Handball-Spielgemeinschaft zwischen VTZ und SV 64 Die Rivalität auch aus den Köpfen bekommen

Zweibrücken · Besondere Zeiten, besondere Maßnahmen: Die Spielgemeinschaft zwischen den langjährigen Stadtkontrahenten VTZ-Saarpfalz und SV 64 Zweibrücken ist beschlossene Sache. Ab der neuen Saison gehen sie bei den Aktiven und im Nachwuchsbereich gemeinsam auf Punktejagd.

Das Derby zwischen den Handballern der VTZ-Saarpfalz (in Rot) und dem SV 64 Zweibrücken, hier Joshua Eberhardt am Ball, am 5. März war vorerst das letzte der beiden Stadtrivalen. In der kommenden Runde treten sie als Spielgemeinschaft an.

Das Derby zwischen den Handballern der VTZ-Saarpfalz (in Rot) und dem SV 64 Zweibrücken, hier Joshua Eberhardt am Ball, am 5. März war vorerst das letzte der beiden Stadtrivalen. In der kommenden Runde treten sie als Spielgemeinschaft an.

Foto: Martin Wittenmeier

Packende Stadtderbys gehören der Vergangenheit an. Die Handballer der VTZ-Saarpfalz und des SV 64 Zweibrücken bilden ab der kommenden Saison eine Spielgemeinschaft. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Gespräche zwischen den Verantwortlichen – wie 2009 zwischen dem Regionalligisten VTZ und dem Oberligisten SV 64. Doch immer wieder hat sich der Gedanke zerschlagen. Nun wird ein neues Zeitalter in der Handballhochburg Zweibrücken eingeläutet.

„Nach vielen Jahren der Rivalität, spannenden Handballderbys kommt es in der neuen Saison zu der von vielen Zweibrücker Handball-Fans immer wieder geforderten Zusammenarbeit der beiden Traditionsvereine“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Vereine. Nach den „von beiden Seiten sehr konstruktiv geführten Gesprächen“ hätten sich die Verantwortlichen darauf geeinigt, alle Mannschaften – Frauen, Männer sowie die Jugendteams – zu vereinen und unter dem Namen SG SV 64/VT Zweibrücken in den jeweiligen Spielklassen starten zu lassen. „Wir bündeln die jahrelangen Erfahrungen und vorhandenen Kräfte, um auch zukünftig hochklassigen Handballsport in der Westpfalzhalle bieten zu können.“

Im Jugendbereich gab es ohnehin bereits Kooperationen, etwa bei der weiblichen A- und B-Jugend. Nun sollen auch die Aktiven ihre Kräfte bündeln. Bei den Frauen stellt allerdings nur der SV 64 ein Team. Die größte Veränderung wird der Zusammenschluss demnach für den Männerbereich bedeuten. Hier soll vornehmlich die momentane erste Mannschaft des SV, derzeit Dritter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, unter Trainer Klaus-Peter Weinert, den einen Startplatz in dieser Spielklasse einnehmen. Am 31. März endet die Meldefrist für dieses Team. „Weshalb wir bei den Gesprächen auf die Tube drücken mussten“, erklärt der Handball-Abteilungsleiter des SV 64 Jürgen Kroner. Der Großteil der VTZ-Männer, derzeit Oberliga-Dreizehnter, soll mit den Zweitmannschaftsspielern des SV das Saarlandliga-Team bilden. Die Wunschlösung auf der Trainerposition wäre hier der derzeitige VTZ-Coach Marek Galla. Dieser habe allerdings um Bedenkzeit gebeten. Daneben soll es bei den Männern eine Dritte und Vierte geben. „Natürlich“ gebe es nach oben eine Durchlässigkeit. „Es ist ein absoluter Wunsch, dass sich aus der zweiten Mannschaft Spieler durch gute Leistungen für die Erste empfehlen“, sagt der 58-Jährige und fügt an: „Das wird sich ergeben.“ Ebenso, wie viele Mannschaften insgesamt in der neuen Runde für die SG an den Start gehen werden.

