Kampfsport Nächstes Mal mit dem „Vorschlaghammer“

Zweibrücken/Varna · Kampfsportler Jakob Styben aus Zweibrücken hat den Gewinn des Europatitels im Kickboxen verpasst. Nach dem Duell mit dem Lokalmatadoren Eduard Aleksanyan in Bulgarien wurde Styben zum Verlierer erklärt. Über das Urteil waren die Punktrichter allerdings geteilter Ansicht.

Enttäuschung pur: Jakob Styben hat den Europatitel im K1-Kickboxen nicht gewonnen. Mit dem Urteil der Punktrichter in Bulgarien war der Zweibrücker aber nicht einverstanden.

Enttäuschung pur: Jakob Styben hat den Europatitel im K1-Kickboxen nicht gewonnen. Mit dem Urteil der Punktrichter in Bulgarien war der Zweibrücker aber nicht einverstanden.

Foto: Kayhan Acetler/Battle of Barock

Jakob Styben verstand am vergangenen Samstag die Welt nicht mehr. Der Kampfsportler aus Zweibrücken wurde in der bulgarischen Hafenstadt Varna nach den drei Runden seines Duells gegen den Lokalmatadoren Eduard Aleksanyan zum Verlierer erklärt. Die Entscheidung der Punktrichter bei der Kampfsportgala „Senshi“, bei der Styben im letzten Kampf des Abends um den Europatitel im K1-Kickboxen in der Gewichtsklasse bis 90 Kilo antrat, fiel aber nicht einstimmig aus. Zwei Juroren hatten Aleksanyan vorne, einer wertete den Kampf unentschieden. Damit verlor der Zweibrücker per „Split Decision“ (geteilte Entscheidung).

„Mein Inneres ist von der Entscheidung etwas durchgeschüttelt. Mein Verstand versteht es noch nicht. Und trotzdem werde und möchte ich niemandem etwas vorwerfen, auch wenn ich mit gewissen Sachen nicht einverstanden bin“, schrieb Styben nach dem Kampf bei Facebook zu dem Urteil. Weiter meinte der 31-Jährige: „Meine Gutherzigkeit hat am Samstag gegen mich gearbeitet. Mein Fehler war: Ich habe meine Liebe für den Kampf mit in den Ring genommen. Ich sollte kompromissloser sein und sofort mit der Brechstange anfangen.“

Styben war der Meinung, er sei derjenige gewesen, der mehr für den Kampf getan habe – und zog zur Erklärung eine Analogie zum Fußball heran: „Ein Team ist gekommen, um zu siegen und den Fans ein attraktives Spiel zu bieten. Es hat offensiv agiert, variiert und etwas riskiert. Das andere Team hat auf den Heimvorteil gehofft, die Bälle nach vorn geschossen und versucht, mit Einzelaktionen gut auszusehen.“

Diese Beschreibung des Kampfverlaufs war im Hinblick auf Runde eins durchaus vertretbar. Styben brachte in dieser zunächst regelmäßig Kicks auf die Beine oder den Oberkörper seines vier Jahre jüngeren Gegners im Ziel unter. In der Mitte des Durchgangs wurde der Zweibrücker mutiger, streute auch Schläge ein und bearbeitete mit seinem Knie den Torso von Aleksanyan. Der Bulgare, der vom Fachmagazin „Combat Press“ als einer der zehn besten Mittelgewichts-Kickboxer der Welt eingestuft wird, boxte vornehmlich im Rückwärtsgang – tat dies aber gut. Die Schläge des Lokalmatadoren kamen selten – aber präzise. Und dennoch: Runde eins war aufgrund der Mehrzahl der Treffer und der deutlich größeren Aktivität eine Styben-Runde.

Das sah im zweiten Durchgang allerdings anders aus. Der Zweibrücker boxte noch immer im Vorwärtsgang, war offensiver – teilweise aber womöglich zu offensiv. Vor allem die linke Gerade Aleksanyans nahm Styben nun deutlich zu oft. Mitte der Runde etwa konterte der Bulgare den Zweibrücker hart ab – und das Publikum peitschte ihren Lokalmatadoren frenetisch nach vorne. Styben fing sich wieder, versuchte Druck zu entfachen – biss sich aber an der kompakten Deckung seines Gegners die Zähne aus. Runde zwei ging an den Bulgaren.

Vor dem finalen Durchgang umarmten sich die Kontrahenten – doch auch diese Runde startete für Styben nicht gut. Wieder fing sich der 31-Jährige eine harte linke Gerade ein. Danach verlief das Gefecht auf Augenhöhe – ehe Styben in der Schlussphase des Kampfes noch einmal kräftig aufs Gaspedal trat. Der Zweibrücker nagelte seinen Gegner in der Ringecke fest und ließ mit dem Gong zum Runden-Ende noch einmal einen krachenden Kick auf den Bauch Aleksanyans fliegen.

Danach herrschte eine knisternde Stimmung in der Halle. Auch die Zuschauer waren sich ob des engen Kampfes nicht sicher, wer das Duell nun gewonnen hatte. Nach der Verkündung des Urteils brandete beim bulgarischen Publikum – und natürlich bei Aleksanyan Jubel auf – Enttäuschung dagegen bei Jakob Styben, der nach zuletzt drei Siegen erstmals wieder als Verlierer aus dem Ring stieg.

Der Zweibrücker sprach im Anschluss davon, Tempo und Kampf seiner Ansicht nach bestimmt zu haben. „Wir waren aktiver und variabler und haben mehr Herz gezeigt“, sagte er und meinte damit sich und sein Team. Das Urteil sei eine „bittere Pille“, die er schlucken müsse.

Doch Jakob Styben versprach auch: „Wir werden wachsen und dafür sorgen, dass so eine Situation in Zukunft nicht mehr passiert. Das nächste Mal bringe ich den Vorschlaghammer mit. Versprochen!“