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Merkur-Kommentar zur Fortsetzung der Fußball-Regionalliga

Merkur-Kommentar : Fortsetzung der Regionalliga ist kaum vermittelbar

Mancher Fußballer des FK Pirmasens muss vor Weihnachten womöglich eine schwere Entscheidung treffen: Welche geliebten Menschen werde ich angesichts der Corona-Beschränkungen an den Festtagen sehen? Und welche nicht?

Gestern hatten die FKP-Kicker indes keine Wahl. Sie mussten nach einem Beschluss des Landgerichts Mannheim nach Baden-Württemberg reisen, um in Walldorf ihr Auswärtsspiel in der Regionalliga zu bestreiten. 22 Spieler aus 22 Haushalten lieferten sich auf dem Rasen harte Zweikämpfe und verbissene Laufduelle.

Während bereits die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga trotz des gigantischen wirtschaftlichen Rattenschwanzes, der mit dem Milliardengeschäft verflochten ist, in der Kritik steht, ist die Wiederaufnahme des Betriebes in der Regionalliga noch viel weniger vermittelbar. Natürlich hängen auch an der Regionalliga Jobs. Und für Clubs wie den FC Homburg, die unter Profistrukturen spielen – und entsprechende Kosten haben – mag die Fortsetzung immens wichtig sein. Doch die Spielklasse besteht in weiten Teilen aus Amateuren. Wie den Kickern des FK Pirmasens: Studenten, Angestellte, Väter, die Verpflichtungen und Verantwortung abseits des Rasens schultern müssen. Sport ist wichtig. Auch – oder sogar insbesondere – der Amateursport. Aber Woche für Woche dutzende Spieler aus der vierten Liga quer durch die Republik zu schicken, erscheint in einer Zeit, in der die Regierung fordert, Kontakte einzuschränken, geradezu grotesk. Einer Zeit, in der jeden Tag hunderte Menschen sterben. Einer Zeit, in der selbst das Fest der Liebe nicht mit geliebten Menschen gefeiert werden darf.