1. Pfälzischer Merkur
  2. Regionalsport

Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken empfängt Eppelheim

Gelingt dem EHC Zweibrücken der dritte Sieg? : Betzold brennt – für den Sport und die Medizin

Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken empfängt am Sonntag die Eisbären Eppelheim zum Heimspiel. Mit dabei: Neuzugang Erik Betzold. Der 21-Jährige löste Ende letzten Jahres seinen Profivertrag in Dresden auf, um im Saarland Medizin zu studieren. Nun stürmt er für die Hornets.

Nein, vor rund zehn Monaten hätte Erik Betzold nicht geglaubt, dass er in dieser Saison doch wieder auf dem Eis stehen und dem Puck hinterherjagen würde. Da nämlich gab der damals 20-Jährige seinen Traum vom Eishockey-Profi auf – um einen anderen zu verwirklichen. Den vom Studium der Humanmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Dafür löste der Thüringer seinen Profivertrag beim DEL 2-Club Dresdner Eislöwen Ende November vergangenen Jahres auf, packte seine sieben Sachen und zog aus dem äußersten Osten in den tiefsten Südwesten der Republik.

Dass er die Unwägbarkeiten einer zeitlich begrenzten Sportlerkarriere gegen die Sicherheit einer Zukunft als Arzt getauscht habe – so möchte Betzold den Schritt aber nicht verstanden wissen. „Es war keine reine Entscheidung der Vernunft. Ich brenne ganz einfach für die Medizin. Mich von dem Sport zu lösen, der so lange ein großer Teil meines Lebens war, ist mir trotzdem sehr schwer gefallen“, sagt der 21-Jährige.

Seinem Sport so ganz Lebewohl sagen musste Betzold aber gar nicht. Denn schon kurz nachdem die Nachricht, dass der Stürmer die Kufen an den Nagel hängen und ins Saarland ziehen wird, über die Sportportale im Internet flimmerte, nahm der EHC Zweibrücken Kontakt zu Betzold auf. Und für die Hornets geht der Stürmer in dieser Saison auf Torejagd. Nur eben eine Nummer kleiner. In der Regionalliga Südwest, in der der EHCZ am Sonntag um 18 Uhr die Eisbären Eppelheim zum Heimspiel empfängt.

Selbstverständlich sei Betzold froh, dass er in Zweibrücken weiter Eishockey spielen kann, versichert er. Schließlich stehe er auf dem Eis seit er gerade fünf Jahre alt geworden war. Als vierjähriger Knirps fand er an Weihnachten Inline-Skates unter dem Tannenbaum. Und war sofort begeistert davon, durch seine Heimat im thüringischen Nordhausen zu wetzen. Weil das Schneetreiben die Fahrt auf den Rollen aber nicht immer zuließ, bekam der kleine Erik an seinem fünften Geburtstag nur wenige Wochen später auch noch Schlittschuhe geschenkt. Mit seinem Papa Frank flitzte er regelmäßig im benachbarten Braunlage über das Eis.

Zwei Jahre später begann seine Ausbildung bei den Kassel Young Huskies. Mehrmals in der Woche nahmen seine Eltern die rund 120 Kilometer lange Fahrt zum Training nach Hessen in Kauf. Das änderte sich, als Betzold mit 14 Jahren ins Sportinternat der Kölner Haie eintrat. Beim Kölner EC, durchlief er bis 2019 alle Jugendteams (238 Scorerpunkte in 192 Spielen), feierte mit den Haien 2016 die U16-Meisterschaft und reifte zum Jugend-Nationalspieler. 2018 stand er für die DEB-Auswahl bei der U18-WM in Lettland auf dem Eis. In der Saison 2019/20 wechselte er als Förderlizenzspieler zum Zweitligisten Bad Nauheim. Nach einer weiteren Station beim EHC Freiburg unterschrieb er im Sommer 2020 einen Vertrag in Dresden bei Trainer Rico Rossi, den er noch aus Kasseler Zeiten kannte.

„Jede Station war anders, aber jede war schön“, sagt Betzold. Die Zeit in Köln ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Nicht nur wegen der U16-Meisterschaft mit den Haien. „Auch weil ich im Internat das erste Mal auf eigenen Füßen stehen musste. Außerdem habe ich dort viele Freunde gefunden.“

Nun stürmt er also für die Hornets. Von seinen neuen Mitspielern kannte Betzold zuvor persönlich nur den gleichaltrigen Neuzugang Tom Schickedanz. Während Betzold für Kassel auflief, trug Torwart Schickedanz das Trikot der Löwen Frankfurt. „Und Leon Kremer, der ja auch neu in Zweibrücken ist, kannte ich vom Namen. Er hat zwei Jahrgänge über mir gespielt“, berichtet der 21-Jährige. Doch auch vom Rest des Hornissen-Schwarms sei er gut aufgenommen worden. „Das sind alles coole Jungs. Auch das Zusammenspiel klappt schon ganz gut. Auch wenn die Vorbereitung kurz war und wir noch nicht so oft zusammen trainieren konnten.“

Dass Betzold nun für den EHCZ aufläuft, wurde in der Mitteilung des Verein als „Glücksgriff“ bezeichnet. Nicht alle Tage schließlich heuert ein junger Spieler, der schon mehrere Jahre in der zweiten Liga gespielt hat, bei einem Regionalligisten an. „Druck verspüre ich aber keinen. Ich freue mich, weiter spielen zu können und will hier Spaß haben“, sagt Betzold. Fügt aber gleich hinzu: „Das heißt nicht, dass ich hier herum hampele und ‚Halli Galli‘ mache. Ich liebe Eishockey. Wenn ich spiele, spiele ich mit Spaß – aber auch einer gewissen Ernsthaftigkeit.“

Das sollen am Sonntag auch die Eisbären Eppeheim spüren, die ihr bislang einziges Saisonspiel gegen den SC Bietigheim-Bissingen mit 4:1 gewonnen haben. Die Hornets standen schon zwei Mal auf dem Eis und siegten gegen Pforzheim (5:3) und Heilbronn (6:4). Weil Betzold während des Spiels gegen Pforzheim noch im Urlaub weilte, wird die Partie am Sonntag seine Heimpremiere für die Zweibrücker. „In den Testspielen hab ich in der Ice-Arena zwar schon gespielt. Aber gegen Eppelheim wird es natürlich etwas anderes“, sagt der 21-Jährige, der bei einem jener Tests auch schon gegen die Eisbären getroffen hat. Im Rahmen des Stadionfestes des EHCZ erzielte er beim 7:4-Sieg ein Tor. In der Liga steuerte Betzold beim Sieg in Heilbronn schon einen Assist bei. Er bereitete den Treffer zum 6:4-Endstand durch Dan Radke vor. „Das erste Tor habe ich mi für das Heimspiel aufgehoben“, erklärt der Stürmer mit einem Augenzwinkern. Er freue sich schon sehr auf das Spiel vor vollen Rängen in der Ice-Arena, sagt Erik Betzold. Auch wenn er vor zehn Monaten nicht daran geglaubt hätte, dass auch er dann auf dem Eis stehen würde.