Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken Sprung ins eiskalte Wasser gut gemeistert

Zweibrücken · Ohne eine einzige Trainingseinheit mit dem Team stand Neuzugang Marvin Berbner am Sonntag beim Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken zwischen den Pfosten – und machte seine Sache beim Debüt gegen Heilbronn (5:2) gut. Am Samstag hatten die Hornets auch in Mannheim gewonnen. Auf das letzte Hauptrundenspiel gegen Hügelsheim bereitet sich der Spitzenreiter um „Chefkoch“ Ralf Wolf mit einem besonderen Rezept vor.

 Der erst 17-jährige Neuzugang Marvin Berbner (MItte) feierte gegen Heilbronn ein erfolgreiches Debüt im Tor der Hornets.

Der erst 17-jährige Neuzugang Marvin Berbner (MItte) feierte gegen Heilbronn ein erfolgreiches Debüt im Tor der Hornets.

Foto: Martin Wittenmeier

Ein ungewöhnliches Debüt haben die Hornets und ihre Anhänger am Sonntagabend beim 5:2 (2:2/1:0/2:0)-Erfolg gegen den Heilbronner EC erlebt. Im vorletzten Hauptrundenspiel der Eishockey-Regionalliga Südwest tauchte ein neuer Name auf dem Trikot des Mannes zwischen den Pfosten auf. Der erst kurz zuvor verpflichtete Marvin Berbner, der in Mannheim zudem in der Deutschen Nachwuchsliga (U20) aufläuft, bekam gleich seine Chance in einem Pflichtspiel des EHC Zweibrücken. Und der 17-Jährige „hat seine Sache gut gemacht. Sehr gut, wenn man bedenkt, dass er ins kalte Wasser geworfen wurde“, lobt Trainer Ralf Wolf.

Denn Berbner hatte noch keine einzige Trainingseinheit mit seinem neuen Team absolviert. „Er hatte am Sonntag seinen ersten Tag in der Kabine“, erzählt Wolf und ergänzt: „Es war natürlich ein Risiko, ich habe ihn vorher noch nicht gesehen. Aber ich bin überrascht worden.“

Was so kurz vor den Playoffs als ungewöhnliche Maßnahme erscheint, ergibt beim zweiten Hinschauen Sinn. „Unter der Woche hatten wir die Möglichkeit besprochen und die Gefahr bewertet, wie es ist, wenn bei uns mal ein Goalie ausfallen sollte“, erklärt Wolf: „Wir haben dann die Entscheidung getroffen, dass wir mit Marvin einen weiteren Torhüter von Mannheim förderlizenzieren.“ Wie zuvor schon Michael Seitz. „Und wenn nicht bei solch einem Spiel, wann sollen wir ihn sonst reinwerfen?“, fragt der 44-Jährige. In der Drucksituation eines Punktspiels zuhause, in dem es aber eigentlich um nichts mehr geht. „Im Nachhinein kann man sagen, es war eine gute Entscheidung.“

Mit Berbner im Tor sind die Hausherren vor 579 Zuschauern gegen die Eisbären gut reingekommen. Simon Klemmer erzielte nach sechs Minuten das 1:0. Nach gut zwölf Minuten musste dann auch der neue Goalie erstmals hinter sich greifen. Stefano Rupp hatte ausgeglichen. Doch erneut brachte Klemmer die Hornets in Überzahl in Front (19.). Die Gäste trafen in dem knappen Duell noch vor der ersten Drittelpause – ebenfalls in Überzahl – zum 2:2. Erik Betzold gelang dann in Unterzahl der einzige Treffer des zweiten Abschnitts zum 3:2 für die Hausherren (37.). „Es war zwar lange eng, aber wir hatten ein Chancenübergewicht“, war Wolf mit dem Auftritt zufrieden. Kurz nach Beginn des Schlussdrittels sorgte Liga-Top-Scorer Albert Washco mit dem 4:2 für die erste Zwei-Tore-Führung (41.). Claudio Schreyer sorgte in Unterzahl mit seinem Treffer zum 5:2 (54.) für die Entscheidung.

Gerade die beiden Short-Hand-Goals durch Betzold und Schreyer seien ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zweibrücker ihre Zielstrebigkeit auch als sicherer Tabellenerster der Hauptrunde nicht aufgegeben haben. Es sei zwar ein bisschen die Luft raus gewesen, dadurch, dass schon vor der Partie klar war, dass die Heilbronner den ESC Hügelsheim nicht mehr von Platz zwei verdrängen können. „Da sich in der Liga nicht mehr großartig was bewegt, ist es für die Jungs auch eine Herausforderung vom Kopf her. Aber man will sich absolut nichts nachsagen lassen und gerade gegen mögliche Playoff-Finalgegner möchte man auch seine Stärke unter Beweis stellen“, macht Wolf klar, dass er ein Nachlassen nicht akzeptiert.

