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LAZ-Speerwerferin Christin Hussong beim Diamond League Finale in Zürich

Lukratives Finale : „In Zürich beginnt alles bei Null“

Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken bestreitet heute Abend beim Finale der Diamond League ihre Generalprobe für die WM.

Christin Hussong ist Europameisterin – misst sich regelmäßig mit den besten Speerwerferinnen der Welt – und hat in ihrer Karriere so ziemlich jede Wettkampfsituation schon einmal erlebt. Angespannt sei die 25-Jährige vom Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken dennoch, räumt sie gestern Nachmittag ein, als sie sich gerade auf der Anreise in die Schweiz befindet. Nach Zürich um genau zu sein – dort, wo heute Abend um 19 Uhr das große Speerwurf-Finale der Diamond League im Letzigrund-Stadion stattfindet. „Das Finale in Zürich ist eines der wichtigsten Meetings. Wenn ein Sportler da nicht vorher aufgeregt ist, läuft etwas nicht richtig“, sagt Hussong, die sich zum ersten Mal für den Diamond-League-Endkampf qualifiziert hat.

Ihre Anspannung kommt nicht von ungefähr. Zum einen, weil der Wettkampf für die Herschbergerin die Generalprobe für die Weltmeisterschaft im Herbst (28. September bis 6. Oktober) in Doha darstellt. Zum anderen, weil in Zürich die Weltelite am Start ist, die auch bei der WM antreten wird. Mit der besten Vorleistung der Sommersaison geht die Chinesin Huihui Lyu mit 67,98 Metern ins Rennen. Doch das Feld der neun Teilnehmerinnen liegt eng beisammen. Mit der Australierin Kelsey-Lee Barber (67,70 Meter), Nikola Ogrodnikova (Tschechien, 67,40m) und Tatsiana Khaladovich (Weißrussland, 67,22m) haben neben Lyu drei weitere Konkurrentinnen in diesem Jahr die 67 Meter übertroffen. Hussong folgt mit 66,59 Metern knapp dahinter.

Diese Weite hatte die amtierende Europameisterin Anfang Juli in Lausanne geworfen – und gewann damit ihr erstes Diamond-League-Meeting überhaupt. Die Schweiz scheint also kein schlechtes Pflaster für die Herschbergerin zu sein, die heute aufgrund ihrer starken Leistungen in Lausanne und den anderen Meetings der Diamond-Reihe (Shanghai, Rom, London) als Führende der Qualifikation ins Rennen geht.

Doch die Pole-Position verschafft Hussong keinen Vorteil. Denn die Vorleistungen spielen heute Abend keine Rolle. „In Zürich beginnt alles wieder bei Null“, erklärt die LAZ-Athletin. Wer in dem Weltklasse-Feld die besten Karten hat, ist kaum zu beantworten. Dass alleine das Quartett Lyu, Khaladovich, Barber und Ogrodnikova, die Hussongs Bestweite in dieser Saison übertroffen haben, ihren Sieg gefährden können, glaubt die LAZ-Athletin nicht. „Es gibt keine Topfavoritin. Es ist ein einzelner Wettkampf. Ein guter Wurf kann entscheiden.“

Das Preisgeld von 50 000 US-Dollar für die Finalsiegerin sei ein „schöner Anreiz, den kein Sportler ablehnt“, sagt sie. Einen Gedanken daran verschwendet sie im Vorfeld aber nicht: „Erst weit werfen, dann weitersehen“, meint sie trocken.

Ein wenig angespannt mag Hussong vor der WM-Generalprobe sein, gehemmt ist sie aber nicht. Im Gegenteil: „Die große Konkurrenz, die Stimmung im Stadion – ich brauche das einfach“, erklärt sie. Von einem Titelgewinn spricht Hussong nicht – aber sie will „so weit es geht nach vorne werfen und in der Weltjahresbestenliste klettern“. Dazu müsste sie in Zürich die 67-Meter-Marke knacken.

Auch wenn Hussong in diesem Jahr noch kein Wurf gelungen ist, der ganz an ihren EM-Triumph von 2018 (67,90 Meter) heran reicht, ist sie mit ihrer Saison grundsätzlich zufrieden. Vor allem ihre Konstanz ist beeindruckend. In jedem ihrer Wettkämpfe übertraf sie die WM-Norm (61,50 Meter). Bei den letzten zehn Veranstaltungen warf sie im Schnitt über 65 Meter. Das sei „gut, aber ich weiß, dass es noch besser geht“, sagt die Herschbergerin selbstbewusst.

Um heute Abend in Zürich – und bei der WM – ihre Topleistung abrufen zu können, hat sich die 25-Jährige nach ihrem Triumph Anfang des Monats bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin eine kurze Verschnaufpause genommen, verbrachte eine Woche in den österreichischen Bergen. „Für die Frische im Kopf war es wichtig, mal abzuschalten“, sagt Hussong. Denn durch den späten WM-Start im Herbst sei die Saison der Leichtathleten diesmal ungemein lang.

Nach dem Finale der Diamond League bestreitet die LAZ-Speerwerferin bis zur WM keinen Wettkampf mehr, sondern bereitet sich drei Wochen in Zweibrücken vor, bevor es mit anderen Athleten des Deutschen Leichtathletikverbandes in ein finales Trainingslager (Türkei) geht. Neben dem Feinschliff für die WM geht es für die Sportler dort auch darum, sich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen.

„Noch ein Monat, das hört sich lange an – geht aber schneller rum als man schauen kann“, sieht Hussong den Saisonhöhepunkt bereits klar erkennbar am Horizont.

Und im Hinblick auf ihre Aufregung bei der Anreise nach Doha kann es vermutlich nicht schaden, wenn sich Hussong heute Abend erstmal die Speerwurf-Krone in der Diamond League aufsetzt.