Fußball-2.Bundesliga „Arroganzanfälle“ kosten FCK fast den Sieg

Kaiserslautern/Bielefeld · Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern verspielt am Samstag bei Schlusslicht Arminia Bielefeld trotz Überzahl zunächst eine 2:0-Führung. Der zuletzt nicht berücksichtigte Daniel Hanslik rettet den Roten Teufeln mit einem späten Treffer den 3:-2-Erfolg.

 Bielefeld Bryan Lasme (r.) sah für diesen Einsatz gegen Lauterns Verteidiger Boris Tomiak die Gelb-Rote Karte.

Bielefeld Bryan Lasme (r.) sah für diesen Einsatz gegen Lauterns Verteidiger Boris Tomiak die Gelb-Rote Karte.

Foto: IMAGO/Ulrich Hufnagel

Fußball verrückt auf der Bielefelder Alm. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern geht am Samstagabend bei Schlusslicht Arminia Bielefeld zuerst mit 2:0 in Führung. Kassiert dann trotz Überzahl den Ausgleich – und entführt am Ende dennoch die drei Punkte. Der eingewechselte Daniel Hanslik schießt den FCK in der 88. Minute zum 3:2 (0:0)-Auswärtssieg. Damit starten die Roten Teufel erfolgreich in die Englische Woche, die schon am Dienstagabend ab 18.30 Uhr mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC fortgesetzt wird.

Über Siegtorschütze Hanslik hatte Lauterns Trainer Dirk Schuster bei der Pressekonferenz vor der Partie noch geredet. Dem Stürmer, der in den vergangenen Wochen kaum eingesetzt wurde, werde ein wenig seine Flexibilität zum Verhängnis, hatte der Übungsleiter erklärt. Hanslik könne im Offensivbereich zwar vom Stürmer über die hängende Spitze bis zu den Flügeln überall spielen, doch habe der FCK auf jeder Position eben auch einen „Spezialisten“, so Schuster. „Die letzten Wochen waren nicht so einfach für mich, aber ich habe im Training weiter Gas gegeben. Heute ist ein schöner Tag“, sagte Hanslik nach der Partie. Und sein Trainer lobte: „Er war auch schon ein Kandidat für die Startelf heute. Nach seiner Einwechslung hat er sauber gegen den Ball gearbeitet.“

Schuster hatte vor 24 651 Zuschauern in der Schüco-Arena – davon knapp 4000 aus Kaiserslautern – aber auch Dinge gesehen, die ihn auf die Palme brachten. „Wie wir uns nach dem 2:0 verhalten haben, ärgert mich maßlos. Da hatten wir gleich mehrere Arroganzanfälle. Wir hätten hier auch verlieren können“, sagte der Trainer am Mikrofon von Sport 1.

Aber der Reihe nach: Schlusslicht Bielefeld und der FCK lieferten sich im ersten Durchgang ein munteres Spiel auf Augenhöhe. Lauterns Kenny Redondo nahm in der vierten Minute linksaußen Tempo auf und steckte den Ball zu Philipp Klement durch. Der scheiterte aus spitzem Winkel an Arminia-Torwart Martin Fraisl. Auf der Gegenseite musste Kaiserslauterns Schlussmann Andreas Luthe bei einem Kopfball von Janni Serra eingreifen (8. Minute). Dann wieder der FCK. Stürmer Terrence Boyd ließ einen hohen Ball technisch anspruchsvoll zu Marlon Ritter abtropfen. Dessen Direktabnahme parierte Fraisl mit Mühe (11.). Die Hausherren antworteten mit kleineren Chancen durch Bryan Lasme (16.) und Serra (19.). Auf der Gegenseite köpfte Klement nach Redondo-Flanke am zweiten Pfosten neben das Tor (21.). Danach verflachte die Partie. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne, agierten aber im letzten Drittel zu ungenau. Einen großen Aufreger hatte Halbzeit eins aber noch in petto. Nach einem hohen Ball der Bielefelder wollte Lasme das Leder artistisch aus der Luft pflücken. Er übersah aber Lauterns Innenverteidiger Boris Tomiak und traf diesen mit gestrecktem Bein leicht im Gesicht. Lasme hatte zuvor schon Gelb gesehen – und wurde von Schiedsrichter Patrick Alt wegen gefährlichen Spiels mit der Ampelkarte vom Platz gestellt (45.).