„Der SV 64 bringt 19 Teams mit ein, die VTZ sieben“, erklärt Kroner. Im gleichen Verhältnis spiegele sich das in den Finanzen wider. Die genaue Zahl der Nachwuchsteams sei offen. „Die Jugenden verändern sich ja jährlich, kommen in neue Klassen. Bei den ganz Kleinen könnten es teilweise zwei bis drei Mannschaften werden“, erklärt VTZ-Vorstandsmitglied Winfried Tänzer, Kroner ergänzt: „Wir werden auf jeden Fall alle Jugenden – männlich wie weiblich – besetzt haben.“ Klar sei auch schon, dass bei der männlichen Jugend A, B und C sowie bei der weiblichen C-Jugend je für die Oberliga-Quali gemeldet wird. In den einzelnen Teams könne die sportliche Kraft zusammengefügt werden. „In der ersten Herrenmannschaft werden im ersten Jahr wohl nur ganz wenige VTZler dazukommen. In den niedrigeren Klassen, vor allem in der Jugend werden beide Vereine sofort davon profitieren.“

Kräfte bündeln heißt es aber nicht nur hinsichtlich der sportlichen Leistungsfähigkeit, sondern auch, was Manpower und Finanzkraft angeht. „Da kommt alles dazu“, sagt Tänzer. Dadurch, dass sich das wirtschaftliche Umfeld in den vergangenen Jahren – insbesondere durch Corona und weitere Krisen – verändert hat, seien Sponsorengelder weggebrochen. In Zweibrücken sei man zudem, was die Finanzkraft der Unternehmen angeht, nicht auf Rosen gebettet – „und die Zeiten ändern sich dramatisch“. Dennoch fallen in den Vereinen Kosten an. Diese könnten durch die SG minimiert werden. „Zudem haben wir in der neuen Saison eine ähnliche Anzahl an Mannschaften, um die 20. Wir haben aber einen Drittel mehr Etat. Das ist der große Benefit“, betont Kroner. Darüber hinaus habe sich die Gesellschaft verändert. Die Bereitschaft, sich an einen Mannschaftssport zu binden, werde immer weniger, ebenso die, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Auch dort hoffen wir – bei all den Helfern, die man im Umfeld braucht – auf einen positiven Effekt.“

Ein Ball als Orakel? Zum Benefizspiel des langjährigen Merkur-Mitarbeiters Fritz Schäfer im Vorjahr waren die Logos beider Zweibrücker Handball-Clubs – und dem des Rimschweiler Fußballvereins – bereits vereint.

Ein Ball als Orakel? Zum Benefizspiel des langjährigen Merkur-Mitarbeiters Fritz Schäfer im Vorjahr waren die Logos beider Zweibrücker Handball-Clubs – und dem des Rimschweiler Fußballvereins – bereits vereint.

Foto: Dominique Gessner

Die Gefahr, dass Sponsoren, die sich bei beiden Clubs engagieren, den Zusammenschluss dazu nutzen könnten, nicht mehr beiden die bisherigen Beträge zu zahlen, „die kann man jetzt natürlich noch nicht hundertprozentig abschätzen. Die, mit denen ich gesprochen habe, für die war das kein Thema. Zumal wir als Vereine ja eigenständig bleiben“, erklärt Tänzer. „Die Gespräche fangen natürlich jetzt erst richtig an. Im Idealfall geben die, die sich bei beiden engagieren, weiterhin dasselbe“, sagt Kroner. „Wir haben aber auch die Hoffnung, dass der eine oder andere Sponsor dazu kommt, der sagt: Jetzt sind die endlich vernünftig geworden, jetzt mach ich auch was.“

