Fußball-Regionalliga Duell der Enttäuschten auf dem Bieberer Berg

Homburg · Die Kickers Offenbach empfangen am Freitag vor voraussichtlich rund 6000 Zuschauern den FC Homburg zum Flutlicht-Duell. Rein sportlich spielen die Traditionsvereine im Titelrennen der Fußball-Regionalliga einmal mehr keine Rolle.

Homburgs Phil Harres (am Ball) erzielte am vergangenen Wochenende beim 2:1-Sieg gegen Balingen nach langer Ladehemmung einen Doppelpack. An diesem Freitag gastieren Harres und Co. im Traditions-Duell bei den Kickers Offenbach.

Homburgs Phil Harres (am Ball) erzielte am vergangenen Wochenende beim 2:1-Sieg gegen Balingen nach langer Ladehemmung einen Doppelpack. An diesem Freitag gastieren Harres und Co. im Traditions-Duell bei den Kickers Offenbach.

Foto: Markus Hagen

Die Kulisse wird am Freitag auf dem Bieberer Berg stattlich sein. Über 6000 Zuschauer werden erwartet, wenn der Tabellenachte der Regionalliga Südwest, die Kickers Offenbach, um 19 Uhr den Sechsten FC Homburg empfangen.

Rein sportlich ist die Begegnung aber nur von überschaubarer Bedeutung. Der FCH bräuchte ein Fußball-Wunder um sechs Spieltage vor Saisonende noch einmal die Tabellenspitze ins Visier nehmen zu können. Der Rückstand beträgt zehn Punkte, elf wären es, wenn die TSG Hoffenheim II ihr Nachholspiel gewinnt. Für Offenbach ist die Situation noch aussichtsloser.

Es ist also auch ein Duell der Enttäuschten, das am Freitag auf dem Bieberer Berg stattfindet. Beide Vereine liebäugeln seit Jahren mit dem Aufstieg in die dritte Liga – scheitern aber seit ebenso vielen Jahren mehr oder weniger sang- und klanglos.

Bei den Kickers wird der Posten des Geschäftsführers Sport von Christian Hock bekleidet, der in Homburg noch bekannt sein dürfte. Hock kam im Winter 2010 und sollte den FCH als Trainer vor dem Abstieg aus der damaligen Regionalliga West bewahren. Nach wenigen Monaten – fünf Spieltage vor Saisonende – verließ Hock den Verein aber wieder Richtung Hessen Kassel. Und die Grün-Weißen stiegen ab. Dieses Szenario droht in der laufenden Runde nicht. Allerdings beträgt der Abstand der Grün-Weißen auf einen möglichen Abstiegsrang mit 13 Punkten fast ebenso viele Zähler wie zur Spitze. Auch das verdeutlicht: Der FC Homburg ist in dieser Saison erneut nur Mittelmaß.

Warum dies trotz eines im Vergleich zu den allermeisten Konkurrenten üppigen Etats und umfangreichen Bemühungen auf dem Transfermarkt (16 Neuzugänge) der Fall ist – darauf wissen Trainer Danny Schwarz und der Vorstand keine rechte Antwort. „Wir sind alle enttäuscht über die Entwicklung, auch weil wir innerhalb weniger Partien alles verspielt haben“, sagt Schwarz. In der Winterpause hatten sich die Homburger noch große Hoffnungen gemacht, im Titelrennen mitmischen zu können. Doch schon der Zittersieg zum Jahresauftakt gegen Schlusslicht Schott Mainz (2:1) war ein Warnschuss. Was folgte, waren vier Niederlagen in fünf Partien. Erst am vergangenen Spieltag fand der FCH mit einem 2:1-Heimerfolg gegen die TSG Balingen wieder in die Spur und polierte die schwache Heimbilanz (nur 21 Punkte aus 14 Partien) ein wenig auf.

Insgesamt bleibt der FC Homburg in dieser Spielzeit aber ein großes Rätsel. Selbstverständlich ist sportlicher Erfolg nicht bis ins kleinste Detail planbar. Der Fußball lebt davon, dass Außenseiter auch hohe Favoriten schlagen können. Doch die Diskrepanz der Leistungen der Saarpfälzer ist kaum mehr mit der berüchtigten Plattitüde „Tagesform“ zu erklären. Rauschenden Siegen im DFB-Pokal gegen Erstligist Darmstadt 98 (3:0) oder Zweitligist Greuther Fürth (2:1) sowie der 8:1-Erfolg in der Liga beim aktuellen Dritten VfB Stuttgart II stehen viel zu viele Auftritte gegenüber, in denen das Team nicht wiederzuerkennen ist.

Mit einem guten Saison-Endspurt werden die Homburger die trotz der Pokal-Erfolge insgesamt enttäuschende Runde nicht mehr retten können. Sie können aber zumindest ein wenig Wiedergutmachung betreiben. Ein Sieg im Traditions-Duell gegen Offenbach wäre ein erster Schritt. „Es treffen zwei Teams aufeinander, die ihren Ansprüchen hinterherlaufen“, sagt Schwarz, der sich dennoch auf das Spiel der beiden ehemaligen Erstligisten freut. Nicht zurückgreifen kann der Trainer auf den Mittelfeldspieler Philipp Hoffmann (Patellasehne). Auch der in der Winterpause verpflichtete Daniels Ontuzans ist erneut nicht dabei (Sprunggelenk).

Indessen haben Trainer Schwarz und Sportvorstand Michael Koch wieder die Beratungen über die Zusammenstellung des Kaders für die kommende Saison aufgenommen. Details über den Stand der Dinge wollten beide nicht preisgeben. Einen großen Umbruch schloss Schwarz aber mehr oder weniger aus: „Wir wollen eine schlagkräftige Truppe aufbauen. Da macht es keinen Sinn, jedes Jahr alles komplett umzustellen“, meinte er. 15 Verträge beim FCH laufen aus.

Zumindest die Atmosphäre und Kulisse werden am Freitag im Flutlichtspiel der beiden Enttäuschten voraussichtlich aufstiegsreif sein. „Fußball-Herz was willst du mehr?“, meinte Schwarz vor der Begegnung. Seine Frage war zwar rhetorisch. Den Anhängern der Grün-Weißen dürften dennoch ein paar Dinge durch den Kopf geschossen sein.

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