1. Pfälzischer Merkur
  2. Regionalsport

Freiwasser: Lukas Fritzke von den WSF Zweibrücken landet bei Junioren-EM im Mittelfeld

WSF Zweibrücken : Lukas Fritzke schwimmt sein eigenes Rennen

Der 15-Jährige von den WSF Zweibrücken landet bei der Junioren-EM der Freiwasserschwimmer auf Platz 13. Ganz zufrieden war er mit seiner Premiere auf internationalem Parkett nicht – hat dafür aber Erfahrungen und Eindrücke gesammelt, die bleiben werden.

Ja, ich bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden“, sagt Lukas Fritzke. Aber seine Stimme klingt nicht, als ob er es tatsächlich so meint. „Direkt nach dem Rennen war ich schon ein wenig enttäuscht“, räumt der 15-Jährige dann auch ein. Dabei hätte der junge Schwimmer der Wassersportfreunde (WSF) Zweibrücken allen Grund, stolz auf sich zu sein. Bei seinem ersten Auftritt auf internationaler Ebene schwamm er bei der Freiwasser-Europameisterschaft der Junioren in Paris am vergangenen Freitag über die fünf Kilometer auf einen guten 13. Platz unter den 26 Teilnehmern. Seine Zeit, mit der er bei der deutschen Meisterschaft im Juni Bronze gewonnen hatte (1:00:26 Stunde) unterbot er in der Metropole an der Seine um fast eine Minute (59:32 Minuten).

Und dennoch war da der Gedanke: Es hätte noch besser für ihn laufen können – wenn im Rennen nicht vieles gegen ihn gelaufen wäre. Fritzkes Plan: Vom Start weg in der Führungsgruppe mitschwimmen – jene Taktik, die ihm schon bei der DM in Münster die Medaille eingebracht hatte. Doch der Plan war riskant. Denn die Spitzengruppe um den überragenden Ungar Seres Hunor Kovacs, der das Rennen schließlich mit fast einer Minute Vorsprung auf Platz zwei gewann, legte ein mörderisches Tempo vor.

Gegen Ende der ersten von drei Runden im See des Parks Choisy-le-Roi im Südwesten von Paris verlor Fritzke den Anschluss an das Spitzenquintett. „Ich habe versucht, wieder ranzuschwimmen, aber die Kraft hat gefehlt. Ich hatte die Gruppe im Blick, aber war immer fünf bis zehn Meter hinten dran. Das war keine einfache Situation, auch nicht für den Kopf“, erzählt Lukas Fritzke. Und weiß: „Ich bin es zu schnell angegangen.“ Eine Einschätzung, die Constantin Depmeyer, der deutsche Bundestrainer Nachwuchs, teilte. „Er hat mir gesagt, dass ich mir sicher sein muss, dass ich dran bleiben kann, wenn ich vorne mitschwimme. Und wenn nicht, soll ich mich in der Verfolgergruppe halten“, sagt Fritzke ein wenig zerknirscht.

Denn im Freiwasser auf sich alleine gestellt zu sein, sich nicht bei der Führungsarbeit mit anderen abwechseln zu können, ist ein herber Nachteil. Genau das widerfuhr dem 15-Jährigen, der lange Zeit sein eigenes Rennen schwamm. Bis er in der zweiten Runde von der Verfolgergruppe eingeholt wurde. Und dann begann das Hauen und Stechen. „Lukas ist die Boje als Führender der Gruppe angeschwommen – und nach der Wende als einer der Letzten wieder raus gekommen“, erzählt Lukas’ Vater Matthias Fritzke, Vorsitzender der WSF Zweibrücken, der das Rennen mit Frau und Tochter vom Rande des Sees verfolgte. „Da wurde mir zuerst am Fuß gezogen, dann wurde ich runter gedrückt – der Rest der Gruppe hat mich dann einfach überrollt. Es war ein ganzes Stück härter als bei der deutschen Meisterschaft“, sagt Lukas.

