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Handball-Saarlandpokal wird immer unbeliebter

Handball-Saarlandpokal : Ist der Saarlandpokal eine „lästige Pflicht“?

Am Wochenende spielen sieben Handball-Mannschaften um den Einzug in das Finalturnier des Saarlandpokals. Doch nicht alle Teams sind erpicht darauf, am Ostermontag um den Titel zu kämpfen.

Wer Aktivensport betreibt, möchte Titel gewinnen! Was klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist für Handballer in der Region komplizierter. Denn auf den klangvollen Namen „Landespokalsieger“ könnte die eine oder andere Mannschaft im Handballverband Saar ohne großes Bauchweh verzichten.

Am Ostermontag findet in der Joachim-Deckarm-Halle in Saarbrücken das Finale des Handball-Saarlandpokals statt (“Final Four“). Vier Mannschaften werden dort gegeneinander antreten und den Nachfolger von Titelverteidiger HF Illtal ermitteln. Welche Teams das sind, entscheidet sich an diesem Wochenende bei den beiden Halbfinal-Turnieren.

Bei der Veranstaltung am Sonntag in der Merziger Thielsparkhalle ist Oberliga-Tabellenführer SV 64 Zweibrücken Favorit. Allerdings nur auf dem Papier. Denn mit seiner Oberliga-Truppe wird der SV überhaupt nicht antreten. Das bestätigt deren Trainer Stefan Bullacher. Stattdessen werden Spieler der zweiten Mannschaft aus der Saarlandliga auf dem Parkett stehen. Aber längst nicht alle. Auch die zweite Mannschaft wird ersatzgeschwächt antreten.

Dass sie zumindest anwesend sein wird, liegt laut Bullacher ausschließlich an der Teilnahmepflicht für Teams ab der Saarlandliga. Eine Zuwiderhandlung bedeute eine hohe dreistellige Geldbuße. Der SV 64 trat während der kompletten Pokalrunde bei Spielen der nominell ersten Mannschaft mit Saarlandliga-Akteuren an. Die „zweite“ SV-Mannschaften stand bei ihrer Niederlage in der ersten Runde gegen den TV Merchweiler II indes mit Trainer Bullacher selbst und ehemaligen 64ern wie Bürgermeister Christian Gauf auf der Platte.

Doch warum die Ablehnung? „Seit der Landespokalsieger nicht mehr automatisch am deutschen Handball-Pokal teilnimmt, hat die Veranstaltung ihren sportlichen Reiz verloren. Vielen ist sie eine lästige Pflicht geworden“, sagt Bullacher, der von einem „flächendeckenden Problem“ spricht.

Und in der Tat lieferte die Pokalrunde Ergebnisse, die auf den ersten Blick äußerst kurios wirken. Bezirksligist Merchweiler II kegelte nicht nur „Saarlandligist“ Zweibrücken II aus dem Turnier, sondern auch den Oberligisten VTZ Saarpfalz. Eine vermeintliche Sensation. Bis ein Blick auf den Spielberichtsbogen verrät: Bei der VTZ stand kein Oberligaspieler im Kader. Dass der SV 64 Zweibrücken mit Spielern seiner zweiten Mannschaft überhaupt das Halbfinale erreichen konnte, scheint ebenfalls wie eine faustdicke Überraschung. Schließlich standen die Löwen in der dritten Runde dem Oberligisten HSG Völklingen gegenüber. Doch auch die Hüttenstädter liefen mit einer Rumpftruppe auf. „Die Mannschaften treten an – würden aber lieber verlieren“, sagt Bullacher. Auch die Zuschauer hätten ein Gespür dafür, dass der Pokal von vielen Teams als lästige Pflicht wahrgenommen würde. Beim Final-Four am Ostermontag in Saarbrücken seien die Zuschauerzahlen deshalb stark zurückgegangen.

Ist beim Halbfinal-Turnier in Merzig damit der Weg frei für den Saarlandliga-Tabellenführer TV Homburg, der gegen den SV 64 II und die beiden anderen Ligarivalen SGH St. Ingbert und HSV Merzig-Hilbringen favorisiert gewesen wäre? Nein. Denn die Homburger treten gar nicht erst an. Der TVH hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. „Wir bekommen keine Mannschaft zusammen. Einige Spieler sind noch in Urlaub. Wir hätten nur drei, vier, fünf Leute“, sagt Jörg Ecker, Abteilungsleiter der Homburger. Das Team hätte mit Akteuren aus der 2. Mannschaft aufgefüllt werden müssen, die in der A-Liga spielt. „Das wäre sportlich nicht vertretbar gewesen“, sagt Ecker.

Das maue Interesse am Pokal sei dabei ein „reines Problem der Männer“, sagt Bullacher. Denn beim Wettbewerb der Frauen darf der Landespokalsieger weiterhin am DHB-Pokal teilnehmen. Beim Pokalsieg der SV-Frauen am Donnerstag bei der FSG Oberthal traten die Löwinnen daher auch in Bestbesetzung an. Doch nicht nur der mangelnde sportliche Anreiz bei den Männern – auch die hohe Belastung der Mannschaft führt Bullacher als Begründung für die Abwesenheit seiner Oberliga-Truppe auf. „Wir haben schon 30 Pflichtspiele in 26 Wochen. Wenn wir in das Pokal-Finalturnier einziehen sind es nochmal sieben mehr. Die Jungs müssen auch mal Pause machen.“

Der Handballverband Saar könne für die Problematik nichts, versichert der Trainer, der mittlerweile aus dem Verband Tendenzen wahrgenommen hat, die Teilnahmepflicht zukünftig zu lockern. „Damit wären wir schon zufrieden“, sagt Bullacher.

Beim ersten Halbfinal-Turnier in der Sporthalle Diefflen stehen sich bereits am Samstag Titelverteidiger HF Illtal, der HC Dillingen-Diefflen (beide Oberliga) sowie die Saarlandligisten TV Niederwürzbach und TV Merchweiler gegenüber.