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Jahresrückblick 2020, Teil 3 (von 3): Erfolgreiche Sportler der Region

Jahresrückblick 2020, Teil 3 (von 3): Erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler : Kein Olympia, keine WM, aber EM-Starts

JCZ-Judoka Martyna Trajdos gewinnt EM-Bronze. Christin Hussong sichert souverän ihren nächsten DM-Titel.

Geprägt von großer Ungewissheit, zahlreichen Wettkampf-Verschiebungen und -Absagen sowie von ungewöhnlichen Trainingseinheiten ist das Jahr 2020 für die meisten Sportler verlaufen. Der Saisonhöhepunkt Olympische Spiele war für Top-Athleten wie Christin Hussong, Raphael Holzdeppe, Jasmin Grabowski oder Martyna Trajdos schlagartig geplatzt. Das Leben auf den Kopf gestellt. Für Profis hängt an solchen Großveranstaltungen schließlich mehr als nur das Hinarbeiten über vier – nun sogar fünf – Jahre: Förderung, Bundeswehrplätze, Existenzen. Lange war unklar, ob überhaupt Wettkämpfe würden stattfinden können. So wurde auch die Judo-EM mehrfach verschoben – am Ende im November in Prag aber doch durchgezogen. Für den 1. JC Zweibrücken (JCZ) nicht wenig erfolgreich.

Martyna Trajdos, die im Vorjahr zum JCZ gewechselt war, hat die erste Wettkampf-Herausforderung seit Beginn der Corona-Pandemie mit Bravour gemeistert. Sie erkämpfte sich in der Klasse bis 63 Kilogramm Bronze. Sie habe die zehn Monate zuvor ihr „Bestes getan, um motiviert und nicht nur in Form zu bleiben, sondern mich weiter zu verbessern“, erklärte die WM-Dritte von 2019. Der Podestplatz bei der EM war eine erste Belohnung für diese Arbeit.

 Mit zwiespältigen Gefühlen ging Vereinskameradin Jasmin Grabowski (+78 kg) in die ungewöhnlichen Geister-Titelkämpfe, ihre womöglich letzte EM. Steigende Infektionszahlen, die eigene Anreise mit dem Auto zur Risikominimierung, die zahlreichen nötigen Corona-Tests ließen große Bedenken an der Durchführung der EM wachsen. Im Kampf um noch nötige Punkte für die Olympia-Quali einfach zu verzichten, sei in diesem Dilemma aber keine echte Option gewesen. Und so ging die 29-Jährige mit der Hoffnung auf eine Medaille auf die Matte. Nach über zehnmonatiger Wettkampfpause zeigte sie starke Auftritte, bezwang etwa in der Trostrunde die Weltranglisten-Siebte Kayra Sayit (Türkei) und sicherte sich damit den Einzug ins kleine Finale. Im Kampf um Bronze musste sich die 29-Jährige aber geschlagen geben. Doch Grabowski, die nach ihrem erhofften zweiten Olympia-Start – nach Rio 2016 – in Tokio 2021 Richtung Karriereende blickt, hat in Prag gezeigt, dass sie körperlich den Belastungen Stand hält und mithalten kann. Wenn sie sich bei der EM auch mehr erhofft hatte, kann sie doch zuversichtlich Richtung Olympia blicken.

Mehr erhofft hatte sich auch Amelie Berger bei der Handball-EM in Dänemark. Nach holprigem Turnierstart steigerte sich das deutsche Team in der Hauptrunde. Am Ende musste sich die Zweibrückerin mit der DHB-Auswahl, die das Halbfinale als Ziel ausgegeben hatte, aber mit Rang sieben begnügen.

Für Speerwerferin Christin Hussong wurde in diesem Jahr die DM, die eigentlich nur ein kleiner Zwischenstopp auf dem Weg Richtung Tokio hätte sein sollen, plötzlich zum Saisonhöhepunkt. „Hätte es die Deutschen nicht gegeben, hätte ich die Saison vielleicht gar nicht fortgesetzt“, erklärte die Athletin des LAZ Zweibrücken. Mit 63,93 Metern sicherte Hussong souverän den Titel. Ansonsten nutzte die weiterhin amtierende Europameisterin – denn auch die EM in Paris fiel aus – das Jahr vor allem dazu, ihre Technik umzustellen, und sich auf die Olympischen Spiele 2021 vorzubereiten. LAZ-Kollege Raphael Holzdeppe verpasste die DM-Titelverteidigung.

