Immer höher hinaus

Viele junge Sporthoffnungen gibt es in der Region. In loser Abfolge stellt der Merkur einige von ihnen vor. Heute im neunten Teil: Die 15-jährige Luna Friedrich, die bereits früh ihre Leidenschaft fürs Klettern entdeckt hat.

Schon als kleines Kind kletterte Luna Friedrich gerne auf Bäume. Als das Dach ihres Elternhauses renoviert wurde, war die damals Achtjährige nur schwer davon abzuhalten, das Baustellengerüst zu besteigen. Heute ist Luna Mitglied im Rheinland-Pfalz-Kader und Nationalkader der Kletterer des Deutschen Alpenvereins (DAV). "Nachdem ich keine Ruhe gelassen habe, hat meine Mutter mich zu einem Grundkurs im Zweibrücker Kletterzentrum Camp 4 angemeldet", erinnert sich Luna an die Anfänge ihrer Sportlerkarriere, "Das hat mir so gut gefallen, dass ich dann einer Trainingsgruppe beigetreten bin." Mit der Leistungsgruppe des DAV Sektion Zweibrücken trainiert die 15-Jährige nun dreimal die Woche für jeweils zwei bis drei Stunden. Die Faszination Klettern ist ungebrochen: "Es reizt mich, es immer wieder zu probieren, bis man wirklich oben ist. Mich fasziniert auch die Vielfalt des Sports, all die unterschiedlichen Züge, Griffarten und Wandstrukturen."

Bei einem typischen Kletterwettkampf in der Halle gibt es drei Disziplinen: Bouldern, Lead und Speed. Während bei den Letzteren zwei Kategorien auch die Schnelligkeit eine Rolle spielt und man sich durch Seile gesichert in recht luftigen Höhen bewegt, stellt das Bouldern große Anforderungen an das technische Geschick der Kletterer . Im Schnitt haben die Kletterer für fünf Boulder, also Wandgefälle, je vier Versuche und insgesamt zwei bis drei Stunden Zeit, um sie zu besteigen. "Man muss sich dabei die Kraft gut einteilen", sagt Luna. An rund dreißig Wochenenden im Jahr ist sie auf Wettkämpfen in ganz Deutschland und seit dem letzten Jahr auch außerhalb der Bundesrepublik unterwegs. Dazu kommen noch Lehrgänge vom Verband und Freizeitwettkämpfe in der Region. Neben Zug- und Kraftübungen spielt beim Training dabei de Ausbildung der mentalen Stärke der Kletterer auch eine große Rolle. "Das ist sehr wichtig. Ich lasse mich bei Wettkämpfen oft runterziehen, wenn es nicht gleich klappt. Und wenn man zu aufgeregt ist, zittern einem oftmals die Arme und man verliert dann die Kontrolle über den Körper", erzählt Luna. Zur Entspannung macht sie deshalb zu Hause manchmal Yogaübungen.

Die unverhoffte Teilname bei der Weltmeisterschaft im italienischen Arco 2015 ist für Luna ihr bisher größer sportlicher Erfolg. Als ihren besten Wettkampf nennt sie den Deutschland-Cup im vergangenen Jahr in Hannover, bei dem sie Dritte wurde: "Es ist toll zu sehen, wie man immer besser wird und plötzlich Sachen kann, die man vorher als total schwierig empfunden hat."

Der Wunsch, sich immer zu verbessern, treibt die Gymnasiastin auch an Tagen, an denen sie nicht so motiviert ist, in die Halle: "Viele denken, klettern wäre ein einfacher Sport, aber das ist es nicht. Es ist superschwierig, man muss viel trainieren." Neben Schule und Klettern bleibt deshalb nicht viel Zeit für Freunde und andere Hobbys. "Leider können aber nur die wenigsten vom Klettern leben", weiß Luna, "Ich möchte mich deshalb in der Schule jetzt in der Zehnten und dann in der Oberstufe besonders anstrengen, damit ich einen guten Abschluss habe, auf den ich immer zurückgreifen kann." Für die neue Klettersaison ist es ihr Ziel, sich für die WM in Asien zu qualifizieren.