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Konzept für Fortsetzung der 3. Handball-Bundesliga steht

SV 64 Zweibrücken : Die Löwen haben wieder ein Ziel vor Augen

Die Spielkommission der 3. Handball-Bundesliga hat ein Konzept erstellt, unter dessen Voraussetzungen die Saison fortgeführt werden kann. Die Handballer vom SV 64 Zweibrücken sind froh, dass sie für ihren Sport endlich Licht am Ende des Tunnels sehen. Ihr Interesse an der WM, die am Mittwoch in Ägypten begonnen hat, ist trotzdem überschaubar.

Die Handballer vom SV 64 Zweibrücken schwitzen wieder in der Trainingshalle – und haben nun endlich auch ein Ziel vor Augen, für das es sich zu trainieren lohnt. Die Spielkommission der 3. Handball-Bundesliga hat den Vereinen am Dienstagabend das Konzept vorgestellt, unter dessen Voraussetzung der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Schon zuvor waren die Löwen wieder in die Westpfalzhalle zurückgekehrt, um sich auf eine mögliche Fortsetzung der Runde vorzubereiten. Und sie gehen dabei kein Risiko ein. Einmal in der Woche wird jeder SV-Spieler auf das Coronavirus getestet. Fieber gemessen wird sogar vor jeder der drei wöchentlichen Einheiten. „Wenn das Thermometer 38 Grad anzeigt, kommt der Spieler nicht in die Halle“, macht Trainer Stefan Bullacher deutlich. Die Tests sind keine Vorgabe des Deutschen Handballbundes, der SV 64 führt sie freiwillig durch. Kostenpunkt: Pro getestetem Spieler sieben bis zehn Euro – abhängig davon, wann und woher man das Testkit bezieht, sagt Bullacher. „Da kommt eine schöne Stange Geld zusammen.“

Die Stimmung im Team sei gut, versichert der 52-Jährige. „Es gab eine große Sehnsucht, wieder unserem Sport nachgehen zu können. Erst wenn man krank wird, weiß man wie glücklich man sich schätzen darf, gesund zu sein. Und nachdem wir so lange nicht trainiert haben, wissen wir ebenso das Privileg zu schätzen, es nun wieder tun zu können“, erklärt Bullacher. Seit die rheinland-pfälzische Landesregierung auch die Drittliga-Handballer zum Profisport zählt, müssen er und seine Löwen nicht mehr in die Sportschule nach Saarbrücken ausweichen. Positiv ist auch, dass die Kaderplanung bei den 64ern Fahrt aufnimmt. Die Kapitäne Philipp Hammann und Benny Zellmer haben ihre Verträge jüngst verlängert (siehe Text unten).

Das Konzept der Spielkommission für die 3. Handball-Bundesliga sieht zwei Möglichkeiten vor: Variante 1 greift nur dann, wenn ab dem 1. März wieder ein flächendeckender Spielbetrieb mit mindestens 90 Prozent der Mannschaften in den vier Drittliga-Staffeln möglich ist. Dafür müssten also 65 der 72 betroffenen Teams spätestens Anfang Februar wieder ins Training einsteigen dürfen. Denn: „Vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist eine Vorlaufzeit von etwa drei bis vier Wochen einzuplanen, an denen alle Drittligisten die Möglichkeit eines regulären Trainingsbetriebs haben müssen“, heißt es in dem Konzept. Die Saison würde dann mit einer einfachen und keiner doppelten Runde zu Ende gebracht. Die Partien der Teams, die etwa durch Vorgaben der Regierungen in ihren jeweiligen Bundesländern nicht sofort am Spielbetrieb teilnehmen können, sollen nachgeholt werden. Diese Variante hätte allerdings wenig Aussicht auf Erfolg, wenn der aktuell bis Ende Januar geltende Lockdown verlängert wird. Dass in diesem Fall 90 Prozent der Teams wieder ihr Training aufnehmen dürfen, findet nicht nur Bullacher unwahrscheinlich. „Auf Grund der aktuellen Inzidenzzahlen ist zu befürchten, dass auch im Februar kein bundesweiter Trainingsbetrieb für die Drittligisten möglich sein wird“, heißt es sogar in dem Konzept der Kommission. Und Bullacher gibt zu bedenken: „Wir sehen doch, was gerade um uns herum passiert. Die Infektionszahlen müssten deutlich sinken, damit eine Chance besteht, im März weiterzumachen. Es ist die eine Sache Sache, Sicherheit zu gewährleisten, wenn man in einer Blase mit den immer gleichen Spielern trainiert. Aber eine ganz andere, wenn man wie in unserer Staffel Mitte zu den Auswärtsspielen in fünf verschiedene Bundesländer fahren muss.“

