischtennis - bieten wir auch Hobbysparten, Tanzen und eben die Gesundheitskurse an. Zudem übernimmt die VTZ soziale Verantwortung. Etwa mit der Frauengruppe. Viele der Teilnehmerinnen sind alleinstehend - und hier im Verein sind schon echte Freundschaften entstanden.

Stehen in naher Zukunft neue Projekte für die VTZ an?

Alt: Etwas Neues ist aktuell nicht geplant. Aber sicher gibt es immer genügend Probleme. So müssen wir auch künftig ein Auge darauf haben, Übungsleiter zu finden. Gerade für spezielle Angebote. Eine Sache, die wir angehen müssen, ist der Modern-Fitness-Day. Wir wissen nicht genau, warum trotz der Neuerungen die Zahlen so rückläufig sind. Es gibt inzwischen einfach viele große Conventions, da zieht es nicht gerade nach Zweibrücken. Zudem müssen wir weiter das Älterwerden der Bevölkerung berücksichtigen.

Sie waren früher selbst erfolgreiche rhythmische Sportgymnastin, waren Sportlehrerin. Sind Sie auch heute noch sportlich aktiv?

Alt: Ja, der Sport hat schon immer zu meinem Leben gehört. 1968 war ich deutsche Meisterin mit der Pfalzmannschaft. Auch wenn es schwieriger geworden ist, mache ich täglich meine zwei Mal 20 Minuten zuhause, dazu kommen Schwimmen und Qigong. Das ist und bleibt mir wichtig.

Das Gespräch führte Svenja Hofer.