Und nach der Pause nutzte Kaiserslautern die Überzahl – zunächst – konsequent aus. Tomiak setzte in der 47. Minute einen Kopfball ans Außennetz. Und wenig später schlug der FCK infolge einer sehenswerten Kombination zu. Boyd eroberte den Ball in der Bielefelder Hälfte. Über die Stationen Ritter und Redondo kam das Leder zu Philipp Klement. Der zog an zwei Gegenspielern vorbei und chippte den Ball aus 14 Metern halblinker Position mit ganz viel Gefühl in die rechte Ecke (54.). Drei Minuten später schienen die Roten Teufel endgültig auf die Siegerstraße einzubiegen. Kaiserslauterns Julian Niehues wurde 20 Meter vor dem Tor zwar vom Ball getrennt, doch der landete genau bei Offensivspieler Aaron Opoku an der Strafraumgrenze. Der Neuzugang vom Hamburger SV erzielte mit einem Drehschuss in die linke Ecke in seinem ersten Einsatz von Beginn an sein erstes Tor für den FCK.

Was dann geschah, war für Trainer Schuster nur schwer zu erklären. Bielefeld warf mit dem Mute der Verzweiflung trotz Unterzahl alles nach vorne. Und der FCK wankte. In der 59. Minute hatten die Gäste noch Glück, dass Armine Marc Rzatkowski aus zehn Metern nur die Latte traf. Doch dann war es passiert: Verteidiger Tomiak spielte einen katastrophalen Fehlpass. Bielefelds Masaya Okugawa ging über rechts durch, passte flach in die Mitte und Robin Hack traf zum Anschluss (60.). Zuschauer, die alleine diese Phase des Spiels gesehen hätten, hätten wohl geglaubt, dass der FCK in Unterzahl spielt – und nicht die Arminia. Die Roten Teufel wirkten völlig verunsichert. Die Hausherren hatten in der 69. Minute durch Serra die nächste dicke Chance – und glichen in der 72. Minute aus. Redondo wollte im eigenen Strafraum einen hohen Ball wegschlagen, traf dabei aber Bielefelds Lukas Klünter. Schiri Alt gab Elfmeter – und Hack traf zum 2:2 (72.).

Bielefeld hatte im Anschluss zwar keine größeren Gelegenheiten mehr – wirkte dem 3:2 aber trotzdem näher als fahrige Pfälzer. Bis zur 87. Minute. Der eingewechselte Philipp Hercher flankte aus dem rechten Halbfeld. Armine Andres Andrade will vor dem einschussbereiten Boyd retten, verlängert das Leder aber an den zweiten Pfosten, wo der ebenfalls eingewechselte Hanslik per Direktabnahme das goldene Tor zum 3:2-Endstand erzielt.

Eitel Sonnenschein herrschte beim FCK trotz des späten Glücks nicht. Trainer Schuster lief nach dem Schlusspfiff mit verkniffenem Gesicht über den Platz. „Spätestens nach dem Lattentreffer für Bielefeld hätte es bei uns klingeln müssen. Aber statt die Kugel laufen zu lassen und die Partie seriös nach Hause zu spielen, holen wir den Gegner zurück“, knurrte der 54-Jährige. „Es hat nur einen Grund, dass Bielefeld hier zurück ins Spiel findet. Und das ist unsere Leistung nach dem 2:0. Wir haben in jeder Hinsicht nachgelassen“, ärgerte sich auch Torwart Luthe. Er sagte aber auch: „Wir haben jetzt 23 Punkte und bis zur Pause noch zwei Mal die Chance, dass weitere dazukommen. Es gibt andere Mannschaften, für die wird das Weihnachtsfest sicher etwas unangenehmer.“

Am Dienstag zu Hause gegen den KSC und zum Vorrunden- und Jahresabschluss am darauf folgenden Freitag in Düsseldorf kann der FCK dafür sorgen, dass der Gabentisch bei den Pfälzern an Heiligabend noch ein wenig reicher gedeckt ist.