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Immer schneller, immer höher hinaus

Immer schneller, immer höher hinaus

Das Camp 4 in Zweibrücken ist Ende Mai Austragungsort des Finales um den Deutschen Boulder- beziehungsweise Jugend-Cup. Um dort vorne mit dabei zu sein, arbeiten Luna Friedrich und David Wente Woche für Woche mehrfach im Training hart.

Sie hangeln sich in senkrechten oder überhängenden Wänden, suchen Halt an den farblich abgesetzten Griffen. Dann wird der nächste auf der Kletterroute ins Visier genommen. Mit verlagern des Körperschwerpunktes, einer große Portion Kraft in Armen, Fingern und Beinen, oftmals akrobatischen Bewegungsabläufen versuchen Luna Friedrich und David Wente an ihr Ziel, den letzten, sogenannten Topgriff zu kommen. Die 15-jährige Mörsbacherin und ihr 16 Jahre alter Trainingskollege aus dem saarländischen St. Ingbert gehören der Trainingsgruppe des Zweibrücker Spitzenkletterers Mathias Conrad an. Mit Stoppuhr und Klemmbrett bewaffnet misst er die Zeit seiner Schützlinge. Zum Abschluss der Trainingseinheit in den Steilwänden der Kletterhalle im Camp 4 geht es für die Wettkampfathleten des Deutschen Alpenvereins (DAV) Sektion Zweibrücken zum Koordination- und Krafttraining.

Man sieht, dass Luna und David etwa vier Mal pro Woche für je zwei bis drei Stunden im Kletterzentrum trainieren. "Hinzu kommt das Grundlagentraining Zuhause", betont Conrad. Und das alles soll sich auszahlen in den Wettkämpfen. Die beiden setzen sich ehrgeizige Ziele. Dazu gehört auch ein gutes Abschneiden beim Deustchen Boulder-Cup (DBC) beziehungsweise Deutschen Jugend-Cup (DJC), zu deren Stationen in diesem Jahr auch Zweibrücken gehört. So findet das Finale der Tour am 28./29. Mai an den heimischen Wänden statt. "Den Heimvorteil will man nutzen und gewinnen", zeigt sich David selbstsicher.

Dass das Finale dieser Kletterevents überhaupt nach Zweibrücken kommt, dafür musste Vieles passen. "Man wird vom Hauptverband des DAV in München angesprochen, ob man ein solches Event ausrichten möchte", erklärt Peter Weber, Vorsitzender DAV-Sektion. Es müssten genormte Wettkampfwände und auch technische Mittel sowie die örtlichen Gegebenheiten stimmen. "Wir können hier alle Vorgaben erfüllen - so haben wir zugesagt. Schließlich ist das Klettern in Zweibrücken sehr populär. Wir hoffen auf viele Zuschauer, wenn wir hier die neuen deutschen Meister küren", blickt Weber voller Vorfreude voraus.

Bis zum Cup-Finale werden Luna und David aber noch häufig durch die Schule von Conrad gehen. Mit Platz sieben beziehungsweise 15 beim Tourstart Anfang Februar in Hannover ist noch Luft nach oben, wollen die zwei Sportler im Camp 4 Ende Mai auf dem Treppchen stehen. Zweite Station, bevor es zum Finale kommt, ist Köln. Hier trifft sich die DAV-Elite am 9. und 10. April, im Kampf um weitere Punkte. So auch Luna Friedrich und David Wente, der durch seinen Vater zum Klettern kam, damals allerdings zunächst im Freien unterwegs war. Als Ausweichmöglichkeit im Winter hat David erstmals eine Kletterhalle betreten - und ist nun seit sechs Jahren dabei. Über das mögliche Herunterfallen aus großer Höhe mache er sich keinen Kopf. "Nur vor einem schweren Zug in der Route wird es mir manchmal bange", gibt der Rheinland-Pfalz-Meister der A-Jugend zu.

Die anfängliche Höhenangst ist auch bei Luna verflogen, die das Klettern im Alter von neun Jahren für sich entdeckt hat. "Unser Haus wurde gestrichen und auf dem Gerüst an der Fassade bin ich gerne rumgeturnt. So bin ich mal in die Halle und hab Klettern ausprobiert", erinnert sie sich an ihre Anfänge. Zunächst hat sie sich nur mit dem Seil und Absicherung (Toprope) in die bis zu zehn Meter hohen Wände gewagt. Vor vier Jahren ist sie zu Conrad in die Anfängergruppe des Boulderns - Klettern ohne Seil in Absprunghöhe bis zu 4,50 Metern - gewechselt. Mittlerweile kann die 15-Jährige auf eine Vielzahl vorderer Platzierungen bei Jugend-Cups, Rheinland-Pfalz- und westdeutschen Meisterschaften verweisen. Daneben ist sie besonders auf ihren zehnten Platz im Bouldern bei der Jugend-WM in Italien stolz. Seit Anfang des Jahres darf sie neben der B-Jugend auch bei den Frauen an den Start gehen. Dort will sie ihre Erfolgsliste weiter fortschreiben.