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Marc Lingenfelser vom EHC Zweibrücken beendet Karriere

Eishockey : Der „Knipser vor dem Herrn“ nimmt Abschied

158 Spiele hat er für den EHC Zweibrücken in der Eishockey-Regionalliga bestritten und dabei 112 Tore erzielt. Nun hat Stürmer Marc Lingenfelser seine Karriere beendet. Ohne den 36-Jährigen treten die Hornets am Sonntag bei Schlusslicht Bietigheim-Bissingen an.

112 Tore hat Marc Lingenfelser für seine Hornets erzielt. Und 96 Treffer vorbereitet. Am Sonntag, wenn der EHC Zweibrücken in der Eishockey-Regionalliga um 19 Uhr bei Schlusslicht SC Bietigheim-Bissingen antritt, werden aber keine weiteren Tore dazukommen. Und auch danach nicht. Denn nach 31 Jahren auf dem Eis ist jetzt Schluss. Lingenfelser hat seinen Vertrag beim EHCZ aufgelöst. „Eine Entscheidung für die Familie“, wie der zweifache Familienvater erklärt. „Die Kids werden größer, wollen mehr von ihrem Papa haben“, sagt der 36-Jährige. Deshalb beginnt die Eishockey-Rente früher als geplant. Am vergangenen Samstag sei die Entscheidung gefallen, berichtet der Vater eines Sohnes und einer Tochter, der seit seinem vierten Lebensjahr auf dem Eis steht.

Zum Eishockey war Lingenfelser als Knirps durch seinen Vater gekommen: „Der hat selbst Fußball gespielt, war aber manchmal in Eppelheim zum Eishockey schauen“, erzählt der Mannheimer über seine ersten Berührungspunkte mit dem Sport. Oft habe er nach den Spielen der Eppelheimer „wie ein Maskottchen auf dem Eis gestanden“ und dort mit Schläger und Puck alleine aufs Tor geschossen.

In seiner Jugend spielte Lingenfelser bei den Jungadlern Mannheim in der Schüler- und Juniorenbundesliga. 2009 wechselte er nach Eppelheim, dem Verein, der damals noch unter dem Namen Rhein-Neckar-Stars in der Regionalliga West spielte. Ab 2011 lief er für die Darmstadt Dukes auf, kämpfte dort um die Qualifikation zur Oberliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Damals wie heute an seiner Seite: Maximilian Dörr. Der sei es auch gewesen, der den Kontakt nach Zweibrücken hergestellt habe. Gemeinsam wechselten beide zur Saison 2014/15 zum EHCZ. Und schlugen auf Anhieb ein. Schon in seiner Premierensaison für die Hornets war Lingenfelser in Hauptrunde und Play-offs an 50 Toren beteiligt. Seine statistisch erfolgreichste Saison war die darauf folgende Spielzeit: 54 Scorer-Punkte standen nach 26 Partien zu Buche.

Marc Lingenfelser feiert eines seiner 112 Tore für die Hornets.
Marc Lingenfelser feiert eines seiner 112 Tore für die Hornets. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Auch Lingenfelsers persönlicher Gänsehaut-Moment stammt aus dieser Saison: März 2016, Play-off-Halbfinale beim Schwenninger ERC: Mit der Unterstützung von rund 150 mitgereisten Hornets-Fans im Rücken steht es kurz vor Ablauf der Verlängerung Unentschieden. Fünf Sekunden vor Schluss trifft Lingenfelser zum Sieg – vor der Kurve der Zweibrücker Fans. „Diesen Moment werde ich nie vergessen“, sagt der 36-Jährige.

Der größte sportliche Erfolg mit dem EHCZ stand ihm aber noch bevor. 2017 gewann er mit Zweibrücken den Titel. Und hatte mit 22 Scorer-Punkten an der Meisterschaft einen gehörigen Anteil.

Marc Lingenfelser (Mitte) freut sich 2017 über den Sieg im Play-off-Halbfinale über Eppelheim. Wenige Wochen später waren die Hornets Meister.   Foto: Wille
Marc Lingenfelser (Mitte) freut sich 2017 über den Sieg im Play-off-Halbfinale über Eppelheim. Wenige Wochen später waren die Hornets Meister. Foto: Wille Foto: Marco Wille

Viele Spiele und Tore für die Zweibrücker folgten. Darunter spektakuläre. 2019 düpierte er einmal Jannis Ersel im Tor der Stuttgart Rebels mit einem Penalty durch die eigenen Beine, der den Hornets den Sieg bescherte. „Linge hat einfach Eier“, kommentierte Torwart Steven Teucke den Treffer damals.

Dabei war Lingenfelser von einem Wechsel nach Zweibrücken gar nicht auf Anhieb überzeugt gewesen, gibt er heute zu. „Die Fahrerei gebe ich mir nicht“, habe er zu Dörr gesagt. Schließlich habe der damalige Trainer Richard Drewniak Dörr und „Linge“ so lange bearbeitet, bis der Stürmer schließlich gesagt habe: „Was hast du zu verlieren, du willst doch noch nicht aufhören.“ Das wollte Lingenfelser auch nach den folgenden acht Spielzeiten nicht. Mit den Hornets bestritt er dieses Jahr seine neunte Saison – doch die findet nun ein vorzeitiges Ende. Die Fahrten zum Training – jedes Mal anderthalb Stunden für einen Weg – forderten einen Tribut, den der 36-Jährige nicht mehr auf Kosten der Familie zu zahlen bereit war.

Lingenfelser, der als Außendienstler mit krebskranken Patienten arbeitet, blickt dennoch auf eine „fantastische Zeit“ in Zweibrücken zurück. Die Unterstützung der Zuschauer über all die Jahre bezeichnet er als „sensationell“.

Auf den Angreifer, den EHCZ-Trainer Ralf Wolf als „Knipser vor dem Herren“ bezeichnet, muss der Hornets-Anhang künftig verzichten. Zumindest auf dem Eis. Denn die Play-offs – und „Linge“ ist sich sicher, dass sein Team diese auch ohne ihn erreicht – „werde ich mir, wenn es die Zeit zulässt, natürlich nicht entgehen lassen.“