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Fußball-WM: Stimmungsbild von Trainern und Spielern der Region

Umfrage zur Fußball-WM in Katar : Von großer WM-Begeisterung keine Spur

Die Diskussionen rund um die Fußball-WM in Katar reißen auch nach deren Beginn nicht ab. An diesem Mittwoch nun steigt die deutsche Nationalmannschaft gegen Japan in das Turnier ein. Fußballtrainer und -spieler aus der Region geben in einer Merkur-Umfrage ihr Stimmungsbild ab.

Die höchst umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft in Katar läuft seit einigen Tagen. Von der Begeisterung der vergangenen Jahre rund um das Turnier ist allerdings nur wenig zu spüren. Vielen Fußballfans ist aus unterschiedlichen Gründen die Lust an dieser WM vergangen: Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland, fragwürdige Vergabekriterien des Weltverbands Fifa, das Verbot der „One-Love“-Spielführer-Binde – und auch die Jahreszeit machen wenig Lust auf dieses Großevent. Doch wie stehen Fußballtrainer und Spieler aus der Region zu dieser WM? Und was erwarten sie sich von der deutschen Mannschaft, die gut acht Jahre nach dem Titelgewinn von Rio an diesem Mittwoch (14 Uhr) gegen Japan in das Turnier einsteigt. Der Merkur hat sich in einer kleinen Umfrage umgehört.

Zu der ungewöhnlich frühen Anstoßzeit werden viele berufstätige Fußballinteressierte die Auftaktpartie nicht live verfolgen können. Dazu gehören auch die Profis des Fußball-Regionalligisten FC Homburg. Trainer Timo Wenzel hat für 14.30 Uhr das Nachmittagstraining angesetzt. „Job ist Job. Für uns ist noch nicht Winterpause. Es stehen noch vier Spiele auf dem Terminkalender – und das nächste findet schon am Samstag gegen den FC Rot-Weiß Koblenz statt.“ Die Einheit wegen des ersten WM-Spieles von Deutschland nach hinten zu verschieben, sei für ihn keine Option gewesen. „Mein Fokus und der meiner Spieler liegt auf dem FC Homburg. Nicht auf dem Zuschauen der WM“, betont Wenzel. Er selbst habe 20 Minuten in das Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador hereingeschaut, um sich über Stimmung und Stadion zu informieren. „Wenn es zeitlich passt, schaue ich mir schon WM-Spiele an.“ Favoriten seien für ihn Frankreich und Deutschland, die er zumindest im Halbfinale erwartet. Zudem Argentinien, die am Dienstag allerdings ihr Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien sehr überraschend mit 1:2 verloren haben.

Von den politischen Diskussionen um diese WM will sich Thomas Gösweiner, Stürmer beim FC Homburg, nicht davon abbringen lassen, sich die Spiele im Fernsehen anzusehen. „Der Fußball ist für alle Fans und auch für mich als Profi dennoch interessant, auch wenn ich die Umstände außerhalb des Sports nicht richtig finde.“ Deutschland erwartet er zumindest im Viertel- oder Halbfinale. Favoriten auf den WM-Titel sind für ihn Argentinien, Frankreich und Belgien. FCH-Außenverteidiger Tim Steinmetz findet den Milliarden-Aufwand, den Katar für diese Ausrichtung investiert hat, sehr überzogen. Rund 220 Milliarden US-Dollar soll den Gastgeber die Weltmeisterschaft gekostet haben. „Dazu kommt die Missachtung von Menschenrechten und Unterdrückung.“ Die WM schaue er aber dennoch. Steinmetz tippt Deutschland als Weltmeister. Größte Konkurrenten für die DFB-Elf sieht er in Argentinien, Brasilien und Frankreich.

Für den Trainer des Landesligisten TSC Zweibrücken, Florian Opitz, ist diese WM auch vom Zeitpunkt sehr ungünstig. „Eine Weltmeisterschaft im Winter ist für mich nicht nachvollziehbar. Ein solches Ereignis gehört in den Sommer.“ Auch aufgrund der äußeren politischen Umstände und der Diskussionen um das Gastgeberland Katar sei das Turnier für ihn extrem uninteressant geworden. „Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft schaue ich noch an, mehr aber kaum“, erklärt der 35-Jährige, für den die Elf von Bundestrainer Hansi Flick neben Brasilien und Frankreich Favorit auf den WM-Titel ist.

