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LAZ-Speerwerferin Christin Hussong hofft auf Olympia 2020

Christin Hussong hofft auf Tokio 2020 : Alles bleibt auf Olympia ausgerichtet

LAZ-Speerwerferin Christin Hussong arbeitet weiter auf Tokio hin. Wann sie in die Saison einsteigt, ist aber ebenso ungewiss wie die Entscheidung über die Austragung der Sommerspiele.

Abwarten und weiter trainieren. So lautet die Devise für viele Sportler in Zeiten der Coronakrise. Besonders bange wird es den Olympia-Kandidaten aufgrund einer drohenden Absage der Spiele in Tokio. Zu denen gehört auch Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken.

Bislang war sie in der Vorbereitung auf die Olympia-Saison von den Entwicklungen rund um das Corona-Virus eigentlich nicht beeinträchtigt worden. Bislang lief alles rund. „Es war bisher absolut top, ich fühle mich richtig fit und zufrieden mit dem Trainingsstand“, erklärt die Herschbergerin. Daher hätte sie auch zu gerne den Europäischen Winterwurf-Cup am Freitag in Portugal mitgenommen, um ihre Form erstmals in diesem Jahr unter Wettkampfbedingungen zu testen. Doch das Corona-Virus hat einen Strich durch die Planung gemacht. Und nicht nur durch diese. Eigentlich bis Sonntag hätte Hussong, die an diesem Dienstag ihren 26. Geburtstag feiert, im türkischen Belek im Trainingslager sein sollen. Als dann am Freitag die Meldung kam, dass ab Samstag keine Flüge mehr aus der Türkei rausgehen sollen, ging es mit der Abreise plötzlich schneller als geplant. „Letztendlich sind wir noch reibungslos aus Belek weggekommen. Jetzt bin ich aber froh, Zuhause zu sein.“

Bis die ersten Auswirkungen des Corona-Virus Einzug in die Sportwelt und in den persönlichen Trainingsalltag erhielten, „hätten wir auch nicht gedacht, dass es so weit kommen könnte, dass die Durchführung der Olympischen Spielen in Frage gestellt wird“, sagt Hussong, „Und jetzt wissen wir nicht mal mehr, welche Wettkämpfe überhaupt stattfinden.“

Nach dem eigentlich für Freitag geplanten Start beim Winterwurf-Cup hat die amtierende Europameisterin den Saisonauftakt beim Diamond-League-Meeting im chinesischen Shanghai Mitte Mai angepeilt. „Wir diskutieren bereits seit Januar, ob das stattfinden wird. Abgesagt ist es aber offiziell noch nicht.“ Auch der Diamond-League-Auftakt Mitte April in Doha, bei dem deutsche Speerwurf-Herren ihren Saisoneinstand geben wollten, steht offiziell noch auf der Agenda. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass diese Wettkämpfe stattfinden“, sagt Hussong. Viel wird spekuliert. Über einen Saisonstart erst im Juni oder Juli, über Wettkampfverschiebungen und Absagen. „Wir trainieren momentan so wie geplant, so als würden die Wettkämpfe ab Mitte April stattfinden“, erklärt die Herschbergerin, die von ihrem Vater Udo gecoacht wird. Stabilisiert sich die Situation in den kommenden sechs Wochen nicht oder werden Entscheidungen bezüglich Wettkampfabsagen getroffen, „dann werden wir reagieren und anders trainieren“.

Noch ist aber der volle Fokus auf das eigentliche Saison-Highlight Olympische Spiele in Tokio gerichtet. Die Angst davor, dass die Verbreitung des Virus zur Absage führt, ist groß. „Wir Sportler hoffen natürlich, dass Olympia 2020 stattfindet. Wir trainieren in einem Rhythmus von vier Jahren dafür. Für manche wären es die letzten Olympischen Spiele, vielleicht die letzte Chance darauf, für andere fänden sie am Höhepunkt ihrer Karriere statt.“ In der Lage dazu, bei diesen Spielen eine Topleistung abzurufen, wäre sicher auch die Europameisterin.

Christin Hussong versteht das Dilemma, in dem die Verantwortlichen fünf Monate vor Tokio bezüglich Absage oder Austragung stecken. „Die Verantwortlichen sind mächtig unter Druck, sie wissen, was alles dran hängt. Ganze Existenzen. Für uns ist es ja nicht nur ein Hobby, sondern unser Beruf.“ Doch keiner – auch nicht die Experten – könnten die Corona-Situation derzeit einschätzen und keiner wisse, wie die Lage im Juli und August ist. Der Deutsche Olympische Sportbund habe bereits angekündigt, seine Sportler nur nach Tokio zu schicken, wenn es auch wirklich sicher ist. „Die Gesundheit steht einfach im Vordergrund“, betont Hussong- Es habe keinen Sinn Olympia mit kranken Sportlern auszutragen oder deren Gesundheit dadurch zu gefährden.

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und seine Sportler zu schützen, hat der Deutschen Leichtathletik Verband zunächst alle nationalen und internationalen Lehrgangsmaßnahmen ausgesetzt. Das LAZ Zweibrücken hat sein Nachwuchs- und Gruppentraining eingestellt. Die deutschen „Kaderathleten kämpfen natürlich darum, an den Stützpunkten trainieren zu dürfen“, erklärt Hussong, die gespannt ist, wie es mit der Olympia-Nominierung geregelt wird, sollten zahlreiche Quali-Wettkämpfe und damit die Möglichkeit zur Normerfüllung sowie zum Punktesammeln für die IAAF-Weltrangliste ausfallen. Die Normweite von 64,00 Metern hat Hussong immerhin bereits in der Tasche. Die allgemeine Unsicherheit nimmt das der Athletin allerdings auch nicht.

Doch Christin Hussong hat sich auf das Abwarten eingestellt. Und auf eine kürzere Wettkampfsaison, mit viel Training in der Heimat. „Wir haben hier ja grundsätzlich auch gute Bedingungen.“ Um sich im besten Fall bestmöglich auf die Olympischen Spiele in Tokio vorzubereiten.