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Eishockey-Regionalligist Zweibrücken sechs Wochen vor dem Saisonstart

Eishockey-Regionalliga : Quo vadis, Eishockey-Regionalliga?

Ende September beginnt in der Eishockey-Regionalliga Südwest die neue Saison. Statt zehn nehmen dann nur noch sieben Teams an der Runde teil. Es ist eine Entwicklung, die Thorsten Rehfeld, sportlicher Leiter des EHC Zweibrücken, besorgt. Die Hornets wollen die Spielzeit mit nur einem Kontingentspieler bestreiten – haben aber Hoffnung auf die Rückkehr eines alten Bekannten.

Manche Fragen sind im Hinblick auf die kommende Saison in der Eishockey-Regionalliga Südwest geklärt. Die Spielzeit beginnt am 30. September. Die Hauptrunde – die Phase vor den Playoffs – wird als „1,5-fache Runde“ ausgetragen. Jede Mannschaft trifft also vor den K.o.-Spielen drei Mal auf jedes andere Team. Die Hauptrunde soll am 5. Februar 2023 enden. Die besten vier Teams nehmen danach an den Playoffs teil, die als „Best-of-Five“-Serie ausgespielt werden. Um ins Finale einzuziehen und den Titel zu gewinnen, sind künftig also drei Siege nötig. Vorher genügten zwei. All das wurde auf einer Videokonferenz der Vereine am Montag vergangener Woche entschieden.

Auf die womöglich dringendste Frage gibt es aber noch keine Antwort: Wie soll es mit der Eishockey-Regionalliga mittelfristig weitergehen? Die vergangene Saison zehn Mannschaften starke Spielklasse schrumpft auf sieben Teams zusammen: Der EC Eppelheim, der in der abgelaufenen Runde nur ein Spiel gewann, zieht sich aus der Klasse zurück und will einen Neuaufbau beginnen. Der EV Ravensburg wechselt aus dem für die Regionalliga Südwest verantwortlichen Landesverband Baden-Württemberg zum bayerischen Verband. Und der vermeintliche Liga-Neuling, Landesliga-Meister Schwenninger Wild Wings 1b, wollte den Aufstieg nicht wahrnehmen. Der sportliche Absteiger der vergangenen Saison, der EC Freiburg 1b, hätte also grundsätzlich in der Liga bleiben dürfen. Doch die Breisgauer meldeten ihre Reserve ebenfalls ab.

Sieben Teams und eine anderthalbfache Runde – das heißt, dass jede Mannschaft vor den Playoffs nur neun Heimspiele bestreiten wird. Das war in der vergangenen Saison zwar auch der Fall. Doch aufgrund der Pandemie wurde damals nur eine einfache Hauptrunde mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Dieser Ausnahmefall droht nun zum Dauerzustand zu werden. Und das gefährdet die Vereine, die ihre Einnahmen in weiten Teilen durch Zuschauereinnahmen generieren. Wie den EHC Zweibrücken. „Nach dieser Saison müssen wir grundsätzlich über die Struktur der Regionalligen in Deutschland nachdenken“, fordert daher Thorsten Rehfeld, der sportliche Leiter der Hornets. Denn in den Parallel-Klassen sieht es in vielen Fällen nicht besser aus. In der Regionalliga West gehen ebenfalls nur sieben Teams aufs Eis. Dort überlegt man aktuell, Mannschaften aus Belgien aufzunehmen, um den Spielbetrieb zu sichern. Der EHC Zweibrücken plädierte in der Videokonferenz aufgrund der geschrumpften Spielklasse dafür, eine „Doppelrunde“ auszutragen, in der jedes Team vor den Playoffs vier Mal gegen jeden Liga-Konkurrenten antritt. Doch das Votum fiel mit 4:3 Stimmen für jene Vereine aus, die die anderthalbfache Runde bevorzugten.

Als „wirtschaftlich schwierig“ bezeichnet Rehfeld die Situation für den EHCZ. Zieht man den Zuschauerschnitt der Hornets in den vergangenen Spielzeiten heran, braucht es keinen Rechenkünstler, um festzustellen, dass vier bis fünf Saison-Heimspiele weniger im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit für den Verein ausbleibende Einnahmen in fünfstelliger Höhe bedeuten.

