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Ist der 1. FC Kaiserslautern Aufstiegsaspirant? Ein Pro und Contra

Contra : Dem FCK fehlt ein Knipser – und auch die Konstanz

Ich glaube ja auch: Der 1. FC Kaiserslautern wird eine gute Saison in der 3. Fußball-Liga spielen. Das Wichtigste: Der Kern der Mannschaft konnte (endlich einmal) gehalten werden. Das Team wurde zudem solide verstärkt.

Insbesondere Mike Wunderlich – trotz fortgeschrittenen Fußballeralters (35) ein Ausnahmespieler in Liga drei – hebt den FCK auf ein neues Level. Er wird vor allem die chronische Schwäche bei Standards beheben.

Aber: Vom Kellerkind plötzlich zum Aufstiegskandidaten? Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken. Insbesondere stellt sich die Frage: Wer soll beim FCK die Tore schießen? Marvin Pourié ist weg, Lucas Röser schwer verletzt. Lukas Spalvis hat über zwei Jahre kein Pflichtspiel mehr bestritten. Und hinter den restlichen Offensivkräften stehen (zu) große Fragezeichen: Neuzugang Muhammed Kiprit ist ein veranlagter Spieler, hat in der vergangenen Spielzeit acht Treffer erzielt. Doch zwischenzeitlich kämpfte der 22-Jährige beim KFC Uerdingen auch mit einer 19 Spiele andauernden Ladehemmung. Ähnlich sieht es bei Daniel Hanslik aus. Im Saisonendspurt trumpfte der Angreifer mit sechs Toren in fünf Spielen groß auf. Davor traf er aber eben auch 17 Mal in Folge überhaupt nicht. Und war auch sonst kein Faktor im Angriffsspiel der Roten Teufel. Solch extreme Leistungsschwankungen mögen bei einem jungen Spieler nachvollziehbar sein. Doch Hanslik wird bald 25. Konstanz sieht jedenfalls anders aus. Diese ist aber notwendig. Der FCK muss keinen Wunderstürmer auf den Betzenberg locken. Aber ein Angreifer, der verlässlich für zwölf bis 15 Buden in der Saison gut ist, stünde einem Spitzenteam gut zu Gesicht. Zumindest hatten die Aufsteiger der Vorsaison, Dynamo Dresden (Christoph Daferner), Hansa Rostock (John Verhoek) und FC Ingolstadt (Stefan Kutschke) solche Spieler in ihren Reihen.

Zudem: Der FCK mag in der Vorsaison einen starken Endspurt hingelegt haben. Auf Augenhöhe mit den Topteams befanden sich die Roten Teufel aber auch während ihrer besten Phase der Saison nicht. „Wir wurden ein Stück weit vorgeführt“, musste Kapitän Jean Zimmer nach der 0:3-Pleite seiner Mannschaft am 35. Spieltag gegen 1860 München zähneknirschend einräumen. Die Partie gegen die Löwen, die letztlich den Aufstieg knapp  verpassten, offenbarte einen deutlichen Klassenunterschied, der weit über „die Tagesform“ hinaus ging. Der FCK hat sich nun zwar verstärkt, wird vor allem eingespielter in die kommende Runde gehen. Aber ob das reicht, um die klaffende Lücke zu schließen? Zweifelhaft.

Trainer Marco Antwerpen hat der Mannschaft nach seiner Übernahme neues Leben eingehaucht. Das ist ihm hoch anzurechnen. Doch auch unter dem 49-Jährigen war nicht alles Gold, was glänzt. Auch unter seiner Regie gewann der FCK nie zwei Partien in Folge. Regelmäßig verschenkte die Mannschaft durch späte Gegentreffer wichtige Punkte. Oder wandelte auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Wie bei Viktoria Köln, als die Pfälzer die Partie zunächst nach Belieben dominierten. Dann drei Tore binnen zehn Minuten kassierten. Nur um nach dem totalen Zusammenbruch doch noch ein Remis (3:3) zu retten. Der Klassenerhalt übertüncht in der Rückschau vieles. Auch, dass das zum Überleben wichtige 3:2 gegen das abgeschlagene Schlusslicht Unterhaching ein reiner Zittersieg war, der genauso gut an die Oberbayern hätte gehen können.

In den nur rund zwei Monaten zwischen der letzten und der kommenden Spielzeit haben sich die Roten Teufel weiterentwickelt. Aber nicht jede Schwäche behoben, die für eine – auch das wird rückblickend gerne verklärt – katastrophale Saison verantwortlich war. Ob das notorisch flatterhafte Umfeld die Ruhe bewahrt, sollte der schwere Saisonauftakt am Samstag gegen Eintracht Braunschweig misslingen, ist eine ganz andere Frage.

Der 1. FC Kaiserslautern wird die Saison auf Rang sechs bis neun abschließen. Für mehr fehlen ein Knipser – und die Konstanz.