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Gerätturner der VT Zweibrücken hoffen auf baldigen Trainingsstart

Gerätturnen bei der VT Zweibrücken : Bald vom Bildschirm zurück an die Geräte? Bald vom Bildschirm zurück an die Geräte?

Seit über vier Monaten kein Training, seit weit über einem Jahr keine Wettkämpfe – die Turnerinnen der VT Zweibrücken sehnen die Rückkehr in die Halle herbei. In knapp zwei Wochen dürfte es soweit sein. Meisterschaften wird es aber frühestens im Herbst wieder geben.

Mit Händen voll Magnesia am Barren schwingen, haargenau den Absprung vor dem Sprungtisch erwischen, spektakuläre Akrobatik am Boden meistern, die perfekte Balance auf dem Schwebebalken finden – auf all das müssen die Turnerinnen der VT Zweibrücken seit Monaten verzichten. Sie sind heiß darauf, endlich wieder an die Geräte zu können. Doch vorerst müssen sie weiterhin mit ihrem Online-Training Vorlieb nehmen.

Nach der seit Ende Oktober andauernden Corona-Zwangspause wären die Schützlinge von Trainerin Sonja Rayer bereit gewesen, schon in dieser Woche wieder ins Training einzusteigen. Die Pläne liegen bereit. Doch von den ersten Lockerungen im Amateurbereich, die seit Montag gelten, können die Hallensportler noch nicht profitieren.

Unerwartet kam das für Rayer nicht. Zwar war der Deutsche Turner-Bund (DTB) bis zum letzten Bund-Länder-Treffen vergangene Woche davon ausgegangen, dass die Vereine ab 8. März wieder loslegen dürfen, doch die Zuversicht der VTZ-Turnabteilungsleiterin war bereits vor der Entscheidung über Lockerungen recht klein. Und doch „habe ich natürlich schon anfangen müssen, dahingehend zu planen“, erklärt Sonja Rayer. „Die Bund-Länder-Beratung vergangene Woche abzuwarten und dann Montag tatsächlich zu starten, hätte nicht so einfach funktioniert.“ Im allerersten Schritt musste die VTZ-Trainerin bei ihren Turnerinnen nachfragen, wer überhaupt noch dabei ist. „Wer nach vier Monaten nochmal turnen kommen möchte.“ Wenn die Rückkehr in die Halle nun auch noch etwas auf sich warten lässt, lautet die gute Nachricht für Sonja Rayer: „Es bleiben wirklich alle meine Turnerinnen dabei.“

Und das, obwohl nach trainings- und wettkampfarmen Monaten auch so schnell nicht an ein Kräftemessen mit der Konkurrenz zu denken ist. Die Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Turnverbände hatte sich Ende Januar darauf geeinigt, dass in der ersten Jahreshälfte keine Meisterschaften in Gerätturnen, rhythmischer Sportgymnastik und Trampolinturnen stattfinden werden. Auch die Landesmeisterschaften wurden damit gecancelt. Erneut. „Gerade wurde auch noch der letzte Wettkampf, der noch im Raum stand, abgesagt“, erklärt Rayer und fügt an: „Turnen 21, sozusagen das verkleinerte Turnfest in Leipzig. Da sollten noch deutsche Meisterschaften stattfinden.“ Sollen auch jetzt noch welche. „Allerdings nur noch die der Aktiven, die ohnehin gerade trainieren dürfen, die Kadermitglieder“, sagt die Gerätturn-Fachwartin beim Westpfalz-Turngau. „Der Verband hat dann letztendlich eingesehen, dass die Turner, die nicht trainieren dürfen, nicht bis Mai fit sein werden.“ Bis zuletzt war angedacht, ab 21. März eine DM-Qualifikation durchzuführen. Selbst wenn die VTZ-Turnerinnen seit dieser Woche wieder in die Halle gedurft hätten, wären möglichen Teilnehmerinnen wie Laura Conrad lediglich zwei Wochen Vorbereitungszeit geblieben. „Sie hätte es probiert, denn die Chance ungenutzt vorbeiziehen lassen, das will auch niemand“, erklärt Rayer. Aber letztendlich sei die Entscheidung des Deutschen Turner-Bunds jetzt überfällig gewesen. „Ich kann keine Sportler in den Wettkampf schicken, die sich nicht vorbereiten können.“ Auch hinsichtlich der Gleichbehandlung nicht: „Die einen dürfen trainieren, die anderen nicht – das geht einfach nicht.“ Die angesetzten Meisterschaften für den Herbst stehen noch. „Geplant ist das alles. Auch so, dass nicht mehr als 50 Teilnehmer pro Durchgang in der Halle wären“, erklärt die VTZ-Trainerin. „Von Zuschauern reden wir noch gar nicht.“ Aber noch heißt es abwarten.

Und da zumindest in den kommenden zwölf Tagen auch im Hallensport noch nichts laufen wird, müssen die Zweibrücker Turnerinnen weiterhin auf ihren Zoom-Sport setzen. Drei Mal pro Woche wird dabei über Videoschalte gemeinsam trainiert. „Mit Emma Meister haben wir eine junge Trainerin, die ist 21 Jahre alt, die das Programm durchzieht“, erklärt Sonja Rayer, die froh ist, dass Meister von sich aus auf die Idee kam und somit den „älteren“ Übungsleiterinnen diese Aufgabe abgenommen hat. „Du kannst einfach nicht mehr mit aktiven Turnerinnen mithalten“, sagt sie lachend. Die Einheiten würden mal mit mehr, mal mit weniger Beteiligung ablaufen. „Aber irgendwie sind doch alle immer wieder dabei“, freut sich Rayer, dass Meister diese Form des gemeinsamen Trainings über den langen Zeitraum des Lockdowns aufrechterhalten hat. „Ich weiß nicht, wie es sonst nach den vier Monaten aussehen würden, wenn wir gar nichts gemacht hätten.“

