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„Hüther muss sich langem Prozess stellen“

„Hüther muss sich langem Prozess stellen“

Marlene Hüther war in diesem Jahr ganz nah dran. Nur knapp verpasste die Schwimmerin der Wsf Zweibrücken die Olympia-Qualifikation mit der deutschen 4x200-Meter-Freistilstaffel. Doch das ist mittlerweile abgehakt. Nach dem Weggang von Trainer Ralf Steffen und dem Wechsel zu Hannes Vitense, Landestrainer des Saarländischen Schwimmbundes (SSB), richtet sich der Blick der 18-jährigen Dietrichingerin langfristig auf die nächsten Olympischen Spiele in Tokio 2020. Im Gespräch mit Merkur-Redakteurin Svenja Hofer erklärt Trainer Vitense, der nach seinem Ende des Jahres auslaufenden Vertrag beim SSB einen neuen erhalten soll, wie schwer der Weg dahin aber sein wird.

Herr Vitense, nach dem Weggang des weiteren saarländischen Landestrainers Ralf Steffen ist Marlene Hüther in Ihre Trainingsgruppe gewechselt. Sie wird da nicht die einzige sein. Gibt es nun nur noch eine Trainingsgruppe?

Hannes Vitense: Ja, das ist richtig. Alle Leistungsträger des Saarlandes sind nun in einer Gruppe versammelt.

Mussten Sie dafür große Umstrukturierungen vornehmen?

Vitense: Nein, ich bin nun seit zwölf Jahren hier und ich kenne ja auch Sportler wie Marlene schon lange. Die Entwicklung läuft nicht an einem vorbei. Ich denke aber dennoch, dass wir einige Dinge neu aufzubauen versuchen, um den Athleten mit Blick in die Zukunft die besten Möglichkeiten mitzugeben.

Wenn Sie von der Zukunft sprechen, geht der Blick nach Olympia in Rio für Sie und auch Marlene Hüther schon jetzt Richtung Olympische Spiele 2020 in Tokio?

Vitense: Wir als Verband können nicht nur in dem Vierjahres-Rhythmus denken. Ich bin in einem Acht-Jahres-Zyklus. Die Athleten, die nach Tokio wollen, befinden sich - am besten bereits seit vier Jahren - in dem Prozess des Hochleistungssports, haben sich hier bereits entwickelt und erste Erfahrungen gesammelt.

Dazu gehört es auch, Rückschläge, wie das knappe Verpassen der Olympischen Spiele wegzustecken. Wie schaffen es Sportler danach, sich wieder für die nächsten Jahre zu motivieren?

Vitense: Jeder Athlet ist in seinem Entwicklungsprozess verschieden. Jeder muss aber zusehen, dass der eigene Plan konsequent verfolgt wird und es Verbesserungen gibt. Das haben Marlene Hüther und Ralf Steffen in den vergangenen Jahren sicher auch getan. Wenn man in dieser Zeit sein Bestes gegeben hat - und das hat Marlene sicher -, es dann aber knapp nicht reicht, dann reicht es halt nicht. Das gehört im Hochleistungssport eben dazu. Die Frage, und die wird mit steigendem Alter immer schwieriger, ist dann aber irgendwann, wie man den Sport und das restliche Leben unter einen Hut bekommt. Für Marlene steht jetzt das Abitur an. Wie geht der Lebensweg dann weiter? Schafft man eine Laufbahn bei Polizei , Bundeswehr oder ähnlichem mit sportlicher Laufbahn und geht diesen Weg konsequent weiter, weil man durch den Hochleistungssport etwas erreichen kann, wie man es in dieser Form im "normalen" Leben nicht kann. Oder hält einen der Sport von einer anderen erwünschten Lebensphase ab. Dann wäre man im Hochleistungssport falsch. Dem muss man sich bewusst sein.

Bundestrainer Henning Lambertz hat angekündigt, die Zügel nach dem schwachen Abschneiden in Rio nochmal anzuziehen, die Qualizeiten runterzusetzen. Würde das etwas an Ihrer täglichen Arbeit ändern?