Die zweite Variante der Spielkommission sieht angesichts dieser Problematik vor, die Saison binnen zwei Monaten im April und Mai (letzter Spieltag voraussichtlich an Pfingsten) durchzuführen. Und zwar mit deutlich verkleinerten Staffeln. Der genaue Modus steht allerdings noch nicht fest. Teilnehmen können aber nur jene Mannschaften, die „das vorgegebene Testkonzept vorbehaltlos erfüllen“, heißt es in dem Konzept. Das bedeutet, dass kein Spieler auf der Platte stehen darf, der nicht mindestens sechs Stunden vor der jeweiligen Partie auf Corona getestet worden ist. Sportliche Absteiger wird es in diesem Szenario nicht geben. Teams, die in die 2. Liga aufsteigen wollen, müssen sich bis zum 15. März an die Handballbundesliga wenden und werden in einer Staffel zusammengefasst. Für den SV 64 kommt das aber nicht in Frage. Ein entsprechender Antrag beinhaltet die Zahlung von mehreren Tausend Euro, weiß Bullacher. „Unser Ziel war es von vorn herein, die Liga weder nach oben noch nach unten zu verlassen“, sagt der 52-Jährige.

Doch auch in den übrigen Staffeln wird im Rahmen der Variante 2 nicht nur für die Galerie gespielt werden. Der jeweilige Staffelsieger darf am DHB-Pokal teilnehmen. „Und da winkt dann mit ein bisschen Glück ein Erstligist – das ist sehr reizvoll“, sagt Bullacher.

Unabhängig davon, ist der Trainer froh darüber, dass seine Mannschaft endlich wieder ein konkretes Ziel vor Augen hat. Denn daran, dass die Saison spätestens im April fortgesetzt wird, hat er keinen Zweifel. „Wir arbeiten endlich wieder auf etwas hin. Das bringt eine ganz andere Motivation und Freude mit sich. Davor war es gefühlt ein ‚Dahinsiechen’“. Mit welcher Variante nun letztendlich weitergespielt wird, ist für Bullacher deshalb zweitrangig. „Wir haben ja nur eine Handvoll Spieler, die überhaupt Drittliga-Erfahrung haben. Für uns ist jedes Spiel wichtig. Jedes Spiel bringt uns weiter.“

Und das ist auch notwendig. Denn selbst wenn es in der laufenden Saison keine Absteiger geben sollte, stünde den 64ern in der Runde darauf eine knüppelharte Spielzeit bevor. Denn grundsätzlich könnten nach dieser Saison noch zwölf Aufsteiger aus der Oberliga in die 3. Liga stoßen. Das würde in der kommenden Runde wiederum zu einem vermehrten Abstieg in Liga 3 führen – denn die Kommission möchte die Sollstärke von 64 Mannschaften spätestens zur Saison 2023/2024 wieder hergestellt haben. Bullacher könnte sich allerdings vorstellen, dass es zu dieser Zahl an Aufsteigern gar nicht kommen wird. Er hat Zweifel daran, dass die Oberligarunde überhaupt in allen Landesverbänden zu Ende gespielt werden kann.

Das ist für den SV 64 Zweibrücken allerdings noch Zukunftsmusik. Erstmal richtet sich der Blick auf den 25. Januar – dann nämlich, wenn Bund und Länder über eine Verlängerung des Lockdowns beraten. Die Kommission der 3. Liga bezeichnet ihre Beschlüsse deshalb als „Momentaufnahme“, die am 25. Januar „gegebenenfalls erneut auf den Prüfstand gestellt werden muss“.

Die Zeit bis dahin könnten sich die Löwen ja beim Verfolgen der Handball-Weltmeisterschaft vertreiben. Könnten. Denn Bullacher sieht die Titelkämpfe äußerst kritisch. „Ein Unding“ sei es, dass die WM angesichts der Corona-Problematik zum jetzigem Zeitpunkt durchgepeitscht werde. Vor allem da der sportliche Wert nach den Absagen mehrerer Teams und zahlreicher Spieler überschaubar sei. „Das wird ein Mörderniveau“, sagt Bullacher sarkastisch. Und auch seine Spieler haben an den Titelkämpfen kein gesteigertes Interesse. Wenn Deutschland am Freitag sein Auftaktspiel gegen Uruguay bestreitet, bereitet sich der SV 64 auf den Re-Start der Saison vor. „Ich habe die Jungs gefragt, ob wir das Training wegen des Spiels verlegen sollen – aber das wollte keiner“, erklärt Bullacher.

Die Löwen genießen lieber ihr Privileg, selbst wieder zum Ball greifen zu dürfen – und endlich wieder ein Ziel vor Augen zu haben.