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In Rheinland-Pfalz wird dieses Jahr kein Amateurfußball mehr gespielt

Südwestdeutscher Fußballverband : Der Amateurfußball macht Winterpause

Der Südwestdeutsche Fußball-Verband hat am Dienstagabend beschlossen, dass in diesem Jahr kein Amateurfußball mehr gespielt wird. Die Winterpause soll bis zum 6. Januar verkürzt werden. Dass der Ball in den Ligen dann wieder rollt, ist aber äußerst fraglich.

Eine Überraschung war es nicht mehr. Der Südwestdeutsche Fußball-Verband (SWFV) hat erwartungsgemäß beschlossen, die Winterpause von der Verbandsliga bis in die C-Klasse vorzuverlegen und bereits am 1. Dezember beginnen zu lassen. Damit ist jetzt das, was viele bereits geahnt haben, offiziell: Dieses Jahr wird in den Amateurklassen kein Fußball mehr gespielt.

Die Entscheidung fiel am Dienstagabend in einer Präsidiumssitzung des Verbands. Als Begründung für diese Entscheidung gibt der SWFV an, den Vereinen mittelfristige Planungssicherheit geben zu wollen. „Nachdem eine Entscheidung der zuständigen staatlichen Stellen nicht vor Mitte beziehungsweise Ende der nächsten Woche erfolgen wird, wäre eine Aufnahme des Regelspielbetriebs frühestens Mitte Dezember und somit erst kurz vor der üblichen Winterpause möglich“, heißt es in einer Pressemitteilung gestern. Der Verband sah also Handlungsbedarf. „Weil die Vereine zwei bis drei Wochen Vorlaufzeit bekommen sollten, wäre der erste möglich Spieltag der 13. Dezember gewesen. Offiziell der letzte Spieltermin in diesem Jahr. Eventuell hätte man eine Woche später noch einen anhängen können. Aber wir haben uns gefragt: Macht das wegen dieser zwei Termine Sinn? Zumal ich ohnehin davon ausgehe, dass wir in diesem Jahr nicht mehr spielen dürfen“, erklärt Reiner Ehrgott, Vorsitzender des Fußball-Kreises Pirmasens/Zweibrücken und Mitglied des Verbandsspielausschusses

Doch die Winterpause wird nicht nur verlegt, sie wird auch verkürzt. Ursprünglich war die Unterbrechung zur kalten Jahreszeit vom 14. Dezember bis zum 12. Februar geplant, also fast neun Wochen. Nun soll sie vom 1. Dezember bis zum Dreikönigstag am 6. Januar dauern, als nur rund sechs Wochen.

„Das heißt nicht, dass am 6. Januar der erste Spieltag stattfindet. Alle Szenarien sind aufgrund der aktuellen Lage nur theoretischer Natur“, sagt Oliver Herrmann, Sprecher des SWFV, gestern auf Nachfrage, wann der nächste Spieltag angesetzt ist. Die Entscheidung liege auch im Ermessen der Spielleiter. Die müssten je nach Ligastruktur und bisher gespielten Partien entscheiden, wann der nächste Spieltag sinnvoll wäre. Entscheidend sei auch, wann wieder ein regulärer Trainingsbetrieb möglich ist. „Ohne einen Vorlauf macht der Spielbetrieb keinen Sinn“, macht Herrmann deutlich. Rein theoretisch könne am Wochenende nach dem 6. Januar bereits der erste Spieltag stattfinden, hierfür wäre aber die Erlaubnis des Trainingsbetriebs ab 1. Dezember sinnvoll. Sollte die Saison ab 6. Januar einigermaßen normal fortgesetzt werden können, sei aber eines klar, erklärt Herrmann: Die Mannschaften werden weniger spielfrei haben als bisher im Rahmenspielplan festgelegt. Schließlich müsse auch der nicht gespielte November nachgeholt werden. „Mit der frühen Wiederaufnahme – sofern es die Situation überhaupt zulässt – wollen wir unter anderem der Bezirksliga mit ihren 21 Mannschaften Rechnung tragen. Damit die Chance besteht, dass auch sie die Runde noch vollständig zu Ende spielen können“, erklärt Ehrgott. So recht daran glauben, dass das funktioniert, mag er allerdings nicht:

„Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir bis Ende Februar oder Anfang März nicht mehr spielen können“, räumt der Kreisvorsitzende ein. Denn bei dem nasskalten Wetter, das in der Regel Anfang des Jahres herrscht, würden „gewöhnliche Erkältungen nicht ausbleiben. „Und ein Verdachtsfall reicht ja zur Spielabsage. Wenn eine Mannschaft donnerstags zusammen trainiert, meldet sich vielleicht freitags ein Spieler, dass es ihm nicht gut geht. Dann kommt zwar vielleicht am Dienstag der Bescheid, dass das nichts mit Corona zu tun hat – aber dann wurde die Partie ja schon abgesagt“, sagt Ehrgott, der noch andere Gründe dafür ins Feld führt, dass der Start Anfang Januar eher unwahrscheinlich sei. Denn an den Weihnachtsfeiertagen würde sich womöglich der eine oder andere Bundesbürger sagen: ‚Jetzt will ich doch mal meine Eltern oder meinen Bruder sehen’. Wie sich die Festtage auf die Infektionszahlen, „die noch immer nicht gut aussehen“, auswirken werden, sei derzeit kaum absehbar. Und schließlich sei dann ja noch die Frage, ob die Witterung es überhaupt zulässt, dass Anfang Januar wieder gespielt werden kann. Der November sei zwar „fünf Grad wärmer als sonst. Aber das ist ja keine Garantie dafür, dass das in sechs Wochen so immer noch der Fall ist“, gibt Ehrgott zu bedenken.

