Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken Erfolgreiche „Schachpartie“ für die Hornets

Zweibrücken · Der EHC Zweibrücken bleibt in der Eishockey-Regionalliga Südwest das Maß der Dinge. Der amtierende Meister ist auch im sechsten Saisonspiel ungeschlagen geblieben. Er bezwang den ESC Hügelsheim am Sonntag mit 7:5. In die Freude über den Sieg mischt sich jedoch eine traurige Nachricht aus den USA: Topstürmer Justin Grillo wird nicht wie geplant zu den Hornets zurückkehren.

Mit drei Treffern und zwei Vorlagen war Albert Washco (rechts) im Heimspiel gegen den ESC Hügelsheim einmal mehr Topscorer des EHC Zweibrücken.

Mit drei Treffern und zwei Vorlagen war Albert Washco (rechts) im Heimspiel gegen den ESC Hügelsheim einmal mehr Topscorer des EHC Zweibrücken.

Foto: Martin Wittenmeier

Die Bilanz ist makellos. Doch die Stimmung könnte durchaus noch besser sein beim EHC Zweibrücken. Obwohl dieser auch nach dem sechsten Saisonspiel weiter ungeschlagen die Tabelle der Eishockey-Regionalliga Südwest anführt. Ein Spaziergang war das 7:5 (1:0/4:3/2:2) in der heimischen Ice-Arena am Sonntagabend gegen den ESC Hügelsheim aber keinesfalls. Bis zum letzten Drittel blieb es eng. „Es war ein ständiges Hin und Her. Ich denke, schlussendlich hat unser diszipliniertes Auftreten den Unterschied gemacht“, erklärt EHC-Trainer Ralf Wolf.

„Wir haben fast alle Tore in Über- oder Unterzahl geschossen“, ergänzt er. So fiel auch das 1:0 der Hornets durch Stephen Brüstle vor den 559 Zuschauern nach gut neun Minuten im Powerplay. Vollzählig zeigten aber auch die Baden Rhinos ihre Stärken. Eine Besonderheit dieser 2,5-fachen Hauptrunde, in der die fünf Teams allesamt gleich fünf Mal auf jeden Kontrahenten treffen, sei dabei deutlich geworden, wie Wolf erklärt: Die Hügelsheimer, die den Zweibrückern im ersten Duell dieser Spielzeit mit 1:4 unterlagen, „haben die Taktik schon gut an unsere Spielweise angepasst – das ist ein bisschen wie beim Schach“, verweist der Hornets-Coach auf die strategische Herangehensweise an die zahlreichen Aufeinandertreffen und betont, dass sich seine Mannschaft da auch noch weiterentwickeln, noch variabler werden muss. „Der Gegner überrascht dann schon mal mit dem einen oder anderen Spielzug.“ Immer wieder sei es dem ESC so gelungen, die Zweibrücker auszuhebeln und gefährlich vor deren Tor aufzutauchen.

Wie beim Doppelschlag der Rhinos zu Beginn des zweiten Abschnitts. Paolo de Sousa traf schnell zum 1:1 (21.), Raphael Diebold brachte den ESC dann sogar mit 2:1 in Führung (22.). Doch die Hausherren konterten stark. Albert Washco erzielte in Unterzahl das 2:2 (26.). Nach dem 2:3 durch Mirco Majewski (27.) und dem erneuten Ausgleich durch US-Boy Washco (36.) sorgten Simon Klemmer (38.) und Maximilian Dörr (38.) jeweils in Überzahl vor dem letzten Durchgang für einen etwas beruhigenderen 5:3-Vorsprung der Hornets.

Zwar bäumten sich die Hügelsheimer noch einmal kurz auf, kamen durch de Sousa zum Anschlusstreffer (47.), „wir konnten aber schnell wieder den Zwei-Tore-Vorsprung herstellen“. Kontingentspieler Washco hatte zum 6:4 (48.) getroffen. „Das hat ein bisschen Sicherheit gegeben“, erklärt der EHC-Coach. Erik Betzold machte mit dem 7:4 schließlich den Deckel auf den EHC-Erfolg (57.). „Am Ende war es ein bisschen lustig, wie wir versucht haben, noch das leere Tor zu treffen. Aber es war letztlich ein verdienter Sieg“, zeigt sich Ralf Wolf nicht unzufrieden: „Wir waren effektiv genug, um da den Unterschied zu machen. Wir haben uns an den Game-Plan gehalten und waren weniger auf der Strafbank als die Hügelsheimer“, resümiert der 44-Jährige, der neben der Disziplin eine weitere Stärke seines Teams hervorhebt, durch die es gelingt, auch solche lange knappen Duelle letztlich für sich zu entscheiden: „Geduld zu haben. Meistens macht dann der Gegner den Fehler, ist in der einen oder anderen Situation zu hitzig.“, erklärt Wolf: „Vielleicht ist das auch die Erfahrung, die wir haben aus solchen Topspielen. Dass wir da konzentriert sind, geduldig an uns glauben – und dafür belohnt werden.“

