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Johanna Becker von der VT Zweibrücken Vizemeisterin im Jahn-Neunkampf

Turnen : Eine silberne Reise in die Vergangenheit

Turnerin Johanna Becker von der VT Zweibrücken wurde an Wochenende in Bruchsal deutsche Vizemeisterin im Jahn-Neunkampf. Das war für die 32-Jährige aber nicht das einzig Besondere an diesem Tag.

Die Silbermedaille, die Turnerin Johanna Becker am Wochenende bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Bruchsal im Jahn-Neunkampf errang, ist eine von vielen Plaketten im Trophäenschrank der 32-Jährigen. Und dennoch war der Wettkampf in Baden-Württemberg für Becker ein ganz besonderer.

Denn erstmals seit vielen Jahren wurde sie wieder von jenem Trainer-Trio betreut, das schon bei ihren ersten sportlichen Schritten bei der Vereinigten Turnerschaft (VT) Zweibrücken stets an ihrer Seite stand: Vater Klaus-Peter, der mit Tochter Johanna seit jeher die leichtathletischen Disziplinen des Neunkampfs (Weitsprung, Kugelstoßen, 100-Meter-Lauf) einstudierte. Sonja Rayer, die sich für die turnerischen Disziplinen (Boden, Barren und Sprung) verantwortlich zeichnete. Sowie Daniel Förster, der für die Schwimmdisziplinen (Kunstspringen, Tauchen, 100-Meter Freistil) zuständig war.

Diese drei hatten Johanna Becker so lange auf ihrem erfolgreichen Weg begleitet, bis die heute 32-Jährige mit 20 Jahren zum Sportstudium nach Köln aufbrach, wo sie nun als Lehrerin arbeitet. Mit dem Einstieg ins Berufsleben spielte der Sport in Beckers Leben dann nur noch die zweite Geige. Zwischenzeitlich trat sie acht Jahre nicht bei deutschen Meisterschaften an, ehe 2019 das Comeback in Eutin/Schleswig-Holstein folgte. Dort gewann Becker in der Altersklasse „20-29 Jahre“ auf Anhieb wieder Neunkampf-Bronze. Und nach der Corona-Pause setzte sie in Bruchsal mit Silber in der Klasse „30+“ nun noch mal einen drauf.

Auf der einen Seite sei „der zweite Platz ganz klar Johannas Ziel gewesen. Sie ist ehrgeizig. Weniger kam für sie nicht in Frage“, erzählt Trainerin Sonja Rayer und lacht. Auf der anderen Seite sei der Silberrang aber kein Selbstläufer gewesen. „Der Lehrberuf und das Training vertragen sich nicht besonders“, erklärt Rayer. Besonders verblüfft habe sie, dass ihr Schützling in der turnerischen Disziplin „Boden“ mit 12,950 Punkten die beste Leistung aller Athletinnen ablieferte. „Das haben wir vorher wirklich kaum trainiert.“

Grundsätzlich überrascht Rayer aber nicht, dass die Wettkampfroutine bei Johanna Becker rasch zurückgekehrt sei. „Sie macht das ja seit sie sechs Jahre alt ist. Die Übungen sitzen“, sagt Rayer. Größer sei das Fragezeichen dahinter gewesen, wie Becker den Wettkampf konditionell durchstehen würde. Der wurde nämlich an einem einzigen Tag ausgetragen. „Neun Disziplinen in neun Stunden, das macht kein Zehnkämpfer“, sagt Rayer anerkennend. Und noch ein anderes kleines Hindernis habe es gegeben: „Johanna ist heute, mit 32, bei den Wettkämpfen aufgeregter als früher“, erzählt ihre alte Trainerin. Wobei „alt“ nicht der richtige Begriff ist. Denn während Becker in der Vergangenheit bei ihren Turn-Wettkämpfen in der Nordrhein-Westfalen-Liga für den TuS Köln-Ehrenfeld an die Geräte ging, blieb sie der VTZ bei Mehrkampfmeisterschaften stets treu. Schließlich ist Johannas Mutter Birgit auch Rayers Trainerkollegin bei der Vereinigten Turnerschaft.

Und für die VTZ lieferte Johanna Becker in Bruchsal ab. Dabei hatte Sonja Rayer noch befürchtet, dass sich ihr Schützling unter Druck gesetzt fühlen könnte, wenn nicht nur sie selbst und Vater Klaus-Peter, sondern auch Daniel Förster aus Bliesmengen-Bolchen anreisen würde.

Doch Becker lieferte nicht nur am Boden, sondern auch in den Disziplinen Tauchen und Kugelstoßen das beste Ergebnis des Tages ab. Dass sie am Ende mit 102,587 Punkten „nur“ Zweite wurde, lag daran, dass ihre großgewachsene Dauerrivalin Sabine Storz (PTSV Freiburg), die in der 3. Liga für die TG Breisgau turnt, insbesondere im Weitsprung und im 100-Meter-Lauf stark auftrumpfte und am Ende mit 105,614 Punkten die Nase vorn hatte.

Allzu viel fehlte Becker für den Titel also nicht. „Johanna, wenn du nur die Zeit hättest, ein wenig mehr zu trainieren . . .“, habe Rayer der 32-Jährigen nach dem Wettkampf gesagt. Glücklich war die Trainerin dennoch: „Wieder wie früher zusammen über die Anlage zu schlendern, war ein schönes Gefühl. Es war für uns alle eine toller – ein emotionaler Tag.“ Und einer, der wie so oft mit einer weiteren Medaille im prall gefüllten Trophäenschrank von Johanna Becker endete.

Lina Meister von der VT Zweibrücken musste auf ihre Teilnahme an den Mehrkampfmeisterschaften aufgrund von Knieproblemen verzichten