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Marco Antwerpen hat seine Arbeit beim 1. FC Kaiserslautern aufgenommen

1. FC Kaiserslautern : Mit Zuversicht, Einigkeit und neuen Impulsen

Ungeachtet der prekären Tabellenlage geht Marco Antwerpen die schwere Trainer-Aufgabe beim 1. FC Kaiserslautern mit einer guten Portion Optimismus an. Und zum Einstand bestimmt er gleich einen neuen Kapitän bei dem Fußball-Drittligisten.

Als Marco Antwerpen am Mittwochvormittag mit seiner neuen Mannschaft erstmals den Trainingsplatz auf dem Betzenberg betritt, gießt es wie aus Eimern. Doch das triste Wetter kann dem neuen Coach des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern ebenso wenig die Vorfreude auf seine neue Aufgabe nehmen wie die prekäre Tabellensituation der Pfälzer. „Fritz-Walter-Wetter, habe ich mir sagen lassen, – vielleicht war das ja schon ein gutes Omen“, sagt der 49-Jährige voller Zuversicht bei seiner Vorstellung am Mittwoch.

Als Marco Antwerpen als kleiner Junge beim nordrhein-westfälischen SuS Lünern das Fußballspielen erlernte, später beim Königsborner SV seine Aktivenlaufbahn einschlug, habe er nicht im Traum daran gedacht, eines Tages bei einem Traditionsverein wie dem FCK als Coach zu arbeiten. „Ich habe als Spieler aber auch nicht darüber nachgedacht, ob ich überhaupt Trainer werden würde. Aber ich freue mich, dass es geklappt hat“, sagt der neue Hoffnungsträger der Lautrer. Lange über den Schritt grübeln, die schwere Aufgabe bei dem krisengebeutelten Club anzunehmen, musste Antwerpen nicht. „Ich habe ein gutes Bauchgefühl“, erklärt er. Die Größe des Vereins, die Tradition und die Leidenschaft der Fans machten den besonderen Reiz aus. „Wenn du dich als Trainer für Kaiserslautern entscheidest, dann musst du wissen, dass du hier immer unter Druck stehst. Das ist wirklich eine Herausforderung, aber der stelle ich mich sehr gerne. Ich habe ein breites Kreuz und halte viel Druck aus“, betont der neue Trainer des vom Abstieg bedrohten Drittligisten.

Nach bisher nur drei Saisonsiegen startet der Tabellen-16. mit Antwerpen den letzten Versuch, den drohenden Absturz in die Viertklassigkeit abzuwenden. Immerhin ist er bereits der dritte Trainer der Pfälzer in dieser Spielzeit nach Boris Schommers und dem Luxemburger Jeff Saibene, der am vergangenen Samstag nach der 0:1-Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden freigestellt worden war.

Antwerpen weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Erfolg und Misserfolg anfühlen. In der vergangenen Saison führte er Eintracht Braunschweig zum Aufstieg in die 2. Bundesliga, in dieser Saison wurde er bei Zweitligist Würzburger Kickers nach nur fünf Partien beurlaubt. Zuvor stand er bereits bei Preußen Münster und Viktoria Köln an der Seitenlinie. Und die Spielphilosophie bei all diesen Stationen variierte.

„Die Frage nach meiner eigenen Spielphilosophie ist eine der interessantesten, die immer wieder auftaucht“, sagt Antwerpen. Dabei seien aber mehrere Dinge zu berücksichtigen: „Kannst du als Trainer deinen Kader so planen, wie du es gerne möchtest? Dann kann man Dinge entwickeln.“ Doch wie auch beim FCK habe er zuletzt immer bestehende Teams übernommen. „Da musst du sehen, was primär wichtig ist: deine Spielphilosophie oder erfolgreichen Fußball spielen. Ich entscheide mich immer erstmal für den Fußball.“ Dafür, Punkte zu sammeln und Spiele zu gewinnen. „Natürlich mag ich offensiven Fußball, ich mag aber auch, wenn ich wenig Gegentore bekomme.“

In der bestehenden Mannschaft des FCK war der neue Coach immerhin in die beiden letzten Wintertransfers, Felix Götze und Marvin Senger, eingebunden. „Die habe ich am Montag mit auf den Weg gebracht“, erzählt er. Auch Anas Ouahim sieht Antwerpen als „gute Verpflichtung“. „Aber klar ist auch, dass sich die Spieler akklimatisieren müssen, die müssen ankommen und integriert werden.“ Ebenso wie die beiden neuen Trainer Marco Antwerpen und sein Co Frank Döpper selbst. „Das sind Prozesse, die dauern, aber wir werden das rasch voranbringen und schnelle Entscheidungen treffen“, macht der 49-Jährige klar. Und wie ernst es ihm damit ist, zeigte er bereits bei Amtsantritt: Kapitän Carlo Sickinger wurde abgelöst. „Wir wollen ihm diesen Rucksack erstmal abnehmen.“ Und so wird Jean Zimmer die Roten Teufel am Samstag im Derby gegen Waldhof Mannheim als Kapitän aufs Feld führen.

Denn Antwerpen will die erfahrenen Spieler in die Pflicht nehmen. „Die können mit solchen Situationen meist gut umgehen.“ Neben Zimmer gehören für ihn dazu Kevin Kraus, Alexander Winkler, Tim Rieder und Marvin Pourié – „bei dem wir die Emotionalität noch in den Griff bekommen müssen“, gibt Antwerpen schmunzelnd zu. „Wir müssen aber vor allem als Mannschaft und Verein einen guten Zusammenhalt an den Tag legen.“ Es sei wichtig, „aus dieser schwierigen, komplizierten Situation“ rauszukommen. „Dabei sollten wir den Glauben an die Mannschaft nicht verlieren. Denn die Qualität ist da. Und das werden wir in den nächsten Spielen auch zeigen“, ist sich Antwerpen sicher.

Am Dienstag hatte er sich das Training noch von der Tribüne aus angeschaut, weil der zweite negative Corona-Test noch nicht vorlag. Am Mittwoch durfte er mit dem Team dann endlich auf den Platz. „Die Spieler sind sehr fokussiert“, sagte er danach.

Seine Premiere als FCK-Coach könnte mit dem Derby gegen Mannheim brisanter kaum sein. Doch Antwerpen freut sich auf die Partie im Carl-Benz-Stadion. „Das sind Spiele, die den Fußball ausmachen. Warum sollte das nicht ein Startpunkt für uns sein, um den Hebel umzulegen? Mit den neuen Impulsen, die wir der Mannschaft jetzt geben, sind wir sehr wohl in der Lage, dort drei Punkte holen zu können“, betont er. Und womöglich hilft dabei auch am Samstag das berühmte Fritz-Walter-Wetter.

Der KFC Uerdingen hofft derweil weiter auf eine Zukunft in der 3. Liga. Die Benennung eines Insolvenzverwalters hat keine Auswirkung auf den Spielbetrieb. Das teilte der auf Insolvenz- und Steuerrecht spezialisierte Fachanwalt Claus-Peter Kruth mit. „Um dem Traditionsclub eine Perspektive zu ermöglichen, werden wir in den nächsten Tagen und Wochen unter Einbezug der Liga-Statuten alle zur Verfügung stehenden Optionen prüfen, um weiter hochklassigen Fußball anbieten zu können“, sagte er.