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Eishockey-Regionalliga: Erstes Spiel für neuen EHC Zweibrücken Trainer Wolf

Eishockey-Regionalliga : Komplizierte Premiere für Ralf Wolf

Für den neuen Trainer des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken steht zum Auftakt gleich ein Doppelspieltag auf dem Programm. Heute Abend geht es zu den Stuttgarter Rebels. Am Sonntag empfangen die Hornets Bietigheim-Bissingen.

Ralf Wolf weiß, dass er ein Risiko eingeht. Dass er schließlich sein Ja-Wort gegeben habe, berge „Chancen – aber auch Gefahren.“ Die Frage, die Wolfs Einwilligung vorausgegangen war: Ob er Terry Trenholm als Trainer des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken ersetzen kann. Der Kanadier war von den Hornets am Sonntag entlassen worden. Im Anschluss an einen 10:3-Heimsieg gegen den Tabellendritten aus Heilbronn.

Das Risiko liegt auf der Hand. Zumindest auf dem Papier war die Arbeit Trenholms eine Erfolgsgeschichte. An dessen Bilanz wird Wolf gemessen. Bei ausbleibendem Erfolg könnte der Vergleich rasch ungnädig ausfallen. „Bei jeder Niederlage werden die Kritiker da sein“, bestätigt Wolf. Der 40-Jährige könnte es ihnen nicht einmal komplett verübeln. „Einen Trainer auf Platz zwei entlassen, das ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar.“

Nach der Vizemeisterschaft in der Vorsaison, in der die Hornets den Titel erst in der Penaltylotterie gegen Bietigheim verloren haben, lief die aktuelle Runde ebenfalls vielversprechend. Zweibrücken hat aktuell zwei Spiele weniger ausgetragen als seine Tabellennachbarn, kann aus eigener Kraft an die Spitze springen. Zwar taten sich die Hornets gerade in der heimischen Ice-Arena zuweilen schwer, verloren zudem das erste Spiel im neuen Jahr – doch die überzeugenden Auftritte überwogen: Tabellenführer Ravensburg wurde mit 5:1 aus dessen Halle gefegt. Bei den bis dahin zuhause ungeschlagenen Eisbären Eppelheim gelang ein 8:2-Kantersieg. Zuletzt das 10:3 gegen Heilbronn.

Eine schwammige Pressemitteilung der Hornets, in der die Entlassung mit der sportlichen Entwicklung begründet wurde, die „unter den Erwartungen lag“, trug nicht zur Klärung der Frage bei, welche Versäumnisse Trenholm nun konkret vorgeworfen werden. Auf dem Facebook-Kanal der Hornets finden sich in den Kommentaren neben zahlreichen Glückwünschen für den neuen Trainer Wolf daher auch viel Unverständnis über die Trennung vom alten Trainer Trenholm.

Doch Wolf gewichtete die Chancen letzten Endes höher als die Risiken. „Wir sind ein Spitzenteam, haben das beste Powerplay der Liga, sind in der Breite gut besetzt. Es gibt Schlimmeres, als mit solchen Spielern zu arbeiten.“ Leicht gemacht hat sich Wolf die Entscheidung trotzdem nicht. „So etwas schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Das hat Tragweite“, sagt der 40-Jährige. Er ergänzt: „Aber das ist mein Verein. Und ich wollte für ihn da sein.“

Die Kennenlern-Phase mit den Spielern verlief unkompliziert. Ein Wunder ist das nicht. Schließlich stand der bisherige Trainer der 1b mit vielen Akteuren aus dem Regionalliga-Kader beim Gewinn der Meisterschaft in der Saison 2016/17 noch selbst auf dem Eis. Nach dem Titel beendete er seine aktive Laufbahn und war im Nachwuchsbereich tätig. Auch wenn Wolf seit 2013 im Verein ist und in der Mannschaft, der er nun die Richtung vorgeben soll, „viele bekannte Gesichter“ wiederfindet, hat er sich in der Kabine vor dem ersten Training am Dienstag dem Team nochmal vorgestellt. Und seine Forderungen für die verbleibende Saison verdeutlicht. Das Thema Trenholm habe er nur kurz angeschnitten. „Aus Respekt. Und weil ich grundsätzlich lieber nach vorne als in die Vergangenheit schaue.“ Direkte Kritik an seinem Vorgänger vermeidet der 40-Jährige. Doch zumindest zwischen den Zeilen klingt durch, was er bei den Hornets auf dem Eis bislang vermisst hat. Geordneter müsse das Team agieren, variabler, weniger leicht auszurechnen. „Wir werden die Reihen öfter mal durchmischen“, sagt der Coach, der mehrfach betont „langfristig“ denken zu wollen. So sollen die Nachwuchskräfte stärker in die Trainingsarbeit der Ersten eingebunden werden.

