Kampfsport Styben will auch „mit 70 Prozent“ den Sieg

Fulda/Zweibrücken · Kampfsportler Jakob Styben aus Zweibrücken steigt an diesem Samstag beim „Battle of Barock“ in Fulda in den Ring. An die Veranstaltung hat der 32-Jährige gute Erinnerungen – diesmal muss er allerdings geschwächt antreten. Derweil wirft ein noch größerer Kampf für Styben bereits seine Schatten voraus.

 Vor rund anderthalb Jahren gewann der Zweibrücker Jakob Styben (links) beim „Battle of Barock“ in Fulda gegen Hüseyin Özdemir (rechts) durch technischen K.o. An diesem Samstag tritt Styben erneut in Fulda an.

Vor rund anderthalb Jahren gewann der Zweibrücker Jakob Styben (links) beim „Battle of Barock“ in Fulda gegen Hüseyin Özdemir (rechts) durch technischen K.o. An diesem Samstag tritt Styben erneut in Fulda an.

Foto: Jakob Styben/Battle of Barock

Jakob Styben kehrt zurück an jenen Ort, an dem er es vor rund anderthalb Jahren krachen ließ. An diesem Samstag nimmt der Zweibrücker in Fulda an der Kampfsportveranstaltung „Battle of Barock“ teil. Und an die Esperanto-Halle hat er ausgezeichnete Erinnerungen. Ende 2022 traf er hier auf Hüseyin Özdemir und erwischte seinen Gegner in der zweiten Runde mit dem Knie am Kopf. Der von Blut überströmte Özdemir wurde daraufhin aus dem Kampf genommen. Styben siegte durch technischen K.o.

Einen solchen Knockout hatte Styben damals vorab angekündigt. Ganz so optimistisch ist er vor seinem anstehenden Duell im K1-Kickboxen in der Gewichtsklasse bis 90 Kilo diesmal aber nicht. Das liegt weniger an seinem Gegner, dem 23 Jahre alten Belgier Zion Enomayo, als vielmehr an einer schwierigen Vorbereitung. „Ich weiß nicht, was dieses Jahr los ist, es hat mich jetzt schon drei Mal mit Erkrankungen erwischt“, berichtet Styben, der auch in diesem Monat lange das Bett hüten musste und erst vor zehn Tagen in die Vorbereitung eingestiegen ist. „Davor konnte ich nicht mal Liegestütze machen. Mittlerweile bin ich, was die Leistungsfähigkeit angeht, bei 65, vielleicht 70 Prozent“, meint der 32-Jährige. Der aber auch sagt: „Es gibt keine Ausreden. Die Zuschauer in Fulda sind super. Viele haben mir bei meinem ersten Auftritt gesagt, dass sie mich gerne wiedersehen wollen. Deshalb wurde ich auch erneut eingeladen. Die Leute haben für die Tickets bezahlt. Das ist für mich auch eine Verantwortung. Ich werde am Samstag gewinnen.“

Seinen Gegner Enomayo kämpfen gesehen, hat der Zweibrücker noch nicht. Gewarnt ist er trotzdem. „Der kommt aus dem ‚Multi Fight Gym’ aus Antwerpen. Das ist ein gutes Gym. Ich kenne einen von Enomayos Trainingskollegen, der früher wie ich auf den Kampfsportveranstaltungen von ‚Glory’ dabei war“, erzählt der 32-Jährige.

Dass sein Gegner fast zehn Jahre jünger ist, sieht Styben dabei nicht als Nachteil. „Die jungen Kämpfer sind hungrig, wild, emotional – aber eben auch unerfahren. Ich werde ihn von Beginn an unter Druck setzen, ihm keinen Raum lassen – und dann wird ihm die Erfahrung fehlen, wie er damit umgehen soll“, gibt Styben einen Einblick in seinen Plan für das Gefecht in Hessen. Seine Herangehensweise sei „ein bisschen riskant, aber ich bin mir sicher, ich habe das passende Rezept.“

An diesem Freitag wird sich der Zweibrücker um 7 Uhr am Morgen aus Grevenbroich bei Köln, wo er trainiert, auf den Weg Richtung Fulda machen. Am selben Tag steht das offizielle Wiegen auf dem Programm – ehe er am Samstag bei „Battle of Barock“ zum zweiten Mal in den Ring steigt. Die Vorkämpfe beginnen um 19 Uhr, die Hauptkämpfe mit Styben um 21 Uhr.

Und nach seinem Auftritt? Dann geht es für Styben in Richtung der Heimat. Der 32-Jährige engagiert sich in der Jugendarbeit des Landkreises Südwestpfalz. In der Nähe von Hauenstein leitet er nächsten Dienstag einen Workshop für Kinder. Etwa alle sechs Wochen kehrt Styben „nach Hause“ zurück. Das ist dann bei der Familie in Dietrichingen. Bruder Alex (18) ist Fußballer bei Landesligist TSC Zweibrücken. „Ich habe Alex in dieser Saison schon spielen sehen. Es war eine Pokal-Partie – aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wer der Gegner war“, erzählt Styben und lacht.

Einen Gegner, den er genau in Erinnerung behalten hat, ist dagegen der Bulgare Eduard Aleksanyan. Gegen den kämpfte der Zweibrücker im September vergangenen Jahres in Varna (Bulgarien) um den Europa-Titel im K1-Kickboxen – und unterlag dem Lokalmatadoren nach Punkten. Es ist ein Urteil, das Styben heute noch ärgert. Und es ist ein Urteil, das er schon bald korrigieren kann. Denn am Samstag, 6. Juli, treten die beiden bei der Kampfsport-Gala „Senshi“ an gleicher Stelle erneut gegeneinander an.

„80 Prozent der Leute, die den Kampf gesehen haben, haben mir gesagt, dass ich gewonnen habe – oder dass es eine entscheidende vierte Runde hätte geben müssen. Der Veranstalter ist dann auch zehn Tage später auf mich zugekommen und hat mir einen Rückkampf angeboten“, berichtet Styben. Dieser hätte eigentlich schon im vergangenen November stattfinden sollen. Doch der Bulgare sagte ab. Stattdessen trat Syben gegen den Türken Can Sahin an und gewann nach Punkten. Auch einen zweiten Termin zum Rückkampf ließ Aleksanyan platzen. Daraufhin stichelte Styben seinen Gegner ein wenig über die sozialen Medien. „Ich habe ihm geschrieben, dass er die Finger von den Frauen und der Schokolade lassen und sich lieber vorbereiten soll“, erzählt Styben und lacht. Und mit seiner Maßnahme hatte er offenbar Erfolg. In rund sechs Wochen soll die zweite Auflage des Duells stattfinden. „Eduard wird sicher top vorbereitet sein. Aber ich habe für den Kampf ein kleines Ass im Ärmel“, orakelt Styben, der dann „in jeder Sekunde im Ring meine Power zeigen“ will.

Spätestens in diesem Duell will Jakob Styben wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Gewinnen will er aber natürlich schon diesen Samstag bei „Battle of Barock“. Auch wenn ihm dazu diesmal 65, vielleicht auch 70, Prozent reichen müssen.

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