Nicht ganz so gut wie am Sonntag gegen Heilbronn ist das den Zweibrückern keine 24 Stunden zuvor beim EKU Mannheim gelungen. Beim 8:5 (0:2/5:2/3:1)-Sieg gegen den Vorletzten hatte der Spitzenreiter den Start komplett verschlafen. Die Mad Dogs gingen zunächst durch einen Treffer von Vladislav Ermolin (4.) in Führung. Felix Fleischer erhöhte auf 2:0. „Gegen stärkere Gegner sind wir immer etwas konzentrierter“, hadert Wolf vor allem mit den Anfangsminuten: „Wir haben es in der Defensive ein wenig zu leicht genommen. Das wurde gleich bestraft.“ Nach einer Auszeit hätten sich die Zweibrücker dann zusammengerissen. „Ich habe nochmal darauf hingewiesen, dass wir uns in der Vorbereitung auf die Playoffs befinden.“ Und die vielen Mannheimer Jungs im Team wollten zudem „sicher nicht vor ihren Angehörigen in den Zuschauerrängen solch eine Leistung zeigen.“

Dennoch mussten die Zweibrücker ordentlich ackern, um wieder ranzukommen. „Wenn die Mannheimer in Führung liegen, dann spielen die das oft sehr defensiv – und dieses Abwehrbollwerk muss man erstmal knacken“, erklärt der Hornets-Trainer. Das hat sein Team im zweiten Durchgang – bei zwei weiteren Gegentreffern – dann gleich fünf Mal geschafft. Mit insgesamt sieben Treffern und sieben Strafzeiten legte die Partie in diesem Abschnitt an Intensität zu. Keine 90 Sekunden nach Wiederbeginn verkürzten die Gäste durch Betzold auf 1:2 (22.). Washco gelang fünf Minuten später der Ausgleich (27.). Durch zwei weitere Treffer von Valentin Kopp (34.) und Simon Klemmer (35.) zum 4:2 hatten die Hornets die Partie gedreht. Doch die Mad Dogs meldeten sich zurück: In Unterzahl gelang Fabian Späth der Anschluss (39.). Und dem 5:3 der Zweibrücker in Überzahl durch Marco Trenholm ließ Oliver Zbaranski ebenfalls im Powerplay keine 40 Sekunden später das 4:5 folgen. Mit dieser knappen Führung der Gäste ging es in den Schlussabschnitt. „Da waren wir wieder in der Spur.“

Matthew Gould baute den Vorsprung schnell auf 6:4 (46.) aus. Dem 5:6 durch Zbaranski (46.) ließ Betzold seinen zweiten Treffer folgen (52.). Washco sorgte mit dem 8:5 in Unterzahl für den Endstand. Wenn es auch bis zum Beginn des Schlussdrittels eng blieb, ging der Sieg „schlussendlich in Ordnung. Wir haben die individuelle Klasse, dass wir solche Spiele für uns entscheiden können“, sagt Wolf.

Und doch zeigen gerade solche Partien auch, woran die Zweibrücker bis zum Beginn der Playoffs noch arbeiten müssen: „Daran, konstant über 60 Minuten unsere Leistung aufs Eis zu bringen – gerade in der Defensive“, erklärt der Coach. „Da habe ich mich in den vergangenen Wochen ein bisschen geärgert. Die Art und Weise, wie unsere Gegentore gefallen sind, war zu einfach. Da haben gewisse Tugenden gefehlt, die ich eigentlich erwarte.“ Nur auf die starke Offensive – mit Washco, Klemmer und Schreyer führen drei Zweibrücker die Scorerliste der Liga an - darf sich die Mannschaft nicht verlassen.

Mit dem Hauptrundenabschluss beim Tabellenzweiten ESC Hügelsheim sowie den beiden Rheinland-Pfalz-Pokalspielen zuhause gegen Diez-Limburg am Sonntag (19 Uhr) und Neuwied (16. Februar) „haben wir nun noch drei starke Gegner, die als weitere Vorbereitung auf die heiße Playoff-Phase dienen“. Wichtig ist es Wolf, dass sein Team hier möglichst verletzungsfrei bleibt. Zumal sich Torwart Viktor Lust am Wochenende „unglücklicherweise die Lippe zerstört hat“, indem er einen Puck ins Gesicht bekommen hat. Er musste genäht werden. „Da müssen wir sehen, wie es weitergeht.“

Da für die Zweibrücker bereits am Freitag, 20 Uhr, das Duell bei den Baden Rhinos angepfiffen wird, stehen bereits am Dienstag und Mittwoch die beiden Trainingseinheiten dieser Woche auf dem Plan. Mit einem ungewöhnlichen Abschluss. Für Mittwochabend plant „Chefkoch“ Ralf Wolf eine spezielle Motivation für seine Spieler: „Da wird es Pulled-Pork-Burger mit Arizona-Salat im Brioche-Brötchen geben“, erklärt er. „Man muss die Jungs ja immer nochmal ein bisschen überraschen“, sagt der 44-Jährige lachend, der vor allem gespannt ist, wie das Urteil des grundhöflichen US-Amerikaners Albert Washco dazu ausfällt. „Ich weiß jetzt schon, dass er sagen wird, dass es sein bislang bester deutscher Pulled-Burger war“, prophezeit der Hornets-Coach.

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