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Erfolg bei Militär-WM: Kein Wettkampf zum Genießen

Erfolg bei Militär-WM : Kein Wettkampf zum Genießen

Der Zweibrücker Triathlet Oliver Spurzem erkämpft mit dem Bundeswehr-Nationalteam bei der Militär-WM in Schweden die Bronzemedaille.

Ein abgerissener Zehennagel und eine Prellung im Fuß – das war kein Hindernis für Oliver Spurzem, sein Rennen erfolgreich ins Ziel zu bringen. Lachend erklärt der Zweibrücker Triathlet: „Sonst geht es mir körperlich gut.“ Und auch mental. Denn die große Erleichterung nach der Militär-Weltmeisterschaft im schwedischen Lidköping: „Das Laufen hat geklappt.“ Und so durfte sich Spurzem mit dem Mixed-Team der Bundeswehr-Nationalmannschaft auch über die Bronzemedaille freuen. „Die Generalprobe muss wohl richtig mies laufen, dann klappt das im Wettkampf schon“, sagt er mit Blick zurück auf den Testwettkampf in Holland, bei dem er mit seiner Paradedisziplin haderte (wir berichteten). Ohnehin war die für Langdistanz-Spezialist Spurzem ungewohnt kurze olympische Distanz (1,5 km Schwimmen – 40 km Rad – 10 km Laufen) gewöhnungsbedürftig.

Das Schwimmen im kalten Lidan sei dann nochmal besonders fies gewesen. „Zudem war die Strecke etwas länger. Es müssen 1,6 bis 1,7 Kilometer gewesen sein.“ Denn auch die Zeiten der Topathleten seien vergleichsweise langsam gewesen. Für Spurzem wichtiger als seine Zeit von 24:44 Minuten war jedoch, dass er gleich hinter der Spitze aus dem Wasser stieg. „Also kann ich selbst so langsam nicht gewesen sein“, erklärt er zufrieden.

Anders als gedacht verlief auch die Radstrecke. Sie war nicht nur um 2,5 Kilometer länger als die eigentlichen 40 Kilometer, sondern auch sehr kurvenreich. Zudem fing es nach dem sonnigen Wetter am Vortag „pünktlich zum Start an zu schütten“. Im Wasser zunächst kein Problem. Auf der anspruchsvollen Radstrecke jedoch hatten die Fahrer mit dem nassen Untergrund, teilweise über Kopfsteinpflaster, zu kämpfen. Zumal Spurzem vor dem ersten Windschattenrennen seiner Karriere ohnehin großen Respekt hatte. „Es war, sagen wir, interessant. Die Schreierei und den Stress beim Radfahren mal zu erleben, war zwar witzig, aber nicht wirklich mein Ding“, erzählt der Stabsfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 26. Es sei keine Strecke zum Genießen gewesen. „Wie es rechts und links von mit ausgesehen hat – keine Ahnung.“ Stets habe Spurzem, der auf der langen Ironman-Distanz daran gewöhnt ist, einsam seine Kilometer abzuspulen, das Vorderrad der Konkurrenz im Auge behalten, stets für einen Antritt bereit sein müssen, falls jemand ausbrechen oder von hinten vorbeischießen wollte. In Runde sechs kam es zudem zu einem Sturz in Spurzems Gruppe. „Das Geräusch von brechendem Carbon geht durch Mark und Bein. Zum Glück ist dem gestürzten Belgier nichts Schlimmes passiert“, betont der 41-Jährige. Eine Radbestzeit (1:07,37 Std.) sei in dem Wettkampf nicht drin gewesen. „Ich hatte erwartet, dass wir in der Gruppe einen Schnitt über 40 km/h fahren würden, aber das war bei den unzähligen Kurven in den acht Runden einfach nicht möglich.“

Auch egal. Denn das Beste kam für Oliver Spurzem dieses Mal wieder zum Schluss. Über die abschließenden zehn Kilometer konnte er hinten raus Plätze gut machen. „Es hat mich riesig gefreut, dass ich die vor mir platzierten Athleten angreifen konnte. So langsam fühle ich mich wieder gut beim Laufen“, sagt Spurzem mit Blick auf die Zeit von 38:26 Minuten. Er schiebt aber gleich nach: „Es war zwar besser, der Top-Speed fehlt aber noch. Ich hoffe einfach, dass der Knoten jetzt geplatzt ist.“

Mit seiner Zeit von 2:12,45 Stunden und Gesamtrang sieben in seiner Altersklasse – die Top Ten hatte sich Spurzem zum Ziel gesetzt – und der Bronzemedaille konnte er sehr zufrieden sein. „Es war wieder eine tolle Erfahrung“, sagt der Zweibrücker.

 Oliver Spurzem Militär-WM
Oliver Spurzem Militär-WM Foto: Privat Spurzem
 Eine große Herausforderung war für Oliver Spurzem (links) das erste Windschattenrennen seiner Karriere.
Eine große Herausforderung war für Oliver Spurzem (links) das erste Windschattenrennen seiner Karriere. Foto: Privat Spurzem

Und es soll noch nicht die letzte in diesem Jahr im Bundeswehr-Nationalteam gewesen sein. Nach dem Wettkampf in Schweden wollte Spurzem den Schalter eigentlich schnell auf die Mitteldistanz umlegen. Doch überraschend wurde er nun für einen weitere Kurzdistanzstrecke in Luxemburg aufgestellt. Am 22. Juli startete er dort nur gut eine Woche vor seiner Mitteldistanz in den französischen Alpen. „Aber das ist kein Problem, nach einer Kurzdistanz ist man körperlich ja nicht so zerstört, man fällt nicht in ein so tiefes Loch wie nach der Langdistanz. Zudem sei der Alpe-d´Huez-Triathlon einer zum Genießen. „Das ist ein Wettkampf fürs Auge, einer zum Abhaken von der Liste.“ Solche vom Erlebnis her tollen Rennen habe er in den vergangenen Jahren zurückgestellt. „Weil es nur das vorrangige Ziel Hawaii gab.“ Auf seine vierte WM-Teilnahme auf der mystischen Vulkaninsel im Pazifik will Spurzem dann nur gut einen Monat später hinarbeiten. Beim Ironman 70.3 Coronado in Kalifornien (USA) Mitte September geht es bereits um Qualipunkte für 2019. „Sollte es da schon klappen, wäre das perfekt.“ Dann hätte der Zweibrücker ein Jahr lang Zeit, sich auf Hawaii vorzubereiten.