„Ich hoffe natürlich auch, dass Deutschland möglichst weit kommt und gut abschneidet“, sagt Christian Frank, Trainer des Oberligisten FSV Jägersburg, der Frankreich und England als Topanwärter auf den Titel sieht. Aus den Diskussionen um den Austragungsort Katar wolle er sich raushalten. „Es ist schwierig, die Hintergründe zu beurteilen.“ Das Auftaktmatch der Deutschen, die neben Japan in der Gruppenphase noch auf Spanien (Sonntag, 20 Uhr) und Costa Rica (Donnerstag, 1. Dezember, 20 Uhr) treffen werden, wird Frank verpassen. „Das passt einfach beruflich nicht in meinen Zeitplan“, erklärt er. Das eine oder andere WM-Spiel werde er sich schon ansehen. „Aber erst kommen Beruf und Familie und selbstverständlich auch der FSV Jägersburg, der noch in der Oberliga im Einsatz ist.“ Zum nächsten Mal bereits am Freitagabend, 19 Uhr, im Derby bei der SV Elversberg II.

Andreas Hergert, Coach des A-Klasse-Spitzenreiters SVN Zweibrücken, ärgert sich über eine aktuelle Entscheidung der Fifa: „Für mich ist es absolut unverständlich, dass das Tragen der ‚One Love‘-Binde unterbunden wurde.“ Der Weltverband droht Spielern, die die Armbinde als ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Toleranz tragen, mit Sanktionen. Der DFB und andere europäische Fußballnationen beugen sich dem Diktat der Fifa. „Dazu kommen die ganzen Missstände – von der Vergabe der WM bis zu den Bauarbeiten der Stadien mit vielen Toten, gravierenden Verletzungen der Menschenrechte und -würde“, hadert Hergert. Der 36-Jährige, der mit seiner Mannschaft am Sonntag (12.15 Uhr) zum Jahresabschluss noch bei der SG Rieschweiler II um Punkte kämpft, schaue sich nur die Spiele der deutschen Elf an, mehr nicht.

Marcus Eiser, Trainer des Landesligisten SG Rieschweiler, findet: „Soweit hätte es mit der Diskussion um den Austragungsort Katar gar nicht kommen brauchen. Schuld ist die Fifa, die die WM an dieses Land vergab.“ Dabei sei es auch um Geld und Schmiergelder gegangen. „Aber das Thema wird extrem hochgespielt. Schon 2006 bei der WM-Vergabe an Deutschland gab es einige Dinge bei der Vergabe, die nicht korrekt abliefen.“ Das heutige Spiel Deutschland gegen Japan werde er sich anschauen, wie auch andere WM-Partien. Eiser: „Ich erwarte Deutschland zumindest im Viertelfinale.“ Neben dem deutschen Team rechnet er Frankreich, Brasilien und England zu den Anwärtern auf den WM-Titel.

Auch der Trainer der U23 des FC Homburg, Rizgar Daoud, wird die Weltmeisterschaft verfolgen. „Die Politik rund um die WM ist zwar wichtig, aber die Spiele finden ja statt. Es ändert sich leider nichts, wenn man sich diese Fußballpartien nicht anschaut“, betont der Coach des Saarlandligateams, der Argentinien und Portugal weit vorne erwartet. „Deutschland ist eine Turniermannschaft und hat eine junge Truppe dabei, die ich mindestens im Halbfinale erwarte.“ Patrick Vitt, Trainer des Saarlandligisten SV Bliesmengen/Bolchen, hält sich abseits des Sports aus den politischen Diskussionen rund um die WM in Katar raus. „Fußball ist Fußball“, betont er. „Für mich ist der amtierende Weltmeister Frankreich der Favorit.“ Während viele seiner Trainer-Kollegen auch die DFB-Elf weit vorne erwarten, sieht er „Deutschland eher nicht“ als WM-Titelkandidaten.