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LAZ-Athleten Sina Mayer und Nico Fremgen bei Hallen-DM

Leichtathletik : Vom einsamen Training zurück auf die Bahn

Als Sina Mayer nach einem Jahr Wettkampfpause in die Hallensaison eingestiegen ist, war noch nicht abzusehen, dass sie nun bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund am Start stehen würde. Mit starken Auftritten hat sich die Sprinterin des LAZ Zweibrücken jedoch zurückgemeldet. Mit Stabhochspringer Nico Fremgen schickt das LAZ einen weiteren Athleten zu den Titelkämpfen.

Das vergangene Jahr war für zahlreiche Sportler zermürbend. Neben der Corona-Pandemie, fehlenden Trainings- sowie Wettkampfmöglichkeiten plagte sich Sina Mayer darüber hinaus erneut mit Verletzungspech. Nach einem Jahr ohne Wettkampf, einer Leisten-OP und zwischenzeitlich in den Trainingseinheiten ganz auf sich allein gestellt, meldete sich die Sprinterin des LAZ Zweibrücken im Januar eindrucksvoll zurück. Womit sie sich über die 60 Meter den Start bei den deutschen Hallenmeisterschaften an diesem Wochenende in Dortmund verdient hat, den sie dennoch als Privileg ansieht. „Ich bin sehr dankbar, dabei sein zu können, das ist in diesen Zeiten nicht selbstverständlich“, erklärt die 25-Jährige.

Ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Dass Sina Mayer schon sehr früh in der Hallensaison eine neue Bestmarke abgeliefert hat. Genau ein Jahr nach ihrem letzten Wettkampf zurück auf der Bahn, wusste die Sprinterin aus Schönenberg-Kübelberg nicht, wo sie überhaupt steht. „Im vergangenen Jahr habe ich eigentlich nur eine Hallensaison gehabt – mehr oder weniger“, sagt Mayer. Denn bei den nationalen Titelkämpfen war sie 2020 nicht am Start. Und auch die Freiluftmeetings fielen flach. „Ende Mai hatte ich mir einen Leistenbruch zugezogen und musste unters Messer“, erzählt Mayer beim Blick zurück. So war die – durch Corona  ohnehin verspätete – Sommersaison dahin. „Ich habe das vergangene Jahr dann einfach dafür genutzt, wieder fit zu werden. Auch, weil man lange nicht wusste, ob überhaupt Wettkämpfe stattfinden würden.“

Dabei war es gerade zu Beginn der Corona-Krise für die Läuferin gar nicht so einfach, ihr gewohntes Pensum abzuspulen. „Es war bei mir etwas schwierig, weil ich keinen Kaderstatus mehr hatte“, erklärt die Masterstudentin für Gesundheitsmanagement. „Daher habe ich viel draußen trainieren müssen, alleine.“ In einsamen Trainingsstunden hat Mayer geschuftet, um ihre Form zu halten. Jetzt habe sie seit der Vorbereitung auf die Hallenrunde „Gott sei Dank“ die Möglichkeit, mit einer kleinen Gruppe in Saarbrücken zu trainieren. Bei den Temperaturen und Schneefällen der vergangenen Wochen, wäre an das einsame Training im Freien nicht zu denken gewesen. „Das wäre ein Katastrophe, dann bräuchte ich keine Hallensaison zu machen“, sagt Mayer erleichtert, dass es anders kam.

Und das, was die LAZ-Athletin in den ersten vier Meetings des Jahres auf die Tartanbahn gebracht hat, kann sich nach diesen schwierigen Monaten sehen lassen. Zum Auftakt beim Istaf Indoor in Düsseldorf blieb sie über die 60 Meter in 7,35 Sekunden nur drei Zehntel über ihrer Bestmarke aus dem Jahr 2016. Nur eine Woche später ließ sie – nach einer 7,38 in Erfurt – beim Indoor-Meeting in Dortmund mit 7,30 Sekunden eine neue Bestleistung folgen. Am vergangenen Samstag legte sie als Zweite beim CMCM Indoor in Luxemburg eine 7,34 nach. „Ich bin sehr zufrieden mit der bisherigen Saison“, blickt Mayer auf die Rennen zurück. „Nach so langer Pause, direkt die 7,35 zu laufen – das hat mich schon sehr gefreut.“ Im Training habe sich schon angedeutet, das sie gut drauf ist. „Das im Wettkampf dann auch umzusetzen, das ist dann immer die Sache.“ Ständig spukten Fragen durch den Kopf: Klappt das so, wie im Training? Kann man die Leistung auf die Bahn bringen? „Dass es dann gleich so gut funktioniert hat, da war ich superhappy“, sagt Sina Mayer begleitet von einem leisen Lachen.