Das Hauptaugenmerk lege die SG laut Mitteilung neben der ersten Mannschaft „auf ein gezieltes, leistungsorientiertes Training aller Kinder- und Jugendmannschaften mit einem neuen Konzept.“ Die Neuerung sei, dass sich der scheidende SV-Erstmannschaftstrainer Stefan Bullacher künftig „als hauptamtlicher Jugendkoordinator um den kompletten Nachwuchs kümmern wird“, erklärt Kroner. „Der Gedanke ist, von klein auf bis nach oben ein durchgängiges Spielkonzept einzuführen, sodass die Spieler problemlos in die nächste Altersklasse gehen, problemlos nach oben aushelfen können. Bis in die zweite und erste Mannschaft hinein.“ Bullacher werde das koordinieren, ihm würden von beiden Seiten „viele, kompetente Trainer“ zu Verfügung stehen. „Das Grundproblem ist, dass es keine fertigen Spieler mehr in der Region gibt und die, die man von außen einkauft, so teuer sind, dass wir sie uns nicht mehr leisten können. Zudem kauft man auch immer die Katze im Sack“, betont Kroner. „Daher ist die Idee, sie schon in jungen Jahren zu uns zu holen und gut auszubilden“, erklärt er. Tänzer fügt an: „Wenn wir es schaffen, für Jugendliche interessant zu sein, dann werden die auch kommen. Wobei der SV schon immer eine sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet hat.“ Zahlreiche Handballer aus der SV-Schmiede schafften in den zurückliegenden Jahren den Sprung in die deutschen Topligen. „Ziel muss es sein, dass weiterzuführen.“ Die Stadt Zweibrücken habe schon immer hochklassigen Handball gehabt, betont Tänzer. „Da war mal der SV vorne, mal wir. In den letzten Jahren war häufiger der SV 64 vorne. Aber für uns ist es insgesamt wichtig, den Sport zu den Kindern zu bringen.“ Und damit künftig zusammen Nachwuchs für die Aktiven zu generieren.

Dabei soll die Eigenständigkeit beider Clubs erhalten bleiben. Ob die SG spieltechnisch als eigener Verein laufen wird, sei noch unklar, wie Kroner erklärt: „Unsere bevorzugte Variante ist, dass wir keinen neuen Verein gründen müssen.“ Denn das würde zusätzliche Jahresabschlüsse und Sitzungen bedeuten. „Wir haben dazu noch einen Termin beim Steuerberater. Wenn es steuerlich geht, dann soll es über den beiden Vereinen ein Lenkungsgremium für die SG geben, die dann paritätisch aus beiden Vereinen besetzt wird.“

Bei den in den Infoveranstaltungen der Vereine anwesenden Mitgliedern seien die Pläne der Spielgemeinschaft „insgesamt sehr positiv aufgenommen worden“, wie Kroner erzählt. Und auch Tänzer sagt, „dass das eine sehr konstruktive Sitzung war“. Rund 50 VTZ-Mitglieder waren vor Ort. Beim SV 64 reichten die 70 Sitzplätze bei Weitem nicht aus. „Natürlich sind kritische Fragen gestellt worden. Dazu wie es weitergeht, was da alles zusammenkommt?“ Aber alles in einem gesitteten Rahmen. Die SV-Verantwortlichen seien „sehr überrascht“ gewesen. „Zunächst von der Resonanz. Aber auch inhaltlich sind wir fast ausschließlich auf Zustimmung gestoßen.“ Sicher seien die Gespräche der Vereinsverantwortlichen – Martin Grub, Pascal Wenzel, Tänzer und Christina Fischer von der VTZ sowie Jürgen Knoch, Steffen Gillner, Marco Dobrani und Kroner vom SV 64 – im Vorfeld nicht immer einfach gewesen. „Natürlich gibt es auch bei den Mitgliedern Animositäten und Vorfälle aus der Vergangenheit.“ An denen frühere Gespräche immer wieder gescheitert sind. „Aber was nützt uns das alles?“, fragt Tänzer und fügt an: „Wir müssen die Zukunft bestimmen und nicht an dem aus der Vergangenheit hängen.“ Solche Verhandlungen machten auch nur dann Sinn, wenn die handelnden Personen ein Vertrauen aufbauen können. „Und, wenn die Not nicht schon so groß ist, dass ein Verein gar keine Spieler oder keine funktionierende Mannschaft mehr hat. Dann kannst du nicht mehr anfangen, mit anderen Vereinen ins Gespräch zu gehen“, sagt Tänzer. In den zahlreichen Treffen im Vorfeld des Zusammenschlusses seien die Verantwortlichen beider Seiten sehr respektvoll miteinander umgegangen. „Es war nicht immer einfach, aber wir haben gemeinsam Lösungen gefunden.“

Jetzt sei die neue Situation geschaffen, die die VTZ und der SV 64 optimistisch angehen wollen. „Im Moment bedeutet die SG den formalen Zusammenschluss“, sagt Kroner. „Unser Wunsch ist es, dass es zudem in den Köpfen zusammenwächst.“ Sicher werde es auch in Zukunft mal rumpeln. „Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Der Wunsch ist, dass nicht mehr übereinander geschimpft, sondern dass es ein Miteinander wird.“