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Leichtathletik-DM: Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken gewinnt Speerwurf-Titel

Leichtathletik-DM : Zwischen Hadern und riesiger Freude

63,30 Meter reichen Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken zum souveränen Sieg in Braunschweig. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe sichert sich nach einem durchwachsenen Wettkampf, in dem vor allem der neue Titelträger Oleg Zernikel mit Olympianorm glänzte, Bronze. LAZ-Sprinterin Sina Mayer feiert als Vierte über die 100 Meter ihre beste DM-Platzierung.

Nach dem letzten Wurf des Tages kehrte auch das Lachen auf Christin Hussongs Gesicht zurück. Nachdem ihr Speer bei soliden 63,30 Metern gelandet war. Der fünfte DM-Titel, der vierte in Folge, war der Athletin des LAZ Zweibrücken bereits davor sicher. Doch die 27-Jährige haderte bei ihren vorangegangenen Versuchen. Mit ihrer Körperposition, mit den Weiten. Die 63,30 Meter „sind okay, ich bin froh, dass ich sie noch zusammengebracht habe. In den vergangenen Jahren wären die auch vollkommen in Ordnung gewesen. In diesem bedeutet mir der DM-Titel aber deutlich mehr als die Weite“, erklärte Hussong.

Eine Woche nach ihrem grandiosen 69,19-Meter-Wurf bei der Team-EM in Polen fand sie nur schwer in den Wettkampf im Braunschweiger Eintracht-Stadion. Wie die gesamte Speerwurf-Konkurrenz. Häufig gab es Kopfschütteln zu sehen, zahlreiche Versuche wurden ungültig gemacht. So auch von Christin Hussong. Nach 62,17 Metern zum Einstieg folgten drei ungültige Würfe. Den 59,75 Metern im fünften Durchgang ließ die amtierende Europameisterin ihren weitesten Versuch folgen. Mit einem erleichterten Lachen nahm sie schließlich die Glückwünsche der nationalen Konkurrenz entgegen, die sie deutlich hinter sich gelassen hatte. Die zweitplatzierte Christine Winkler (SC DHfK Leipzig) blieb mit 54,83 Metern knapp neun Meter hinter der deutschen Meisterin zurück, auf Rang drei folgte Lea Wipper (SC DHfK Leipzig) mit 51,06 Metern. „Es lief sehr, sehr schleppend. Es war technisch sehr schwierig, ich habe es nicht so gut umsetzen können wie zuletzt“, erklärte die Herschbergerin im Gespräch mit dem ZDF. Bislang war sie in keinem Meeting des Sommers unter der 64-Meter-Marke geblieben. „Ich war in den vergangenen Wochen bei den guten Wettkämpfen einfach deutlich größer unter dem Speer. Das war heute das Problem.“ Das mache gleich ein paar Meter aus, erklärte die LAZ-Athletin, die schon vor der DM betont hatte, dass es utopisch wäre, zu glauben, dass sie nun jede Woche „eine 69“ werfe. „Ich bin sehr motiviert, aber ich muss meine 69 Meter auch erst einmal realisieren.“

Die Herschbergerin wisse, woran sie „in den nächsten Wochen wieder arbeiten muss. Das ist auch mal ganz gut, denn wenn es läuft und läuft, macht man sich nicht so viele Gedanken, woran man noch arbeiten muss“, betonte Hussong, die bereits am Sonntag in den Flieger Richtung Finnland gestiegen ist, wo sie am Montagabend bei den Paavo Nurmi Games in Turku wieder zum Speer greifen wird. Danach folgt eine kurze Wettkampfpause, bevor das Heimspiel am 19. Juni beim „Sky’s the Limit“ im heimischen Westpfalzstadion ansteht. Und danach geht es bereits mit großen Schritten Richtung Olympische Spiele in Tokio, wo sie das Podest anstrebt. „Den vierten Platz von Doha (WM 2019, Anm. d. Red.) möchte ich nicht noch einmal, deswegen möchte ich auf jeden Fall eine Medaille gewinnen“, blickt Christin Hussong selbstbewusst voraus.

In der Stabhochsprung-Konkurrenz der Männer strotze am Samstag in Braunschweig ein anderer als Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken oder auch Titelverteidiger Bo Kanda Lita Baehre vom TSV Bayer Leverkusen vor Selbstbewusstsein: Oleg Zernikel (ASV Landau), Teilzeit-Trainingspartner von Holzdeppe, überstrahlte nach seinem Sprung über die Olympianorm von 5,80 Metern alle anderen. Wie ein Flummi sprang er von der Matte, schrie seine freute heraus, ballte die Fäuste, bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Dass er mit dieser neuen Bestmarke im Anschluss zudem seinen ersten DM-Titel einheimste, weil Lita Baehre in seinem letzten Versuch über die 5,80 nicht mehr kontern konnte, machte den Samstag perfekt für den 26-Jährigen. Der Leverkusener landete mit 5,70 Metern auf Rang zwei vor Bronzegewinner Raphael Holzdeppe, der am Ende 5,50 Meter stehen hatte.

