Pferdesport : „Man muss bodenständig bleiben“

Der mehrfache Weltmeister im Gespannfahren verrät sein Rezept für dauerhaften Erfolg.

Seine Erfolgsliste scheint endlos. 2009, 2011, 2017 und 2019 heimste er WM-Gold in der Mannschaftswertung mit den Ponys ein, 2013 und 2015 wurde er Vizeweltmeister mit der Mannschaft, 2009 und 2015 zusätzlich Vizeweltmeister im Einzel. Dazu kommen etliche DM-Titel. 2008 erhielt der 30-Jährige Ludwigsburger Steffen Brauchle sein Goldenes Fahrabzeichen, 2012 wurde ihm das Silberne Lorbeerblatt verliehen. Im vergangenen Jahr toppte der Gespannfahrer aus Bösingen, der für den PSV Schloss Kapfenburg startet, seine Bilderbuch-Karriere mit dem Weltmeistertitel im Einzel. Nun war er zum Fahrkurs auf der Zweibrücker Rennwiese.

Herr Brauchle, wie wird man Weltmeister?

Steffen Brauchle: Durch Training, Training, Training. Ich bin mit vier Jahren mein erstes Turnier gefahren, da konnte ich weder Zahlen, noch wusste ich sicher, wo rechts und wo links ist. Meine Eltern haben mir und meinem Bruder den Fahrer-Virus vererbt. Mit 16 fuhr ich meine erste DM. Nach meiner Arbeit als Zerspanungsmechaniker bin ich jeden Abend fünf bis sechs Stunden im Stall. An freien Tagen fahre ich zwei- bis dreimal täglich.

Was war Ihr schönster Erfolg?

Brauchle: Definitiv der Einzelsieg im vergangenen Jahr. So lange habe ich dafür gekämpft, so oft bin ich ganz knapp daran vorbei geschrammt. Trotz aller Enttäuschung immer wieder die Leistung als Vize-Weltmeister oder auf dem Bronzerang zu würdigen, ist wirklich herausfordernd. Doch wenn Du dann ganz allein da oben stehst, und sie spielen die Nationalhymne nur für dich – das ist einmalig. Das ist noch mal etwas anderes, als mit der Mannschaft, wo einer immer die Schwächen der anderen ausgleicht. Im Einzel muss einfach alles top sein, das gesamte Team. Dazu gehören auch meine Frau Brigitte und meine Schwägerin Inge Rück als Beifahrerinnen.

Was braucht es für einen solch dauerhaften Erfolg?

Brauchle: Gesunden Ehrgeiz, Disziplin, einen klaren Plan und die Fähigkeit, Niederlagen zu verkraften. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, die mich immer unterstützt haben, meinen Ausbildern, meinem Team, das mir auch zu Hause stets den Rücken frei hält. Immerhin haben wir zwölf Sportponys, neun davon sind meine, die top versorgt sein wollen. Und: man muss bodenständig bleiben, kritikfähig. Am Schlimmsten ist es, wenn man dann abhebt: Das kommt vor dem Fall.

Warum fahren Sie Vierspänner?

Brauchle: Das ist die Königsdiziplin. Dafür braucht man Geschick, Feingefühl und Schnelligkeit. Die Leistungsgrenze bestimmen nicht mehr die Ponys, sondern man selbst. Orientieren muss man sich immer am Schwächsten, zu jeder Zeit hellwach sein und kompromissbereit. Je schneller ich denke, desto schneller laufen die Ponys, das ist der Kick. Wobei ich auch im Ein- und Zweispänner starte, auch als Beifahrer mit meiner Schwägerin und meiner Frau.

Wie kam die Entscheidung für die Ponys?

Brauchle: Sie haben ein viel größeres Herz, sind viel mutiger und waghalsiger als jedes Großpferd. Sie kämpfen für Dich, bis es vorbei ist, keine Sekunde kürzer.

Wie muss Ihr Traum-Pony geartet sein?

Brauchle: Es muss ideal ins Team passen und mit den übrigen harmonieren. Mir nutzt kein Ausnahmekracher, wenn er sich nicht einfügen kann.

Wie geht es in diesem Jahr sportlich für Sie weiter?

Brauchle: Ich weiß es nicht. Die Ponys sind topfit, wir könnten jederzeit loslegen. Ansonsten nutze ich die freie Zeit für Lehrgänge wie in Zweibrücken.