Dabei hatte Sonja Rayer mit ihren Mädchen nach der ersten Corona-Zwangspause im vergangenen Jahr ganz gute Erfahrungen gemacht. Zum einen, was die Rückkehr aller Turnerinnen angeht, zum anderen, was deren körperlichen Zustand nach rund drei Monaten ohne Training an den Geräten betrifft. Einige Herausforderungen gab es dennoch zu bewältigen. „Wir waren zunächst mit fünf Kindern plus Übungsleiter eingestiegen, dann wurde es aufgestockt auf zehn Kinder.“ Allerdings hätten die Turnerinnen ihre Übungen ganz lange ohne Hilfestellung absolvieren müssen. „Das kontaktlose Training war gewöhnungsbedürftig, aber ich muss sagen, es war für manche auch hilfreich“, blickt die VTZ-Trainerin zurück auf die Momente, in denen ihre Schützlinge quasi zum mutig sein gezwungen wurden. „Man muss sich als Trainer natürlich Gedanken machen und sich fragen: Wie kann ich den Kindern das erleichtern, sich an bestimmte Elemente heranzuwagen? Wie kann ich das so absichern, dass sie sich wohl fühlen?“ Das sei natürlich anders als sonst, wenn der Trainer sagt: „Ich heb mal meine Hand da dran, dann kannst du das. Das war für uns eine Herausforderung, aber natürlich auch für die Turnerinnen.“ Manche sei daran gewachsen. Daran, dass sie sich sagen musste: „Der Trainer ist nicht da, die Hand ist nicht da, aber ich muss jetzt“, erklärt Rayer. „Das war schon interessant. Ich habe auch schon überlegt, das beizubehalten, weil manche über sich hinauswachsen, weil sie wissen: Wenn ich das jetzt nicht mache, dann lerne ich das nicht.“ Gerade im Turnbereich sei das extrem. „Ich glaube, wir sind eine der wenigen Sportarten, in denen der Trainer Hilfestellung in dieser Art leistet – vielleicht noch beim Voltigieren.“

Insgesamt seien bei ihren Schützlingen die Sicherheit in der Ausführung der Übungen an sich, die bereits erlernten Elemente schnell wieder da gewesen. „Es war nur so lustig, weil meine Erwachsenen kamen und sagten: Wir haben so viel Krafttraining gemacht, wir sind so fit. Wir werden kaum Muskelkater haben“, erzählt die VTZ-Trainerin. „Ich hielt dagegen uns sagte: Ich wette, ihr werdet Muskelkater haben – und zwar ganz übel.“ Rayer sollte recht behalten „Die Belastung auf den Körper, auf den Schultergürtel, die ist enorm. Das ist das Mehrfache vom eigenen Körpergewicht.“ Etwa bei akrobatischen Sprüngen am Boden, beim Hängen am Barren. „Das ist eine Belastung für die Muskulatur, die kannst du nicht trainieren.“ Dass dieser Schmerz nach nun vier Monaten Pause erneut auf die Turnerinnen zukommen wird, dürfte sie keinesfalls davon abhalten sofort wieder in der Halle zu stehen, sobald es erlaubt ist.

„Wenn wir die Möglichkeit bekommen, etwa über Schnelltests, mit Abstand halten, mit kleinen Gruppen, mit Maske beim Auf- und Abbau – selbst mit Maske zu turnen, würden meine Turnerinnen sicher in Kauf nehmen – sind wir sofort in der Halle “, fiebert Sonja Rayer dem Wiederbeginn entgegen. Der Stand jetzt am 22. März erfolgen könnte. Allerdings noch kontaktfrei, heißt ohne Hilfestellung. Und bei einer Inzidenz über 50 (aber unter 100) mit tagesaktuellem Corona-Schnelltest. In Zweibrücken lag die Inzidenz am Dienstag bei 26,3 in Rheinland-Pfalz insgesamt bei 46,3.

Zwar wurden nach den neuesten Lockerungen Unterschiede zwischen Freiluft- und Hallen- sowie zwischen Kontaktsport und kontaktfreiem gemacht. Doch Sonja Rayer denkt, dass auch beim Hallensport weiter differenziert werden könnte. Auch abhängig von Hygienekonzept und Hallengröße. „Wir haben ja sehr disziplinierte Kinder, sehr disziplinierte Eltern und natürlich kommt es auch darauf an, ob ich das verantworten kann. Wen ich als Übungsleiter sage, ich kann das bei meiner Gruppe verantworten, dann glaube ich schon, dass wir das auch hinbekommen würden.“ Dass derzeit keine allgemeine Turnstunde mit 20 Kindern in der Halle machbar sei, in der die Kleinen wahllos zusammenkommen, „ist doch klar. Aber ich denke, so, wie bei uns wäre das schon machbar“.

Zumal die Hygienekonzepte aus dem Vorjahr noch stehen. Ebenso wie die Trainingspläne, die Rayer bereits vorbereitet hat. Wenn die Inzidenz es hergibt, wenn von der Stadt das Okay kommt, wären die VTZ-Turnerinnen gleich startbereit. „Wir hoffen jetzt einfach, dass die Inzidenz stabil bleibt oder noch weiter nach unten geht“, hofft Rayer, dass sie ab 22. März dann tatsächlich wieder starten kann. „Wenn wir dann wenigstens mit Fünfer-Gruppen loslegen könnten, dann könnten die Mädels zumindest einmal in der Woche trainieren. Sie wären wirklich froh darum, sich wenigstens einmal wöchentlich in der Halle zu bewegen, sich zu sehen.“ Und das nicht nur beim Zoom-Training über den Bildschirm.