Und auch mit dieser, seiner Einstiegshöhe, hatte der 31-jährige Zweibrücker am Samstag zunächst Probleme. Erst im dritten Anlauf blieb die Latte liegen. Nach einem Fehlversuch über die 5,60 Meter setzte der Weltmeister von 2013 aus und versuchte sich erst wieder an den 5,70, die er als Bestätigung seiner im Jahr 2019 absolvierten Olympia-Norm noch bräuchte. Doch in den zwei verbleibenden Durchgängen fand Holzdeppe nicht richtig ins Fliegen. So musste er sich mit dem Bronzerang begnügen. „Ich weiß, was ich noch ändern, was ich verbessern muss“, zeigte er sich im Gespräch mit dem Internetportal „leichtathletik.de“ recht entspannt. „Die Routine fehlt noch und es ist manchmal sehr schwierig, hoch zu springen“, erklärte Holzdeppe, dass er ein paar Unstimmigkeiten habe, was den Anlaufrhythmus angeht. „Und wenn der Anlauf nicht stimmt, dann kann ich machen, was ich will – dann ist der Sprung sehr schwierig so durchzuführen, wie ich mir das vorstelle.“ Der Leverkusener Torben Blech, der ebenso wie Holzdeppe die Olympianorm bereits absolviert hatte, kam in Braunschweig nicht über 5,30 Meter hinaus.

Durch die Normerfüllung von Oleg Zernikel wird es so noch einmal richtig spannend im Kampf um die drei Tickets für Tokio. Er ist der dritte DLV-Athlet, der die Norm geknackt hat. Und mit Bo Kanda Lita Baehre, dessen 5,81 Meter aus dem Corona-Jahr 2020 nicht als Quali zählen, steht ein weiterer heißer Kandidat bereit. „Ich werde auf jeden Fall noch zwei, drei Wettkämpfe vor Nominierungsschluss machen und da möchte ich die Olympia-Norm noch einmal angreifen“, betont der WM-Vierte von 2019.

Mit seinem ersten Olympiastart auseinandersetzen darf sich nun bereits Oleg Zernikel. Denn die deutschen Meister mit erfüllter Norm können für die Spiele planen. „Letztes Jahr habe ich noch gar nicht daran gedacht, dass ich in Tokio am Start sein könnte“, sagte er nach seinem DM-Triumph. „Ich habe von Olympia angefangen zu träumen, als ich aufhören wollte – das war 2016.“ Und sein erster Gratulant, mitten im Jubeltaumel, war am Samstag Raphael Holzdeppe. Wenn es nun auch heißt, dass er damit einen Konkurrenten mehr im Kampf um die Olympia-Tickets hat. „Ich gratuliere Oleg ganz herzlich! Er hat einen super Wettkampf gemacht“, sagte der Zweibrücker, für den es nun die Hauptaufgabe bleibe, den Anlauf in den Griff zu bekommen. Und das dann auch in den verbleibenden Wettkämpfen bis zum Ende des Qualifikationszeitraums Ende Juni umzusetzen. „Ich bin auf jeden Fall noch beim Himmelsstürmer-Cup in Zweibrücken und bei den Classics in Leverkusen am Start. Ob ich noch einen dritten Wettkampf einplane, muss ich noch schauen.“

Vollkommen zufrieden auf die Anzeigetafel geblickt hat am Samstagabend LAZ-Sprinterin Sina Mayer. In einem starken und spannenden 100-Meter-Rennen verpasste sie das Podest zwar ganz knapp um zwei Hundertstelsekunden, freute sich mit Rang vier aber über ihre „bisher beste DM-Platzierung“. Mit ihrer Zeit von 11,34 Sekunden musste sich die 26-Jährige hauchdünn hinter Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar 11,32 sek) einreihen. Ihren tränenreichen ersten DM-Titel feierte Alexandra Burghardt (11,14 sek) von der LG Gendorf/Burghausen, die knapp vor Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar, 11,16 sek), die Ziellinie überquerte. Beim Blick auf die Zeit, noch als sie die Glückwünsche der Konkurrentinnen entgegennahm, konnte sie es kaum fassen, die Freudentränen flossen: Sieg und Olympianorm.

 Stab-Überraschungssieger Oleg Zernikel klatscht nach seinem erfolgreichen Versuch über die Olympia-Normhöhe von 5,80 Metern mit seinem Teilzeit-Trainingspartner Raphael Holzdeppe ab.
Stab-Überraschungssieger Oleg Zernikel klatscht nach seinem erfolgreichen Versuch über die Olympia-Normhöhe von 5,80 Metern mit seinem Teilzeit-Trainingspartner Raphael Holzdeppe ab. Foto: imago images/Christoph Worsch/Christoph Worsch via www.imago-images.de
 LAZ-Sprinterin Sina Mayer lief über die 100 Meter auf Rang vier – ihre beste DM-Platzierung.
LAZ-Sprinterin Sina Mayer lief über die 100 Meter auf Rang vier – ihre beste DM-Platzierung. Foto: imago images/Beautiful Sports/BEAUTIFUL SPORTS/KJPeters via www.imago-images.de
 Nach einem durchwachsenen Wettkampf landete Raphael Holzdeppe auf Rang drei.
Nach einem durchwachsenen Wettkampf landete Raphael Holzdeppe auf Rang drei. Foto: Wolfgang Birkenstock

Ihren Start über die 200 Meter ließ Sina Mayer am Sonntag aus. „Der Fokus lag ja von Anfang an auf den 100 Metern“, erklärte die LAZ-Athletin und fügte an: „Wir wollten bei den Bedingungen jetzt kein Risiko eingehen.“ Sie werde sich nun auf die kommenden Rennen konzentrieren. In zwei Wochen steht die Laufnacht in Regensburg an, an die Mayer „gute Erinnerungen“ hat. 2017 stellte sie dort ihre noch immer gültige Bestzeit von 11,25 Sekunden auf. Nach den 11,30 in Dessau und nun den 11,34 Sekunden in Braunschweig traue sie sich durchaus zu, die Bestmarke in diesem Jahr auch noch fallen zu lassen.