Vitense: Nein, würde es nicht. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Entwicklung, in der wir uns befinden immer professionell sein muss. Da geht es eben nicht noch professioneller. Mir ist es auch wichtig, sich als Sportler nicht verrückt machen zu lassen von den zeitlichen Hürden und Normen. Nicht nur mit diesen im Kopf ins Wasser zu springen und sich Druck zu machen, das würde nichts bringen. In dem Prozess muss der Athlet den Willen haben, jeden Tag besser zu werden und das aktiv mit angehen. Und damit dann im Idealfall besser sein als die Konkurrenz. Dazu muss ich im Fokus voll bei mir sein. Danach kann man immer noch spezielle Sachen machen, wie etwa noch weitere Treffen mit Ernährungsberatern, noch mehr spezielles Training. Am Ende muss ich aber immer von dem überzeugt sein, was ich mache. Allein 365 Tage im Jahr einfach nur zu arbeiten, reicht dann nicht. Nur die Norm von einem Jahr im Kopf zu haben ist in dem langen Prozess ebenfalls die falsche Herangehensweise.

Mit der Kurzbahn-DM ab 17. November in Berlin steht für Marlene das erste nationale Kräftemessen der Saison auf dem Programm. Mit welchem Ziel geht sie in den Wettkampf?

Vitense: Sie selbst motiviert sich hier dazu, bestmöglich zu schwimmen. Sie setzt sich sicher auch zum Ziel, bestimmte Normzeiten (etwa für die Kurzbahn-WM in Kanada im Dezember, Anm. d. Red.) zu knacken. Sie kann sich natürlich damit beschäftigen, sie soll sich aber nicht verrückt machen. Ich denke, das hat sie aber auch gelernt. Wichtig für mich ist die Frage: Kann sie sich noch einmal vielseitig aufstellen, kann sie auch andere Disziplinen auf Spitzenniveau schwimmen? Ansonsten sind die Normzeiten vielleicht zu stramm. Auf diese Vielseitigkeit haben wir hingearbeitet. Wenn Marlene es schafft, in Berlin die Wende-Unterwasserbewegung zu verbessern, dann bin ich persönlich zufrieden. Ob auch sie dann zufrieden wäre mit der Zeit, ist eine andere Sache. Die Kommunikation, wie man an Dinge herangeht, auch damit muss sich der Spitzensportler in dem Prozess beschäftigen. Da hat Marlene aber viel dazugelernt. Das ist eine positive Geschichte. Jetzt müssen wir sehen, wie weit sie ist, und wie weit sie noch kommen kann.

Was steht kurzfristig nach der Kurzbahn-DM noch auf dem Plan von Marlene Hüther?

Vitense: Dann kommt auf jeden Fall die Doppelbelastung aus Abitur im April und der Quali für die Weltmeisterschaften (Budapest/Ungarn, Anm. d. Red.) im Zeitraum von Januar bis April beziehungsweise voraussichtlich noch bis Juni für die Staffeln.

Sie legen Wert darauf, dass Marlene Hüther bei Ihnen alle Disziplinen trainiert und schwimmt. Nicht mehr nur speziell die 100 und 200 Meter Freistil im Fokus hat. Wo sehen Sie die Stärken der 18-Jährigen?

Vitense: Ich sehe die Hauptausrichtung bei Marlene auf den 400 Meter Lagen und den 200 Metern Freistil . Für die Lagen muss sie auch 200 Meter Brust, Delfin und Kraul schwimmen können. Fatal wäre es für sie, zulasten einer Spezialisierung, auf andere Chancen zu verzichten. Das wäre so, wenn Marlene alles auf eine Karte - die 100 Meter Kraul - setzt und sie es dann nicht unter die Zeit von 1:58 Minute bringt. Das wäre einfach zu wenig für die Spitze. Klar bedeutet das eine Menge Arbeit, die sie jetzt bringen muss. Diesem Prozess, der lange dauern kann, muss sich Marlene stellen. Wohin er langfristig führt, können wir noch nicht sagen. Acht Titel für Marlene Hüther, vier für Jean-Marc Emser. So lautet die Bilanz der saarländischen Kurzbahnmeisterschaften in Illingen . In den Jahrgangswettbewerben sicherten die Schwimmer der Wsf Zweibrücken zudem 48 Erfolge. Die Meisterschaften waren die letzte Qualimöglichkeit für die Kurzbahn-DM ab dem 17. November in Berlin.

