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LAZ Zweibrücken trennt sich nach Vorwürfen von Trainer Klaus Klein

Leichtathletik : LAZ trennt sich nach Vorwürfen von Lauftrainer Klaus Klein

Uneinigkeit „über Missstände im Trainingsbetrieb“ zu Corona-Zeiten. Vorstand widerspricht Darstellungen. Derzeit gibt es keine Laufgruppe.

Die Corona-Pandemie macht Sportvereinen seit über einem Jahr zu schaffen. Beim Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken war sie scheinbar sogar Auslöser einer Trainerentlassung. Wie der bisherige Lauftrainer Klaus Klein gestern mitteilte, habe ihm der LAZ-Vorstand „ohne Angabe von Gründen“ seine ehrenamtliche Tätigkeit gekündigt. Der Vorsitzende Alexander Vieweg, der gemeinsam mit Alexander Gakstädter und Holger Passauer den gleichberechtigten Vorstand bildet, bestätigte auf Anfrage, dass „wir uns vor eineinhalb Wochen von Klaus Klein getrennt haben. Seitens des Vorstands sahen wir keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit gegeben“. Auf die Gründe wollte Vieweg zunächst nicht näher eingehen.

Klein selbst schätzt, dass die Kündigung seiner Trainertätigkeit damit zusammenhängt, dass er den Vorstand „seit Monaten auf Missstände im Trainingsbetrieb im Zusammenhang mit den Coronaregeln aufmerksam gemacht hat – ohne etwas zu erreichen“, sagt der Saalstadter. Auf seine Fragen, warum Athleten, die keinem Kader angehören, in der für den allgemeinen Sportbetrieb geschlossenen LAZ-Halle dennoch regelmäßig trainieren, habe er keine nachvollziehbaren Erklärungen bekommen. „Das, was wir machen, machen wir nach bestem Wissen und Gewissen“, entgegnet Vieweg. Diejenigen, die derzeit aufgrund der Verordnung trainieren dürfen, seien – neben Speerwerferin Christin Hussong – beim LAZ die Stabhochspringer, die Kaderathleten sind. Am Abend nahm der Vorstand zu diesen Anschuldigungen Stellung. „Der Vorstand des LAZ Zweibrücken hat Trainingsmöglichkeiten in der vereinseigenen Halle stets nach eingehender Diskussion und auf Basis einer ebenso kritischen wie strengen Prüfung und Auslegung der jeweils gültigen Corona-Verordnung gestattet“, heißt es darin. Leider erlaube dies in der Konsequenz nur einem eingeschränkten Kreis von Athleten in der Halle zu trainieren. „Die meisten Athleten, darunter auch die Mitglieder der von Herrn Klein angeleiteten Trainingsgruppe, erfüllten die Vorgaben der Verordnung leider nicht.“ Dem vehement vorgebrachten Anliegen Kleins, Athleten ohne jegliche Normerfüllung eine Trainingsmöglichkeit einzuräumen, könne somit nicht entsprochen werden.

Klaus Klein bemängelt, dass seitens des Vorstands nicht auf seine Hinweise eingegangen wurde, was Coronaregeln oder die Gerechtigkeit gegenüber anderen Sportlern betrifft, „dass man hier Privilegien für einige wenige schafft“. Er habe all dies zuletzt auch in einem mehrseitigen Schreiben an den Vorstand ausgeführt. Klein habe daraufhin zwar ein Gesprächsangebot vom LAZ-Vorstand erhalten, zu einer persönlichen Aussprache kam es bis zur Kündigung aber nicht mehr. „Mein Vorschlag war es, dieses Thema in einer Trainersitzung zu besprechen – und nicht ich alleine mit drei Vorständen“, erklärt der früher selbst sehr erfolgreiche Mittelstreckenläufer, der seit elf Jahren als Trainer beim LAZ fungierte. Darauf sei nicht eingegangen worden und Klein wollte den „angeordneten“ Termin alleine nicht wahrnehmen – „und da hatte ich zwei Tage später mein Kündigungsschreiben im Briefkasten“, sagt das LAZ-Gründungsmitglied mit Bedauern. „Ich möchte auch jetzt nicht unbedingt aus dem Verein austreten.“ Als Trainer sieht er unter dem jetzigen Vorstand aber kein Zurück mehr.

Die Folge: Die bislang aus 14 Läuferinnen und Läufern bestehende Gruppe von Klaus Klein um Paula Götze, Hannah Schmitz und Sohn Lars Klein habe sich aufgelöst. Einen Lauftrainer beziehungsweise eine Laufgruppe gibt es beim LAZ derzeit nicht, wie Vieweg bestätigt.

„Wir haben uns unmittelbar mit den Eltern zusammengesetzt und versuchen natürlich, möglichst viele der Athleten von Klein in anderen Gruppen aufzufangen“, erklärt der Vorsitzende auf Nachfrage. „Ein paar der Athleten trainieren bereits in anderen Gruppen.“ Andere würden mit Klaus Klein wechseln, wie dieser bestätigt. „Es gibt einige, die sagen, egal, wo ich hingehe, die gehen mit. Es gibt aber auch welche, die gerne den Trainingsstandort beibehalten möchten“, erklärt Klein, dessen Sohn Lars wahrscheinlich zu einem größeren Verein wechseln werde. Wohin der Weg Klaus Klein als Trainer künftig führen wird, ist derzeit noch offen. „Es gibt eine naheliegende und eine weniger naheliegende Lösung – aber da ist noch nichts spruchreif“, erklärt der Polizeibeamte.

„Die Tragweite der Entscheidung war uns im Vorfeld bewusst“, sagt Alexander Vieweg zu der Kündigung und deren Folgen für die Laufgruppe. „Wir versuchen jetzt in dieser Lage, das bestmögliche zu machen.“ In der jetzigen Corona-Situation sei es gerade schwierig, „aber natürlich versuchen wir, jede Lücke wieder zu schließen“. Ob das in der jetzigen Situation schneller oder erst später möglich ist, sei nicht absehbar. „Das ist das, was wir auch den Eltern gesagt haben.“ Es wird nicht die letzte Frage sein, die den Verein in der Corona-Krise beschäftigt.

 Klaus Klein ist nicht länger Trainer beim LAZ Zweibrücken.
Klaus Klein ist nicht länger Trainer beim LAZ Zweibrücken. Foto: Klaus Klein LAZ
 Alexander Vieweg, einer der drei LAZ-Vorsitzenden.
Alexander Vieweg, einer der drei LAZ-Vorsitzenden. Foto: Mirko Reuther

Seit gestern wisse Alexander Vieweg nun auch um die Tatsache, dass beim Ordungsamt Zweibrücken eine Anzeige eingangen ist. Wie dieses Ordnungswidrigkeitsverfahren ausgeht, ist derzeit offen. Bei Verstößen gegen die Corona-Bekämpfungsverordnung sind Bußgelder von bis zu mehreren tausend Euro möglich. „Aus Sicht des Vorstands fand ausnahmslos ein verordnungskonformer Trainingsbetrieb statt“, betont der LAZ-Vorstand.