Endlich ist die Chance da

Ihr Können auf dem Pferderücken darf Barbara Köhler an diesem Wochenende bei der DM in Elmshorn unter Beweis stellen. Erstmals ist die 27-jährige im Einzel direkt gesetzt. Ihr Bruder startet für Laubenheim im Pas-de-Deux.

Darauf hat Barbara Köhler lange gewartet: Am kommenden Wochenende startet die 27-jährige Voltigiererin der PSG Voltigieren Zweibrücken bei der Deutschen Meisterschaft im Einzel der Frauen. Von heute bis Sonntag werden unter den besten Voltigierern Deutschlands über vier Wettkampftage die Titel im Gruppen-, Einzel- und Doppelwettbewerb vergeben. "Zum ersten Mal bin ich direkt gesetzt", freut sich Köhler, die schon etliche Male die höchst undankbare Position der Ersatzfrau hatte. Dort trifft sie auf 28 Konkurrentinnen aus der gesamten Republik. Bereits mit 14 durfte das Ausnahmetalent als jüngste Voltigiererin in Rheinland-Pfalz bei den Erwachsenen starten. Etliche Pfalz- und Vizemeistertitel sowie die Landesmeisterschärpe reihen sich an eine Flut von goldenen, silbernen und bunten Schleifen.

Bei den Landesmeisterschaften Anfang Juli in Zweibrücken machte ihr in der Endkür noch eine ausheilende Verletzung zu schaffen, zumal sich auch ihr Zweibrücker Wallach Willenstein nach einer Verletzungspause noch verspannte. "Er hat eine so ausgreifende Galoppade, da spüre ich jedes kleine Zucken", erklärt die Physiotherapeutin, warum sie bei ihren hoch artistischen Kürfiguren ein unbedingt locker und gleichmäßig im Rücken schwingendes Pferd braucht, um ihre volle Leistung zeigen zu können. Mutter und Trainerin, Ruth Köhler, bemüht sich an der Longe, ihrer Tochter selbst auf dem noch unerfahrenen Nachwuchspferd die beste Grundlage zu schaffen. Nach einer intensiven Trainingsphase geht der Wallach jetzt zum Lockern in den Wald und aufs Dressurviereck, die ehrgeizige Athletin stimmt sich mit ihrem Mental-Training auf die DM ein.

An Auftritte vor großer Kulisse, national wie international, ist die mit der Mannschaft aus Mainz-Laubenheim erfolgreiche Sportlerin eben so gewöhnt, wie Bruder Jürgen. Der 25-jährige, gelernte Erzieher in Wiesbaden, hat mit Partnerin Janine Beitz den Landestitel im Doppelvoltigieren für den RFV Mainz-Laubenheim souverän gewonnen. Die Kür der beiden ist gleichermaßen anspruchsvoll wie emotionalisierend, die leuchtend roten Husaren-Kostüme echte Hingucker. Longenführerin Hanne Strübel und Wallach Nabucco bieten eine sichere Bank, jedoch tritt mit 16 weiteren Paaren auch hier Deutschlands Crème-de-la-Crème im Pas-de-Deux an. Eine Vielzahl an Schlachtenbummlern ist dem Paar, ebenso wie Barbara sicher.

Was die Köhler-Geschwister, die lange als Doppel und auch gemeinsam in einer Mannschaft gestartet sind, auszeichnet, ist ihre Ausstrahlung und Eleganz, die schwierigsten Akrobatikfiguren ebensolche Leichtigkeit verleiht, wie tänzerischen Elementen. Beiden gelingt es, ihre Leidenschaft für diesen Sport und ihr Herzblut strahlen zu lassen. Obwohl er in Mainz lebt, gehört Jürgen Köhler als Co-Trainer nach wie vor den Zweibrückern an. cvw

Während Einzel- und Gruppenwettbewerbe in Pflicht und Kür gewertet werden, punktet das Doppel rein in der Kür. Zweimal an zwei Tagen wird die Kür geturnt und aus dem Mittel der Wertungen die Endnote berechnet. Die Einzelvoltigierer turnen mit Grundsitz, Fahne, Mühle, Schere, Stehen und Flanke sechs vorgeschriebene Pflichtübungen, die je vier Galoppsprünge ausgehalten werden müssen. Ebenso lange dauern die fünf vorgeschriebenen Kür-Übungen im Technikprogramm, die mit Kür-Elementen zu einer harmonischen Show ausgestaltet und in A und B-Note, Ausführung wie Gestaltung bewertet werden.