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EM in Prag: Zweibrücker Judoka Jasmin Grabowski im Bronze-Kampf geschlagen

Judo-EM in Prag : Grabowski rauscht knapp an Bronze vorbei

Als die erste Enttäuschung nach der Niederlage im kleinen Finale bei den Titelkämpfen in Prag verflogen war, konnten die Judoka des 1. JC Zweibrücken und ihr Heimtrainer Stephan Hahn doch zufrieden auf das Turnier blicken.

Geschlagen bleibt Jasmin Grabowski zunächst auf der Matte liegen. Die Enttäuschung ist ihr in den Sekunden nach der Niederlage im Kampf um Bronze bei der Europameisterschaft in Prag deutlich anzumerken. Ihr anvisiertes Ziel hat die Schwergewichts-Judoka des 1. JC Zweibrücken damit verpasst. Und doch habe auch sie am Sonntag auf der langen Auto-Heimreise aus Tschechien erkannt, „dass das insgesamt ein sehr ordentliches Ergebnis war, auf dem sich aufbauen lässt“, erklärt Grabowskis Heimtrainer aus Zweibrücken, Stephan Hahn. Zumal die Gegnerinnen der Weltranglisten-24. keine leichten gewesen seien. „Platz fünf ist natürlich dennoch der undankbare.“

Doch sein Schützling habe bei den ungewöhnlichen Geister-Meisterschaften gezeigt, dass sie rein körperlich diesen Belastungen Stand hält, dass sie gut trainiert ist. Auch im Kampf um Platz drei gegen Yelyzaveta Kalanina aus der Ukraine habe Grabowski das eigentlich bewiesen. Doch die 13. der Weltrangliste konterte einen Wurfansatz der Deutschen und sicherte sich damit die entscheidende Wazaari-Wertung, die nach regulärer Kampfzeit zum Sieg reichte. Kalanina, EM-Dritte von 2018, sei eine sehr unorthodoxe Kämpferin, „schon allein, weil sie so groß ist“, erklärt Hahn. „Es ist schon eine Herausforderung und nicht immer einfach, wenn man gegen einen anderen Kampftypen auf die Matte muss.“

Zuvor hatte Jasmin Grabowski am Samstag ihr Auftaktduell nach über zehnmonatiger Wettkampfpause gegen Paula Kulaga aus Polen dominiert. Gegen die Nummer 45 der Welt in der Klasse über 78 Kilogramm ging die JCZ-Athletin durch Uchi-mata in Führung und beendete die Begegnung vorzeitig nach 2:42 Minuten durch Sumi-otoshi. Im Viertelfinale musste sich die Vize-Europameisterin von 2015 dann allerdings nach einer knappen Minute gegen Larisa Ceric aus Bosnien-Herzegowina, EM-Zweite 2019 und Nummer acht der Welt, geschlagen geben. Doch davon ließ sich die Pfälzerin nicht aus der Bahn werfen. In der Trostrunde besiegte Grabowski die WM-Dritte Kayra Sayit aus der Türkei nach drei Bestrafungen. Nach 3:40 Minuten war der Kampf gegen die Weltranglisten-Siebte zugunsten von Grabowski entschieden, die sich damit den Einzug ins kleine Finale sicherte. Wenn die 29-Jährige es ihrer JCZ-Teamkameradin Martyna Trajdos dort auch nicht gleichtun konnte.

Trajdos hatte sich am Freitag in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm den dritten Platz erkämpft (wir berichteten). Die 31-Jährige bezwang im Duell um Bronze Angelika Szymanska aus Polen per Wazaari-Wertung. „Ich bin sehr glücklich über meine Bronzemedaille“, schrieb die WM-Dritte des Vorjahres via Instagram und fügte an: „Ich habe in den vergangenen zehn Monaten mein Bestes getan, um motiviert und nicht nur in Form zu bleiben, sondern mich weiter zu verbessern.“ Der Podestplatz bei der EM war eine erste Belohnung für diese Arbeit.

„Insgesamt, Jasmins Auftritt zusammen mit der Bronzemedaille von Martyna, ist das für das 1. JC Zweibrücken ein gutes Ergebnis, unsere Athletinnen haben in Prag beide um eine Medaille gekämpft. Beide haben gezeigt, dass sie international konkurrenzfähig sind“, resümiert Stephan Hahn. Und das sei in dieser durch die Corona-Pandemie so unsicheren Phase das entscheidende. Zumal die EM nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zu weiteren Wettkämpfen, zu den Olympischen Spielen in Tokio gewesen sei. Diese Europameisterschaft, wenn auch unter „gespenstischen“ Rahmenbedingungen, sei auch als Standortbestimmungen wichtig gewesen, um zu sehen, dass das Training unter den gegebenen Umständen seit März am eigenen Standort in die richtige Richtung läuft. Diesen Beweis hätten beide JCZ-Kämpferinnen, die ihrem Punktekonto im Olympia-Ranking weitere Zähler hinzugefügt haben, erbracht.

Wie es nach diesem ersten internationalen Kräftemessen seit Beginn der Corona-Krise für die Judoka allerdings weitergeht, ist offen. Die World Tour 2020 wurde auf Beschluss des Exekutivkomitees der Internationalen Judo Föderation (IJF) ausgesetzt. Ende Januar soll es nach jetzigem Stand weitergehen. „Ich denke, da müssen wir einfach die aktuelle Entwicklung abwarten“, betont Stephan Hahn.