Gleich über elf Strecken war Hüther gemeldet. Ihre Spezialdisziplinen wie die 200-Meter-Freistil und die 100 Brust ließ sie aber aus. Die 18-Jährige, die aus vollem Training heraus schwamm, kam dabei bis auf die 200-Meter-Schmetterling (2:14,89 min) noch nicht an ihre Bestzeiten heran. Über die 50 Freistil setzte sich die Dietrichingerin im Finallauf souverän in 25,70 Sekunden durch. In beachtlicher Form zeigte sie sich bei ihren Siegen über die100-Meter-Rücken (1:03,88 min), die 100 Schmetterling (1:03,04 min) und die 400-Meter-Freistil (4:14,27 min). Ihrem Programm Tribut zollen musste sie über die 800-Meter-Freistil sowie die 200-Meter-Rücken, wo sie als Zweite anschlug. Bei den deutschen Titelkämpfen dürften aber auch die 100 Brust und die 200 Freistil wieder in den Fokus rücken. Hier dürfte sie auch die größten Chancen haben, sich für die Kurzbahn-WM Anfang Dezember im kanadischen Windsor zu qualifizieren, wobei die Konkurrenz sehr stark sein wird.

Einen sehr guten Wettkampf bot Jean-Marc Emser. Über die 200 Freistil setzte er sich in 1:56,24 Minuten durch. Überraschend gewann er gegen Jurek Frey (St. Ingbert) in neuer Bestzeit die 100 Rücken in 58,19 Sekunden. Weitere Titel sicherte er über die 100 und 200 Lagen.

In den Jahrgangswertungen trumpften die Zweibrücker groß auf. Ganz auf die Freistilstrecken konzentrierte sich C-Kader-Athlet Nick Werner (Jg. 2001). Dabei gelang es ihm über die 200 Freistil erstmals in 1:59,64 die Zwei-Minuten-Marke zu durchbrechen. Stark auch seine Zeiten über die 100-, 400- und 800-Meter-Freistil in 55,63, 4:11,28 und 8:34,71 Minuten. Der ein Jahr ältere Jannis Staiger siegte über die 100 Brust (1:11,14 min), gewann Silber in der offenen Klasse und verfehlte im Finale über 50 Schmetterling als Vierter knapp eine Medaille. Freiwasserspezialist Moritz Bartels testete über die 800 und 1500 Freistil und schlug hier als Zweiter und Dritter an. Bei den Damen holte neben Hüther Noelle Werner (Jg. 2003) zwei Titel über die 100 und 200 Meter Brust. Alina Hubert (Jg. 2004) gewann insgesamt fünf Medaillen darunter Silber in 1:28,32 Minuten über die 100 Schmetterling. Im Jahrgang 2006 sicherten Lukas Fritze mit sieben Mal Gold und Michael Raje mit sechs Titeln gleich 13 Siege. Gleich sechs Bestzeiten bot Fritzke. Stark waren insbesondere seine Zeiten über die 200 und 400 Freistil (2:30,96 min, 5:20,78 min). Stark zeigte er sich auch über die 100-Meter-Rücken (1:18,01 min) und die 200 Lagen (2:55,14 min). Raje zeigte, dass er zurzeit einer der besten Brustschwimmer seines Jahrgangs in Deutschland ist. In 38,15 Sekunden über die 50 Meter und in 1:24,39 Minuten über 100 siegte er souverän. Imponierend auch die Zeit über 50 Schmetterling in 33,84 Sekunden. Mit Jacob Herr und Nico Braun schwammen zwei weitere Wsf-Talente aufs Podest. Herr wurde Dritter über die 100 Schmetterling (1:29,92 min), Braun gewann vier Mal Silber . Ebenfalls stark präsentierte sich das Duo Max Strassel und Carl-Morris Magold (Jg. 2004) mit neun Siegen. Morris, der fünf Mal Gold gewann, steigerte sich in 2:20,87 und 4:54,45 Minuten über 200 und 400 Freistil . Strassel gewann die 200 Schmetterling (2:52,81 min) und 100 Freistil (1:06,50 min). Zu drei Siegen schwamm Martin Mönch (Jg. 2003), der gleichaltrige Nils Ewerling sicherte zudem fünf Medaillen.

In den Staffeln sicherte das Wsf-Team über 4x50-Meter-Freistil-Mixed den Sieg, die Herren-Freistilstaffel gewann Silber .