LAZ-Speerwerferin Christin Hussong hat zum vierten Mal den DM-Titel gewonnen. Die nationalen Titelkämpfe wurden plötzlich zum Wettkampf-Höhepunkt und waren für die Europameisterin Ansporn, im Corona-Jahr überhaupt die Saison fortzuführen. Foto: dpa/Michael Kappeler
Sieg beim Großen Preis des Saarlandes (St. Wendel), Platz zwei beim Agravis-Cup (Oldenburg), Sieg bei der zweiten Quali zum deutschen U25-Springpokal (Warendorf) und schließlich Silber mit Contan im Finale des Springpokals in Riesenbeck – statt wie üblich beim CHIO in Aachen. Und zum Abschluss Rang zwei beim Großen Preis von Warstein: Für Niklas Betz (RFV Limbach) lief auch 2020 trotz Pandemie erfolgreich. Foto: cvw/Cordula von Waldow
Keine Reisen, keine Wettkämpfe, kein Ironman auf Hawaii. Sein Training – hier im selbst gebauten Gartenpool – hat der WSF-Triathlet dennoch voll durchgezogen. Nun geht der Blick Richtung WM 2021. Foto: Spurzem Privat/Privat
Michael Raje saß 2020 lange auf dem Trockenen. Dennoch schaffte es der Ausnahmeschwimmer der WSF Zweibrücken auch in diesem Jahr wieder, Rekorde zu knacken. Der Mannschaftspokal im Januar und das Frühjahrs-Schwimmfest in Darmstadt im März endeten für ihn mit neuen deutschen Altersklassenrekorden über die 100 (1:03,61 min) und 50 Meter Brust (29,98 sec). Nach dem Re-Start im September verbesserte der 14-Jährige seine Bestmarke über die 50 Brust sogar auf 29,75 Sekunden. Der Saisonhöhepunkt, die Deutsche Jugendmeisterschaft, blieb Raje nach der ersten Verschiebung allerdings komplett verwehrt. Foto: maw/Martin Wittenmeier
Raphael Holzdeppe hat die Titelverteidigung bei der DM verpasst, er gewann Bronze. 2021 hofft der 31-Jährige auf seinen vierten Olympiastart. Foto: maw/Martin Wittenmeier
Leiser Abschied: LAZ-Stabhochspringer Daniel Clemens hat seine Karriere beendet – nach über einem Jahrzehnt im Spitzensport. Seine größten Erfolge feierte er mit Bronze bei der U18-WM 2009 sowie bei der U23-EM 2013. Im gleichen Jahr folgte Gold bei der Militär-EM in Warendorf. Foto: Wolfgang Birkenstock
Der Einsatz im September kam unerwartet, dennoch war Glory-Kämpfer Jakob Styben über die Niederlage im Duell um den Muaythai-EM-Titel des WBC gegen Atti Gerardo, der eigentlich gegen einen Finnen hätte antreten sollen, enttäuscht. Foto: Styben/Privat
Der Zweibrücker Profiboxer Senad Gashi ist im Sommer zu Universum-Promotion gewechselt. Seine Premiere (WBC) für den traditionsreichen Hamburger Boxstall gegen Adnan Redzovic entschied er für sich. Gashis nächster WM-Fight fiel jedoch Corona zum Opfer. Foto: CHRIS BUECH
Charlotte Stuppi vom RSV Käshofen ist 2020 von Erfolg zu Erfolg geeilt. Die 13-Jährige gewann die deutsche Meisterschaft im Finale des Nationenpreises und sicherte sich überraschend den Titel bei der Jugend-DM im Springreiten. Foto: Heike Körner

Während die Leichtathleten zumindest noch die nationalen Titelkämpfe absolvieren konnten, schauten andere Sportler komplett in die Röhre. Die Deutsche Meisterschaft blieb unter anderem den Prellballern des TV Rieschweiler (mit drei Teams qualifiziert), den Schwimmern der WSF Zweibrücken um Ausnahmetalent Michael Raje und Freiwasserspezialist Moritz Bartels sowie den Fechtern der VT Zweibrücken (erstmals 19 qualifizierte Athleten) verwehrt. Ebenso wie dem Triathleten Oliver Spurzem die Teilnahme an gleich zwei Weltmeisterschaften. Doch Hawaii 2021 hat er bereits fest im Blick.