Bei den Vereinen in der Region fällt das Echo auf die Entscheidung weitestgehend einhellig aus. Die Entscheidung, in diesem Jahr den Ball ruhen zu lassen sei richtig – die angepeilte Rückkehr so früh im neuen Jahr aber kaum zu halten.

„Der Dezember ist ja ohnehin nicht der Fußballmonat. Für dieses eine Spiel nochmal auf den Platz zurückzukehren wäre Quatsch gewesen“, sagt Alexander Joniks, Spielertrainer des Fußball-Landesligisten SG VB Zweibrücken/SV Ixheim. Dass Anfang Januar wieder gespielt wird, glaubt er hingegen nicht. „Es war ja noch nie der Fall, dass wir so früh gestartet sind. Selbst wenn es die Platzverhältnisse zulassen. Wer will denn Anfang Januar wieder auf dem Fußballplatz stehen“, ergänzt Joniks, der zu bedenken gibt, dass alle Planspiele ohnehin Makulatur seien. „Der Verband ist ja auch an die Entscheidungen der Regierung gebunden.“

Ganz ähnlich sieht es auch Stephan Heidenreich, Vorstandsmitglied und Pressesprecher des Fußball-Landesligisten TSC Zweibrücken. „Alleine wegen der Verletzungsgefahr halte ich es für richtig, dass für dieses Jahr Pause ist. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wieviele Kreuzbandrisse es gegeben hätte, wenn man die Spieler für die eine Partie noch einmal ins kalte Wasser geworfen hätte. Das wäre unverantwortlich gewesen. Man muss da auch schauen, was man den Spielern antut. Das sind keine Profis, die einen Job und eine Verantwortung gegenüber ihrer Familie.“ Auch Heidenreich hält die potenzielle Fortsetzung der Runde im frühen Januar. nicht für realistisch. „Dass man die Winterpause verkürzt, finde  ich richtig. Aber doch nicht schon am 6. Januar. Das kann kaum funktionieren. Die Teams bräuchten ja wieder zwei Wochen Vorlaufzeit. Welcher Trainer stellt sich denn an den Weihnachtsfeiertagen hin und sagt seinen Spielern: ‚Ihr müsst jetzt zurück auf den Platz‘?“ fragt der TSC-Sprecher. Dass man nun überhaupt ein Datum genannt hat, finde er fragwürdig. Heidenreich findet: „Da gibt es so viele Unwägbarkeiten. Im Moment dürfen ja nicht mal die Kinder auf die Plätze zurück.  Mitte Januar hätte man eventuell mal schauen können, wie die Situation aussieht.“

Auch Thomas Seiler, Spielleiter der SG Clausen/Donsieders gibt zu bedenken: „Wir müssen jetzt erstmal warten, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, bevor wir an den 6. Januar denken. Sollte dieser Termin funktionieren, sorgt wahrscheinlich die schlechte Witterung dafür, dass an Spiele auf Rasenplätzen nicht zu denken ist. Wir haben jetzt schon viele Wochen verloren, da ist eine Vorbereitungszeit von mindestens einem Monat eigentlich ein Muss.“

Christian Ross, Spielleiter des SV Ruhbank sagt: „Dass die Winterpause nach vorne gelegt wurde, ist für mich verständlich, der 6. Januar ist aber utopisch. Es wäre fahrlässig und unangebracht, dann gleich wieder zu spielen. Fußball soll und darf nicht an erster Stelle stehen, es sollten erstmal Geschäfte, Kinos und Schwimmbäder geöffnet werden. Meiner Meinung nach können wir sporttechnisch erst im März die ersten Schritte machen.“

Reiner Ehrgott, Vorsitzender des Fußball-Kreises Pirmasens/Zweibrücken. Foto: Annette Wrobel
Stephan Heidenreich, Vorstandsmitglied und Pressesprecher des TSC Zweibrücken. Foto: Hagen Foto: Markus Hagen
Alexander Joniks, Spielertrainer der SG VB Zweibrücken/SV Ixheim. Foto: Martin Wittenmeier

Einzig Thorsten Riggers, Spielertrainer TV/SC Hauenstein II befürwortet unter den Befragten den frühen Wiedereinstieg: „Die Runde bereits im Januar wieder aufnehmen zu wollen, finde ich gut, da es so keinen Termindruck geben wird. Ich sehe eine Vorbereitung zwischen Weihnachten und Neujahr zwar kritisch. Aber die Dauer sollte ausreichen – eine Kürzere ist nicht machbar.“