1. Pfälzischer Merkur
  2. Regionalsport

LAZ-Speerwerferin Christin hussong hat Beste aus Corona-Jahr gemacht

Leichtathletik : „Absolut keine Saison zum Vergessen“

Nur acht Wettkämpfe und eine Saisonbestweite von 64 Metern sind eigentlich zu wenig für Christin Hussong. Die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken machte jedoch das Beste aus dem Corona-Jahr. Sie stellte ihre Technik um und verteidigte nebenbei noch ihren Titel als deutsche Meisterin.

„Das Einwerfen lief wieder richtig gut“, sagte Christin Hussong nach ihrem letzten Saisonwettkampf im italienischen Rovereto. Dann habe sie „leider Gottes technische Fehler gemacht“, die ein paar Meter gekostet hätten. Am Ende des Tages stand eine Weite von 61,13 Metern, mit der die Herschbergerin den Wettkampf klar gewann.

Ein furioser Saisonabschluss war das dennoch nicht, weiß die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken, die schon ganz andere Weiten vorzuweisen hat. „Ich wäre gern mit einer 63 nach Hause gefahren, aber so ist es auch in Ordnung“, sagt Hussong.

Der finale Wettkampf in der verkürzten Saison bestätigt der deutschen Meisterin, dass sie sich auf dem richtigen Weg befindet. In diesem Jahr hat sie nämlich ihre Wurftechnik umgestellt. Nur kleinste Veränderungen in der Körperhaltung, die trotzdem große Auswirkungen auf den Wurf haben. Dass die 26-Jährige mit der neuen Technik bei Wettkämpfen so schnell problemlos Weiten wie in Rovereto schafft, zeige ihr, dass es in die richtige Richtung geht.

So kann Christin Hussong einer ungewöhnlichen Saison, mit coronabedingt nur acht Wettkämpfen – und damit so wenigen wie noch nie –, doch etwas Positives abgewinnen. Gemeinsam mit ihrem Trainer und Vater Udo Hussong habe sie die ungewöhnlichen Umstände eben für die Technikumstellung genutzt.

„Es war absolut keine Saison zum Vergessen. Dieses Jahr hatten wir die Zeit, die wir sonst nicht haben und nur so konnten wir das machen“, erklärt die Europameisterin den Entschluss. „Klar wäre es mir lieber gewesen, wenn wir dieses Jahr Olympia gehabt hätten, aber im Hinblick auf nächstes Jahr, war es vielleicht so ganz gut“, blickt die Herschbergerin auf die bevorstehenden Spiele in Tokio 2021 voraus.

Und ein echtes, wenn auch kleineres Highlight als erwartet, gab es in diesem Jahr ja trotzdem: Den Gewinn der deutschen Meisterschaft im August. „Eine deutsche Meisterschaft ist eine deutsche Meisterschaft, egal ob sie vor Publikum stattfindet, oder nicht. Und da bin ich froh, dass ich das erreicht habe“, resümiert die Goldgewinnerin nach dem in diesem Jahr ungewöhnlichen Höhepunkt einer Saison, in der eigentlich die Olympischen Spiele in Tokio sowie die Titelverteidigung bei der EM in Paris auf dem Plan gestanden hätten.

Insgesamt sei es aber sehr wichtig gewesen, dass immerhin diese acht Wettkämpfe zustande kamen. Denn es sei etwas ganz anderes, die richtige Technik in der Stresssituation unter Druck abzurufen als sie immer nur im Training zu üben, erklärt Hussong. Dementsprechend glücklich ist sie darüber, dass die Organisatoren die Meetings möglich gemacht haben. So konnte wenigstens halbwegs eine gewisse Wettkampf-Routine entstehen.

Ihre persönliche Saisonbestmarke gelang der Herschbergerin bei einem der ersten Wettkämpfe in diesem Jahr in Luzern. Dort erreichte sie eine Weite von 64,10 Metern. „Hätte mit der Technik alles zusammengepasst, wäre bestimmt noch mehr drin gewesen“, sagt Hussong, die trotzdem einigermaßen zufrieden auf diesen Wurf zurückblickt und sich nicht in „hätte“, „wäre“ und „wenn“ verstricken will.

Jetzt hat die 26-Jährige erst einmal ein paar Wochen Zeit, ihrem Körper und nach diesem Jahr vor allem auch dem Kopf die dringend nötige Ruhepause zu gönnen. Mit Familie, Freund und Hund geht es mit dem Wohnmobil auf Reisen. Wohin, das werde spontan entschieden.

Die Vorbereitung auf die Olympia-Saison beginnt für Christin Hussong dann Mitte Oktober. Selbstverständlich werde dann auch weiter an der neuen Technik gefeilt.