Zudem vermittelt Wolf den Eindruck, dass er die Hornets für die Playoffs – auf die der EHCZ bei sieben Punkten Vorsprung auf Rang fünf beste Chancen hat – mental noch nicht vollständig gerüstet sieht. Die Endspiel-Serie sei mit der regulären Saison kaum zu vergleichen. „Da werden die Gegner ein ganz andere Gesicht zeigen. Da geht es um alles. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“ Die Kader der Konkurrenten könnten sich bis zum Ende der Wechselfrist am 31. Januar noch verändern. So haben die Stuttgarter Rebels jüngst den kanadischen Kontingentspieler Pat Martens von den Mad Dogs Mannheim verpflichtet. Und bei den Rebels müssen die Hornets heute Abend im Auswärtsspiel um 20 Uhr antreten. Bereits am Sonntag um 19 Uhr treten die Zweibrücker erneut an. Dann im Heimspiel gegen den amtierenden Meister SC Bietigheim-Bissingen. Wolf spricht vor seinen Premieren-Partien als Hornets-Coach von „harten Brocken“ und „komplizierten Spielen“. Nicht nur weil sich die Zweibrücker gegen beide Gegner in den bisherigen Aufeinandertreffen äußerst schwer taten, sondern auch, weil Stuttgart und Bietigheim einen Lauf haben. Beide gewannen ihre letzten drei Partien in Folge und können sich nach schwachem Saisonstart wieder Hoffnungen auf den Playoff-Einzug machen. Die Partie in Stuttgart findet zudem im Rahmen eines großen Festes, der „American Hockey Night“ statt. „Da ist die Hütte voll und die werden auf keinen Fall verlieren wollen“, sagt Wolf. Er ergänzt: „Aber das will ich auch nicht. Nicht im ersten Spiel.“

Optimismus zieht Wolf aus den Trainingseinheiten. „Da war Feuer drin. Jeder will sich empfehlen. Da habe ich einen Ruck gesehen, der durch die Mannschaft geht.“ „Riesig gefreut“ hat ihn zudem, dass Torwart Sebastian Trenholm und Stürmer Marco Trenholm sich entschieden haben, den Hornets trotz der Entlassung ihres Vaters die Treue zu halten. „Dass sie zum Team stehen, rechne ich ihnen hoch an. Das ist ein Signal. An die Mannschaft, an unsere Zuschauer, an die ganze Liga“. Am Freitag gegen Stuttgart wird er aber auf beide Spieler (berufliche Gründe) verzichten müssen. Marco Trenholm wird voraussichtlich auch am Sonntag noch nicht mitwirken können. Genauso wie Stürmer Maximilian Dörr. Auch der verletzte Verteidiger Vladimir Zvonik muss passen.

Der neue Hornets-Coach freut sich sehr, dass die Brüder Sebastian und Marco Trenholm (rechts) der Mannschaft erhalten bleiben. Am anstehenden Doppelspieltag muss der Stürmer jedoch berufsbedingt passen. Foto: MArtin Wittenmeier

Dass ein gelungener Einstand als EHCZ-Coach extrem wichtig wäre, um im Saisonendspurt keine Unruhe aufkommen zu lassen, weiß Ralf Wolf genau. Druck spürt er durchaus. Trotzdem sollten seine Hornets am Wochenende ungehemmt auftreten – und sich am besten ein Beispiel an ihrem Trainer nehmen: Indem sie in dem Neuanfang vor allem die Chancen – und weniger die Gefahren sehen.