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Handball: Zeit für Aufstiegsrunde zur 3. Liga wird knapp

Handball-Oberliga : Sportliche Lösung immer unwahrscheinlicher

Noch steht die Aufstiegsrunde zur 3. Handball-Liga für die Teilnehmer der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar auf dem Terminkalender. An Mannschaftstraining ist derzeit aber nicht zu denken. Auch der TV Homburg muss wieder pausieren. Die Frauen des SV 64 Zweibrücken waren seit Oktober nicht mehr in der Halle. In Baden-Württemberg wurde einer der Aufsteiger nun per Los ermittelt.

Das Zeitfenster für die Handball-Oberligisten, es wird kleiner und kleiner. Dass tatsächlich ein Los über den Aufstieg entscheidet – es erscheint kurios. Aber immer wahrscheinlicher. In Vor-Corona-Zeiten wäre solch ein Szenario wohl undenkbar gewesen. Auf dem Weg in die 3. Handball-Liga könnte das allerdings auch für die zur Aufstiegsrunde gemeldeten Vertreter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Realität werden. Im baden-württembergischen Verband wurde am Wochenende bereits einer der Aufsteiger bei den Männern per Los ermittelt.

Für Rüdiger Lydorf, Trainer des Frauenteams beim SV 64 Zweibrücken, ist die Teilnahme an einem solchen Losverfahren allerdings ausgeschlossen. Obwohl seine Mannschaft zur Aufstiegsrunde gemeldet hat, würde sie „in dem derzeit wahrscheinlichen Fall“, dass die Aufsteiger nicht sportlich ausgespielt werden können, „die Meldung zurückziehen“. „Das haben wir auch in der Mannschaft so besprochen“, erklärt der SV-Trainer und fügt an: „Sich als Aufsteiger losen zu lassen, wenn noch keine oder auch erst zwei Spiele gelaufen sind, das finde ich schon sehr fragwürdig.“

Bis Mitte, allerspätestens Ende Juni müssen die Verbände die Aufsteiger zur 3. Liga melden. Bis jetzt ist vorgesehen, dass die SV-Frauen am 11. Juni gegen die TSG Friesenheim sozusagen das Halbfinale bestreiten. Zwei Tage später soll der Sieger dieser Partie auf den Gewinner der Begegnungen zwischen der HSG Hunsrück und der FSG Arzheim/Moselweiß treffen. Bei den Männern hatten mit dem TV Homburg und den SF Budenheim lediglich zwei Teams Interesse an den Aufstiegsspielen gezeigt. Stand jetzt sollen diese am 11. Juni in Budenheim und am 13. Juni in Homburg ausgetragen werden.

Um eine sportliche Lösung herbeizuführen, hat es die Oberliga RPS allerdings zur Voraussetzung gemacht, „dass alle Mannschaften bis zum 17. Mai mit Vollkontakt in der Halle trainieren dürfen“, erklärt Lydorf. Bis dahin ist es keine Woche mehr. „Das könnte eventuell eng werden“, sagt der SV 64-Coach mit einem ironischen Lachen. Er glaubt nicht mehr daran, dass diese Spiele noch stattfinden werden. Später als Ende Juni sei das auch einfach nicht mehr machbar. Nicht nur aufgrund der Meldefrist des DHB, sondern auch aufgrund der Planungssicherheit. „Die 3. Liga ist ja schon beinahe semiprofessionell, das ist auch organisatorisch nochmal ein größerer Aufwand“, betont Lydorf.

Der mit seinem Team letztmals im Oktober zusammen in der Halle stand. Als die Corona-Inzidenz in Zweibrücken vor einigen Wochen noch unter der 50er Marke lag, „hatten wir zumindest draußen sozusagen den Ball in der Hand“. Doch die Zahlen sind schnell wieder gestiegen, sodass sich die SV-Frauen davon nach nur drei Einheiten wieder verabschieden mussten. „Ich hoffe – derzeit gehen die Zahlen ja wieder runter – dass wir vielleicht nächste Woche nochmal zusammenkommen können.“ In Zweibrücken lag die Sieben-Tage-Inzidenz gestern bei 76,0. Liegt diese an drei Tagen in Folge unter 50, so dürfen in Rheinland-Pfalz im Freien Gruppen wieder kontaktlos trainieren.

Untätig waren die Löwinnen allerdings auch in den vergangenen Monaten nicht. „Wir trainieren die ganze Zeit schon online, das ist aber einfach total anders. Das war für den Austausch in Coronazeiten mal ganz schön und für eine gewisse Zeit auch ganz witzig. Aber sich dann nochmal live zu sehen, war für alle Beteiligten schon sehr angenehm“, beschreibt Lydorf, dass die Einheiten vorm Bildschirm und das individuelle Laufen die Spielerinnen langsam zermürben. „Man weiß nicht so richtig, woraufhin man eigentlich trainiert, wann es wieder losgeht. Die Aufstiegsspiele gaben zumindest nochmal einen Motivationsschub, man hatte ein Ziel. “ Aber schon kurz nach der Meldung des Teams sei deutlich geworden, dass „das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden kann“. Nach einem Dreivierteljahr Online-Training sinke auch Lydorfs Motivation allmählich. „Den Mädels zu vermitteln: Wir müssen jetzt fit bleiben bis – wer weiß, nächstes Jahr an Ostern, dann geht’s vielleicht wieder los . . . das ist schwierig“, erklärt der Coach mit einem resignierten Lachen. „Es ist schon eine verrückte Zeit.“