Dass im Freiwasser mit harten Bandagen gekämpft wird, ist nicht ungewöhnlich. Zwar schwimmen Kampfrichter neben den Athleten. Doch selbst für gröbere Vergehen gibt es zunächst nur eine gelbe Karte. „Und um die zu kassieren, muss man schon einiges tun“, weiß Fritzke. Die Konsequenz: In der zweiten Runde schwamm er über eine Minute langsamer als in der ersten. Von der Härte wusste auch Fritzkes deutscher Nationalmannschaftskollege Adrian Romero ein Lied zu singen. „Er hat am Start richtig viel einstecken müssen.“

In der dritten Runde legte Lukas Fritzke dann wieder zu und schloss das Rennen mit einer soliden Platzierung im Mittelfeld ab. Dass er vom sechsten Rang bis auf Rang 13 zurückfiel, ärgert den 15-Jährigen zwar enorm. „Aber ich weiß jetzt besser, wo ich im internationalen Vergleich stehe und woran ich arbeiten muss.“ Vor allem körperlich müsse er zulegen, um sich in den rabiaten Duellen besser behaupten zu können.

Trotzdem nimmt Lukas Fritzke viele positive Eindrücke aus der französischen Hauptstadt mit nach Hause. „Alle Nationen waren richtig cool drauf. Vor allem die Italiener und die Spanier. Die haben sich richtig angebrüllt, um sich gegenseitig zu pushen. Die Stimmung war toll“. Ein Wermutstropfen war, dass es einen richtigen Kontakt mit den anderen Teilnehmern außerhalb des Wettkampfes nicht gab. „Man ist sich höchstens Mal im Hotel über den Weg gelaufen“, sagt Fritzke. Denn das Sicherheitskonzept des europäischen Schwimmverbandes LEN (Ligue Européenne de Natation) war rigide. „Wir konnten unser Hotel zwar verlassen, aber als wir ein Stück weiter gelaufen sind, haben wir gemerkt, dass das Gelände komplett umzäunt war. Und das Tor war geschlossen. Im Grunde waren wir eingesperrt“, erzählt Lukas. Das erfuhr auch Vater Matthias: „Einmal wollte ich Lukas etwas zu trinken vorbeibringen. Das habe ich dann unter dem Zaun durchschieben müssen.“

Noch am Anreisetag hatte sein Sohn wie noch wenige Tage zuvor in Zweibrücken einen PCR-Test ablegen müssen. In Shuttle-Bussen wurden die jungen Athleten zur Wettkampfstätte gefahren. In dem Hotel waren ausschließlich die europäischen Nachwuchsschwimmer untergebracht. „Da wurde vieles dafür getan, dass die Teilnehmer keinen Kontakt zu jemandem außerhalb ihrer Blase bekommen“, sagt Matthias Fritzke. „Natürlich waren die Vorgaben streng, aber ich denke, dass so gewährleistet wurde, dass niemand mit Corona an-, und niemand mit Corona wieder abgereist ist.“

Ihre nächste Reise hat Familie Fritzke derweil bereits angetreten. Seit Dienstag sind Lukas und seine Eltern im Wohnmobil auf dem Weg nach Kroatien in den Urlaub. Dort will der 15-Jährige – zumindest eine Weile – nicht an den Sport denken. „Mein Trainer hat mir geraten, ein bisschen den Kopf abzuschalten“, erzählt der WSF-Schwimmer. In der letzten Woche der Sommerferien will der Schüler des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums langsam wieder das Training aufnehmen. Doch erst wenn die Schule beginnt, werde es wieder richtig ernst. Davor will Lukas die Zeit auf dem Campingplatz in Istrien genießen. „Das ist für uns der Inbegriff von Entspannung“, sagt Vater Matthias. Auch wenn er mit einem Schmunzeln ergänzt: „Nur faul rumliegen, können wir nicht. Urlaub hat bei uns immer etwas mit Bewegung zu tun. Wir werden sicher auch schwimmen gehen. Und Lukas passt auf, dass ich nicht untergehe.“

Ob Lukas Fritzke seine Leistung bei der EM mit ein wenig Abstand positiver beurteilen wird? „Ja, ich denke, wenn ich im Urlaub auf Paris zurückblicke, werde ich auch ein bisschen stolz sein“, sagt er. Und klingt diesmal, als ob er aus auch so meint.