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Jasmin Grabowski vom 1. JC Zweibrücken bei Olympia ausgeschieden

Judo : Die Rechnung mit Olympia bleibt unbeglichen

Judoka Jasmin Grabowski vom 1. JC Zweibrücken ist bei den Olympischen Spielen im Einzelwettbewerb in der ersten Runde ausgeschieden. Am Samstag nimmt sie in Tokio aber womöglich noch an dem Team-Wettbewerb teil.

Jasmin Grabowski will diesen Sieg. Das ist im Nippon Budokan – dem japanischen Kampfsporttempel – in jeder Sekunde zu spüren. Zweimal versucht es die Judoka des 1. JC Zweibrücken bei ihrer Gegnerin, der favorisierten Chinesin Shiyan Xu in der ersten halben Minute des Kampfes mit einem „Uchi-mata“, einem inneren Schenkelwurf. Das chinesische Kraftpaket Xu verzieht gequält das Gesicht, wankt, fällt aber nicht auf den Rücken.

Als sich der Kampf im Schwergewicht (ab 78 Kilo) der Halbzeit zuneigt, will Grabowski den Sieg dann vielleicht ein klein wenig zu sehr. Erneut setzt sie energisch zu einem Uchi-mata an. Doch diesmal ist die Chinesin auf der Hut. Ein perfekter Konter – und die Deutsche findet sich auf dem Rücken wieder. Xu ballt die Faust, schreit ihre Freude heraus, während Grabowski enttäuscht die Hände vor das Gesicht schlägt und mehrere Sekunden am Boden liegenbleibt. Die Ippon-Wertung für die Chinesin bedeutet, dass die Einzelwettkämpfe der Olympischen Spiele in Tokio für die Deutsche beendet sind.

„Im Judo entscheiden Sekunden über Sieg und Niederlage“, hatte Grabowskis Heimtrainer, Stephan Hahn, vor dem Kampf noch gesagt. Eine Aussage, die sein Schützling auf die bitterst mögliche Art und Weise am eigenen Leib erfuhr.

Mehrfach hatte Jasmin Grabowski betont, dass sie mit Olympia noch eine Rechnung offen hat. Auch 2016 in Rio war sie in der ersten Runde ausgeschieden. Diese Rechnung hat die 29-Jährige, die sich nach mehreren Schulteroperationen stets wieder heran gekämpft – aber auch die Absicht geäußert hatte, ihre internationale Karriere nach den Spielen in Tokio beenden zu wollen, leider nicht begleichen können.

Ob das an ihr nagen wird? „Ich möchte nicht für Jasmin sprechen. Aber ich glaube daran, dass sich früher oder später der Stolz durchsetzen wird. Zwei Teilnahmen an Olympischen Spielen. Wie viele Menschen können das von sich behaupten?“, fragt Hahn, der Grabowski seit Kindesbeinen kennt.

Mit seiner Athletin gesprochen hat der 55-Jährige noch nicht. Tröstende Worte, so ehrlich sie auch gemeint sind, würden aktuell wohl kaum Gehör finden. „Ich lasse sie erstmal in Ruhe“, sagt Hahn, der weiß, dass Grabowski den Kampf und das Erlebte erst einmal verarbeiten muss. Zumal die Olympiade für die JCZ-Judoka womöglich noch gar nicht vorbei ist. Denn am Samstag (ab 4 Uhr/MESZ) steht in Tokio noch der Mixed-Team-Wettbewerb auf dem Programm. Ob Grabowski oder die zweite JCZ-Judoka, Mittelgewichtlerin (bis 63 Kilo) Martyna Trajdos, dann auf der Matte stehen werden, ist aber nicht sicher. In diesem Wettbewerb gibt es bei den Männern und Frauen statt sieben lediglich drei Gewichtsklassen (Frauen: unter 57 Kilo, unter 70 Kilo und über 70 Kilo). Welche Athletinnen und Athleten ins Rennen geschickt werden, obliegt dem Bundestrainer. Statt Grabowski könnte auch Anna-Maria Wagner, die in der Klasse bis 78 Kilo Bronze gewann, kämpfen. „Da wird taktiert. Wer eingesetzt wird, hängt auch damit zusammen, welche Gegnerin man erwartet. Man will ja keine 75-Kilo-Kämpferin gegen eine Judoka auf die Matte schicken, die 130 Kilo auf die Waage bringt“, weiß Hahn.

Am Tag nach dem Team-Wettbewerb wird sich Jasmin Grabowski dann aus Japan, dem Mutterland des Judo, auf die Heimreise machen. Nächste Woche will Hahn dann Kontakt zu ihr aufnehmen.

Auch wenn beide JCZ-Kämpferinnen bei Olympia nach der ersten Runde ausgeschieden sind, sei der Judoclub Zweibrücken selbstverständlich stolz darauf, zwei Athletinnen zu den Spielen entsandt zu haben. „Ich hätte Jasmin den Sieg so gewünscht“, sagt Hahn. „Aber was bleibt, ist nicht der eine Kampf bei Olympia, sondern der lange, lange Weg dorthin. Über all die Jahre Beruf, Privatleben und den Sport miteinander zu vereinbaren, ist eine Mordstortur. Insbesondere durch die Verschiebung der Spiele und die Ungewissheiten wegen Corona. Auch vor dem Hintergrund, dass die Athletinnen durch den Sport nicht reich werden. Ich werde immer stolz auf Jasmin sein – und sie hoffentlich auch.“

Auch Judo-Schwergewicht Johannes Frey hat seinen ersten Kampf in der Klasse über 100 Kilo gegen den gebürtigen Iraner Jahvad Mahjoub aus dem olympischen Flüchtlingsteam verloren. Olympiasieger bei den Männern wurde der Tscheche Lukas Krpalek. Im Schwergewicht der Frauen holte die Japanerin Akira Sone Gold.