Und die werde es, so vermutet Lydorf, auch noch eine Weile bleiben. Daher falle auch das Vorbereiten der neuen Runde nicht so leicht. „Da sich die Lage derzeit wöchentlich ändern kann, ist es eine große Herausforderung, zu planen, wie es weitergeht.“ Auch seine Mädels hatten natürlich wissen wollen, wann das Auftakttraining stattfindet, wann vielleicht nochmal eine Pause eingeschoben wird. „Eine Richtung ist derzeit aber nicht vorauszusagen. Wahrscheinlich werden wir ein bisschen früher anfangen als sonst. Also Mitte Juli.“ Und dann „hoffentlich“ durchtrainieren, bis die neue Runde angepfiffen wird. Angedacht ist der Saisonstart der Oberliga RPS – für die Lydorf derzeit plant – für das erste September-Wochenende. In die wird der Trainer nach einem erneuten Umbruch mit einer veränderten Truppe starten. Levke Worm zog es wieder in den Norden (wir berichteten), Spielmacherin Lucie Krein zum Pfalzligisten TSG Haßloch, Elisa Wagner verschlägt es studienbedingt nach Darmstadt. „Daher müssen wir sehen, wie wir den Kader aufstellen und wo wir sportlich stehen“, erklärt Rüdiger Lydorf, der sich darauf freut, wenn zumindest beim Training bald mal wieder die Bälle durch die Halle fliegen dürfen.

Bereits ins Hallentraining eingestiegen waren nach Ostern die Oberliga-Herren des TV Homburg. Dank des von der Landesregierung auf den Weg gebrachten Saarland-Modells, dank einer Ausnahmegenehmigung durch die Stadt. „Endlich wieder gemeinsames Training“, freute sich auch Coach Mirko Schwarz. Drei Mal in der Woche kam sein Team im Erbacher Sportzentrum zusammen. Es war aber nur ein kurzer Lichtblick. Denn Ende April griff die bundesweite Corona-Notbremse auch im Saarpfalz-Kreis. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun seit gut zwei Wochen über der 100er Marke. Daher heißt es: Trainingsstopp. „Wir haben alles auch bezüglich Hygienemaßnahmen getan, um ohne Gesundheitsrisiko wieder Handball spielen, erst einmal überhaupt trainieren zu können“, betont Abteilungsleiter Jörg Ecker. Vor jedem Training fanden etwa Corona-Schnelltests statt.

Die Homburger hoffen daher, bald wieder ins Teamtraining einsteigen zu können. „Die Inzidenz sinkt und wenn sie im Saarpfalz-Kreis wieder unter 100 liegt, dürften wir wohl in die Halle zurück“, sagt Ecker. Mirko Schwarz weiß nur zu gut: „Ohne Team-Training haben Aufstiegsspiele überhaupt keinen Sinn.“ Während seine Jungs immerhin bis zur Unterbrechung für ein paar Wochen wieder etwas Normalität im Trainingsalltag hatten, hätte Budenheim noch keine Möglichkeit gehabt, sich gemeinsam vorzubereiten. Es stehe auch noch nicht fest, wo die SF am 11. Juni das Hinspiel gegen den TVH absolvieren können. Ob die Klärung dieser Frage in der derzeitigen Lage noch nötig sein wird, ist offen.

Ecker jedoch findet nicht, dass aus den Bewerbern per Los der Aufsteiger ausgemacht werden sollte. Er habe sich auch bei den entsprechenden Stellen „schlau gemacht.“ Juristisch und auch von der Spielordnung her sehe er keine Möglichkeit, den Aufsteiger zwischen dem TVH und den Sportfreunden per Losverfahren zu ermitteln. „Wir sind bereit, wenn Budenheim nicht antreten kann oder will, weil weder eine Halle zur Austragung des Hinspiels zur Verfügung steht, noch ein Training möglich war“, glaubt Ecker, dass der TVH in diesem Fall auch ohne Spiel aufsteigen könnte.

 Die Oberliga-Handballer des TV Homburg konnten zwischenzeitlich sogar in der Halle trainieren, die Frauen des SV 64 Zweibrücken standen letztmals im Oktober zusammen auf dem Feld.
Die Oberliga-Handballer des TV Homburg konnten zwischenzeitlich sogar in der Halle trainieren, die Frauen des SV 64 Zweibrücken standen letztmals im Oktober zusammen auf dem Feld. Foto: Hagen/Markus Hagen

Die Hoffnung der Homburger ruht aber darauf, schnellstmöglich wieder in der Halle zurückzukehren und im besten Fall auch die Aufstiegsspiele bestreiten zu können. Doch derzeit sieht auch die Inzidenz im Saarpfalz-Kreis, die am Montag bei 128,0 lag, noch nicht nach einer raschen Wiederaufnahme des Teamtrainings aus. Und so könnte am Ende womöglich auch in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar das Losverfahren das Mittel der Wahl werden.