Und das auch mit erneut stark dezimiertem Kader. Nur 13 Mann waren am Sonntag einsatzfähig. „Das ist mittlerweile eine Katastrophe“, betont der Hornets-Trainer. Neben dem an der Schulter verletzten Julian Reiss fehlten krankheitsbedingt etwa Dustin Bauscher (Bandscheiben-Probleme), Sascha Göth (Brustbeinprellung) sowie Fabian Fellhauer, Marcel Ehrhardt und Jonathan Lorei. „Da kommen wir momentan echt auf dem Zahnfleisch daher.“

Eine weitere Hiobsbotschaft gab es für die Zweibrücker noch obendrauf: „Justin Grillo kommt nicht mehr zu uns zurück“, erklärt Ralf Wolf. Der Vorzeige-Stürmer aus den USA, der in der vergangenen Saison zusammen mit Landsmann Michael Morrissey ein kongeniales Duo bildete, wollte eigentlich im November wieder zum Team stoßen. Doch diese Pläne haben sich zerschlagen. „Alles war vorbereitet, das Bett war sozusagen gemacht.“ Doch der 25-Jährige beendet seine Eishockey-Karriere nun zugunsten eines lukrativen Jobs in New York. Obwohl Wolf diesen Schritt nachvollziehen kann, sei er „traurig, dass er nicht wiederkommt. Ich hätte nur zu gerne Wash-Grillo als Topreihe spielen gesehen“. Nun aber werde der Coach Justin Grillo „so in Erinnerung behalten, wie er das letzte Spiel für uns gemacht hat“. Als er beim 4:2 im entscheidenden Meisterschaftsfinale die Stuttgart Rebels fast schwindelig gespielt hatte. „Als Champion eben.“

Wie diese nun unverhofft entstandene Lücke bei den Hornets geschlossen werden könnte, sei offen. „Wir müssen uns jetzt zusammensetzen und sehen, was noch machbar ist“, sagt Wolf und ergänzt: „Grillo hätte den Vorteil gehabt, dass er sofort spielberechtigt gewesen wäre, da er ohnehin bei uns gemeldet war.“ Ein jetzt verpflichteter Neuzugang wäre erst ab 1. Dezember einsatzfähig. Es gebe zudem auch noch Kandidaten wie Lukas Braun, Tim Essig oder Frederic Hellmann, die nach der vergangenen Saison eine Eishockey-Auszeit genommen haben. „Aber das müssen wir jetzt erst einmal intern besprechen“, sagt Wolf: „Leistungstechnisch hat unser Kader eigentlich schon ein hohes Level. Aber man sieht jetzt ja, wie es laufen kann. Und ich weiß nicht, wie lange das gut geht, mit 13, 14 Mann auf diesem Niveau zu spielen.“ Schon jetzt hätten die Verteidiger doppelt auflaufen müssen. „Das bringt viel durcheinander und geht auch an die Substanz.“

Wolf kann nur schwer einschätzen, inwieweit sich die personelle Lage vor dem kommenden Auswärtsspiel am Sonntag bei den Eisbären in Heilbronn entspannen wird. „Es kommt derzeit immer der eine zurück und ein anderer fällt weg“, sagt er mit einem Seufzer, hofft aber, dass vor dem Topduell gegen den ersten Verfolger „der eine oder andere Spieler zurückkehren wird“.

Denn gerade auf der großen Eisfläche in Heilbronn habe sich sein Team in der Vergangenheit schon häufig sehr schwer getan. Einen Start wie im ersten Aufeinandertreffen der Runde – als der EHC zuhause beim 7:5-Erfolg schnell mit 0:4 hinten gelegen hatte – dürften sich seine Jungs hier nicht erlauben. „Da müssen wir jetzt mal ein Mittel finden,in Heilbronn einen guten Start hinzulegen.“ Um dann möglichst den siebten Sieg im siebten Spiel feiern zu können.