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LAZ-Stabhochspringer Daniel Clemens über Training in Coronakrise

Keine Höhenflüge in Coronakrise : „Man muss jetzt echt improvisieren“

LAZ-Stabhochspringer Daniel Clemens hält sich derzeit im Einzeltraining fit. Worauf genau er hinarbeitet, ist offen. Der 27-Jährige ist gespannt, ob in diesem Sommer überhaupt noch Wettkämpfe stattfinden.

Wettkampfabsagen kommen derzeit nicht mehr überraschend. Dennoch sind die Umstände in Zeiten der Corona-Krise noch immer gewöhnungsbedürftig, für Spitzensportler gerade auch im täglichen Training. Normalerweise stünden für Stabhochspringer Daniel Clemens vom LAZ Zweibrücken derzeit in der direkten Vorbereitung auf die Sommersaison akribische Technikeinheiten und unzählige Sprünge auf dem Programm. Das ist derzeit allerdings nicht drin. Eine Stabhochsprunganlage hat man nicht eben mal im eigenen Garten stehen.

„Man muss jetzt echt ein bisschen improvisieren und einfach versuchen, sich fit zu halten“, erklärt Clemens. Das Training ähnelte im Moment eher dem, was er sonst im September macht, „wenn die Saisonvorbereitung gerade erst beginnt und man noch nicht so weit ist“. Dabei wollte der 27-Jährige gerade jetzt – nach dem Seuchensommer 2019 – alles reinwerfen, um wieder an seine alte Form und seine Bestmarke von 5,61 Metern heranzukommen.

Nachdem sich Daniel Clemens im Vorjahr gleich zum Saisonauftakt in Rehlingen beim Einspringen einen Muskelfaserriss zugezogen, danach mit Problemen im Gleitgewebe der linken Achillessehne zu kämpfen hatte, wollte er sich in diesem Jahr zurückkämpfen. Im Winter tastete er sich langsam heran. Das Training lief gut, die Kraftwerte stimmten. Dann bremste ihn erneut die Achillessehne aus – dieses Mal die rechte. Und wenn Clemens mit dem Abschneiden bei der Hallen-DM – mit 5,30 Metern und Platz fünf – auch nicht ganz zufrieden war, ging es für ihn doch wieder in die richtige Richtung. Nun bremst in die Coronavirus-Pandemie aus. Wie so viele Sportler weltweit. Ein Herankämpfen an die alte Form ist da schwer möglich. Weder mit Topleistungen in Wettkämpfen, noch mit guten Sprüngen im Training. Doch Daniel Clemens bleibt gelassen: „Weil nichts ansteht, ist es auch erstmal nicht schlimm, dass wir nicht richtig trainieren können.“

Wobei die Situation schon ungewöhnlich sei, weil nicht klar ist, für welchen Wettkampf sich die Sportler eigentlich gerade abrackern. Der Blick auf eine DM, EM oder Olympia dient sonst als Motivationsspritze für die kräftezehrenden Einheiten. Ein Ansporn im Training können im Normalfall zudem die Teamkollegen sein. „Sonst sieht man sich natürlich öfter mal in der Halle. Das ist jetzt nicht mehr so“, blickt der Sportsoldat auch auf die fehlenden sozialen Kontakte. „Aber man hat diverse WhatsApp-Gruppen, in denen man sich ab und zu mal ein Video schickt, wie man sich bei der ein oder anderen Fitness-Übung abquält“, geht das gegenseitige Pushen auch in Corona-Zeiten nicht komplett verloren.

Ob oder welche Wettbewerbe für die Leichtathleten in diesem Sommer anstehen – ungewiss. „Im Moment überrascht mich keine Absage mehr“, sagt Clemens. Er hatte sich schon darauf eingestellt, dass nach der Olympia-Verschiebung auch die Deutsche Meisterschaft, die bereits Anfang Juni in Braunschweig hätte stattfinden sollen, neu terminiert wird. Letztendlich könne er den Schritt natürlich verstehen. Von den Plänen des Verbandes, die nationalen Titelkämpfe in der zweiten Hälfte des Sommers steigen zu lassen, ist der LAZ-Athlet nicht überzeugt. Noch offen ist derzeit die Austragung der Europameisterschaften, angesetzt vom 26. bis 30. August in Paris. Der europäische Verband wollte sich noch sechs bis acht Wochen für die Entscheidung geben, wie der Generaldirektor Christian Milz Anfang der Woche in der französischen Sportzeitung L‘Equipe erklärte. „Wenn irgendwann wieder Wettkämpfe sein sollten, braucht man entsprechend Vorlauf. Also genügend Zeit, um auch gezielt darauf hin zu trainieren“, betont Daniel Clemens. Dann sei es auch möglich, an die alten Höhen heran kommen. „Ich glaube aber nicht, dass es im Sommer noch Wettkämpfe gibt – aber ich lasse mich überraschen.“