Daran anknüpfen möchte die Dritte der U23-EM von 2017 bei den nationalen Titelkämpfen am Samstag zunächst in den Vorläufen ab 18 Uhr. Genau auf der Bahn in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle, auf der sie vor zwei Wochen ihre bisher schnellste Zeit über die 60 Meter gelaufen ist. Mit ihren 7,30 Sekunden ist Mayer auf Platz sechs gelistet. Noch vor Titelverteidigerin Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner SF), die in diesem Jahr 7,31 Sekunden stehen hat. Mit ihrer Bestzeit ist Mayer auch nicht weit weg von der Norm (7,25 sek.) für die Hallen-EM im polnischen Torun (4. bis 7. März). „Doch die haben schon einige der Mädels unterboten“, macht sich die LAZ-Läuferin keine Illusionen. „In Deutschland ist der Sprint derzeit sehr stark besetzt.“ Und so wird auch ein spannendes Rennen im Kampf um die DM-Medaillen erwartet, in dem die leicht angeschlagene Jahresschnellste Tatjana Pinto (LC Paderborn, 7,18 sek.), Lisa Mayer (Wetzlar, 7,21 sek.), Jennifer Montag (TSV Bayer Leverkusen, 7,21 sek.), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar, 7,24 sek.) und auch Kwayie mitmischen wollen. „Ich sehe die Deutsche eher als Zwischenstation“, sagt Sina Mayer. „Ich freue mich, dabei sein zu dürfen. Ich habe quasi nur durch die 7,35 in Düsseldorf das Go dafür bekommen. Ich weiß, ich bin in guter Form, aber ich lasse das Wochenende einfach auf mich zukommen und schaue, was der Tag bringt“, will sich die 25-Jähige keinen zu großen Druck machen. Wie schnell, wie weit nach vorne es dann gehen kann, hänge immer auch von der Tagesform ab. Über die Finalteilnahme, die sie bei ihren letzten nationalen Titelkämpfen unterm Hallendach 2019 (7,43 sek.) haarscharf verpasste, würde sie sich aber keinesfalls beklagen.

Dass die Athleten auch bei der DM nicht vom Publikum getragen werden können, sei schade. „Die Kulisse ist schon etwas komisch, mit Zuschauern ist es natürlich immer schöner“, erklärt Mayer nach den Erfahrungen der vergangenen Meetings unter Corona-Bestimmungen. „Aber es ist nicht selbstverständlich, dass wir diese Wettkämpfe machen dürfen. Da ist man einfach dankbar, dass es tatsächlich Meetings gibt und man die Möglichkeit hat, überhaupt welche zu bestreiten. Daher lässt man das auch alles über sich ergehen mit den Tests und Vorschriften“, erklärt die Pfälzerin. Das gehöre in diesen Zeiten einfach dazu.

Wann es für Mayer nach der Hallen-DM die nächsten Wettkampfmöglichkeiten geben wird, ist offen. „Danach ist aktuell kein Wettkampf geplant“, erklärt die Sprinterin, dass sie wohl direkt ohne große Pause bis Sommer „durchstarten“ wird. „Ich nehme jetzt die gute Form mit“, sagt Mayer mit einem ansteckenden Lachen. Das sie auch in den schwierigen Phasen nicht verloren hat. „Corona kann man leider nicht einfach weghexen, das wird uns sicher noch länger begleiten und das müssen wir akzeptieren“, betont die 25-Järhige, dass es daher auch nicht so einfach ist, die Ziele für dieses Sportjahr zu formulieren. „Man kann nicht wirklich planen.“ Neben der Gesundheit, die in dieser Phase gerade das wichtigste sei, erhofft sie sich, „dass ich jetzt bis zum Sommer gut durchtrainieren kann, dass ich verletzungsfrei bleibe – damit ich dann wieder angreifen kann“. Etwa ihre Bestzeit von 11,25 Sekunden über die 100 Meter, die Sina Mayer 2017 aufgestellt hat. „Alles andere wird sich zeigen.“

Wenn Stabhochspringer Raphael Holzdeppe seine Hallensaison auch bereits abgebrochen hat und demnach nicht bei der DM an den Start gehen wird, ist das LAZ Zweibrücken dennoch mit einem weiteren Athleten in Dortmund vertreten. Stabhochspringer Nico Fremgen darf sich am Sonntag ab 14 Uhr mit der nationalen Konkurrenz messen. Der Petersberger bekommt es unter anderem mit den beiden Landauern Oleg Zernikel und Lamin Krubally zu tun, die beide zeitweise bei Bundestrainer Andrei Tivontchik in Zweibrücken trainieren. Zernikel hat in diesem Jahr bereits einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der 25-Jährige hat seine Bestleistung auf 5,72 Meter hochgeschraubt, hat damit ebenso wie Torben Blech (Leverkusen, 5,86 m) und DM-Titelverteidiger Bo Kanda Lita Baehre (Leverkusen, 5,72 m) die Norm für die Hallen-EM bereits in der Tasche. „Das war nicht zu erwarten“, sagt der Landauer im Gespräch mit dem Internetportal www.leichtathletik.de. Doch Tivontchik habe schon 2014 sein Potenzial gesehen. „Oleg hat körperlich alle Voraussetzungen, er ist schnell, er ist explosiv, es ist alles da. Nur das Selbstvertrauen und die Ruhe haben ihm gefehlt. Aber jetzt hat er seinen Weg gefunden“, betont Tivontchik. Beste Chancen auf seinen ersten Titel dürfte in Dortmund allerdings Deutschlands derzeitiger Überflieger Torben Blech haben. Der ehemalige Zehnkämpfer steigerte seine Bestmarke vor drei Wochen auf 5,86 Meter und geht daher als Favorit ins Rennen.

LAZ-Stabhochspringer Nico Fremgen wird sich am Sonntag bei der DM in Dortmund mit der nationalen Spitze messen. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Die Titelkämpfe müssen aufgrund der Corona-Pandemie unter strengen Hygienemaßnahmen stattfinden, Zuschauer sind nicht zugelassen. Auf www.leichtathletik.de gibt es am Samstag (ab 13.30 und 16.30 Uhr) und Sonntag (11.25 und 13.45 Uhr) Livestreams und Ergebnisse.