Die Problematik beschränkt sich aber nicht auf den wirtschaftlichen Bereich. Auch die sportliche Qualität sei durch weniger Vereine langfristig gefährdet, sagt Rehfeld. „Die Regionalliga ist zwar offiziell eine Amateurliga. Aber viele heutige Profis haben hier ihre Laufbahn begonnen. Welcher junge Spieler, der so oft es geht auf dem Eis stehen möchte, kommt denn in Zukunft noch, wenn er weiß: ‚Da hab ich ja nur 18 Saisonspiele.‘ Das ist doch für die nicht mehr interessant. Und damit lässt irgendwann auch das Interesse der Sponsoren nach“, argumentiert der sportliche Leiter des EHCZ. Zumal die Probleme tendenziell eher größer als kleiner würden. „Die Stuttgart Rebels haben die finanziellen Mittel, die Oberliga zu stemmen. Dort wollen sie hin – und sie sind für mich der Favorit auf den Titel. Wenn sie es schaffen und von unten wieder niemand aufsteigen will, sind wir nächste Saison nur noch zu sechst“, erklärt Rehfeld. Und fordert erneut: „Wenn in der Regionalliga weiter auf dem aktuellen Niveau Eishockey gespielt werden soll, muss sich etwas ändern.“

Die Hornets haben auf die Entwicklungen reagiert. Die Abgänge der beiden Kontingentspieler Dan Radke und Joshua Mikes sollen nur teilweise kompensiert werden. Der EHCZ plant, die kommende Saison mit nur einem Kontingentspieler in Angriff zu nehmen, dessen Verpflichtung kurz vor dem Abschluss steht, sagt Rehfeld. „Wenn wir nicht noch einen Glückstreffer landen, werden wir so starten: Transferkarte, Wohnung und Arbeitsstelle organisieren – das ist alles Geld und Aufwand“, weiß der sportliche Leiter.

Er macht den Anhängern der Hornets dennoch leise Hoffnungen auf einen spektakulären Neuzugang. Der aber erst im Winter zum EHCZ stoßen würde – und im Grunde gar nicht so neu wäre: Die Rede ist von Claudio Schreyer. „Fakt ist, dass Claudios Fortbildung in Lübeck im Dezember zu Ende ist. Wie es danach für ihn weitergeht, ist noch unklar. Wenn er aber wieder nach Mannheim versetzt wird, könnte er im neuen Jahr für uns spielen“, sagt Rehfeld. „Claudio hat uns zwar gesagt, dass wir erst mal ohne ihn planen sollen. Aber wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben.“ Der 35-jährige Schreyer war in den vergangenen Spielzeiten der Schlüsselspieler der Hornets. In 35 Partien für den EHCZ war er an 69 Treffern beteiligt (29 Tore/40 Vorlagen).

Doch ob mit oder ohne Schreyer – das Saisonziel der Zweibrücker ist das Erreichen der Playoffs. Ein Selbstläufer wird das nicht. „Stuttgart sehe ich ganz vorne. Dahinter kommen für mich mehrere Teams auf einem ähnlich hohen Niveau. Und es gibt keine Mannschaft mehr, die qualitativ deutlich abfällt. Die Gegner haben es alle in sich“, sagt Rehfeld, der auch Vorjahresmeister Heilbronner EC nach dessen Verpflichtung von Torwart Louis Busch von der EG Diez-Limburg (Oberliga) stärker aufgestellt sieht als in der vergangenen Saison.

Als wären die Herausforderungen für die Hornets nicht schon genug, hat Rehfeld aber auch das Thema Corona noch im Hinterkopf. „Klar macht man sich Gedanken, wenn man hört, dass ab Oktober wieder eine Maskenpflicht im Gespräch ist. Wenn wie bei den letzten Einschränkungen 750 Zuschauer in der Ice-Arena erlaubt wären, wäre das okay. Aber 250 wie Ende 2020? Das ist für uns einfach nicht darstellbar.“ Nicht in einer Spielklasse, deren Reise zuletzt ohnehin ins Ungewisse zu führen schien.