Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken „Uns wird da nichts geschenkt“

Zweibrücken · Der EHC Zweibrücken startet an diesem Sonntag mit der Heimpartie gegen die Steelers aus Bietigheim-Bissingen in die neue Saison der Eishockey-Regionalliga Südwest ein. In der es der amtierende Meister nur noch mit vier anderen Teams zu tun bekommen wird. Trainer Ralf Wolf erwartet als Gejagter dennoch „attraktive Spiele“.

Auch Topscorer Claudio Schreyer wird für den EHC Zweibrücken in der am Sonntag startenden Runde wieder auf Torejagd gehen.

Auch Topscorer Claudio Schreyer wird für den EHC Zweibrücken in der am Sonntag startenden Runde wieder auf Torejagd gehen.

Foto: Martin Wittenmeier

Ein wenig anders wird die neue Saison schon verlaufen. Das tut dem gespannten Hinfiebern des EHC Zweibrücken auf den Auftakt an diesem Wochenende allerdings keinen Abbruch. Auch wenn nach der Euphorie um den zweiten Meistertitel in der Eishockey-Regionalliga Südwest im spannenden Finale gegen den Stuttgarter EC Ende März kurze Ernüchterung eingetreten ist. In dem Moment als klar war, dass zur neuen Runde nur noch fünf Teams in der Spielklasse antreten werden. „Aber wir nehmen es jetzt, wie es ist und freuen uns einfach, dass es endlich losgeht“, sagt Hornets-Coach Ralf Wolf vor dem Heimspiel am Sonntag, 19 Uhr, gegen den SC Bietigheim-Bissingen 1b.

Neben dem amtierenden Meister und den Steelers sind nur noch der Heilbronner EC, der ESC Hügelsheim und der EKU Mannheim dabei. Bereits im Vorjahr hatte sich die Zahl der Clubs von zehn auf sieben reduziert. Nun hat sich auch noch der 1. CfR Pforzheim in die Landesliga zurückgezogen, der Stuttgarter EC stieg als Regionalliga-Vizemeister aufgrund des Rückzuges mehrerer Mannschaften in die Oberliga Süd auf. Für die Hornets aus finanziellen und infrastrukturellen Gründen kein Thema. Außerdem lehnte Landesliga-Meister Schwenninger ERC sein Aufstiegsrecht ab. „Dass Pforzheim runtergegangen ist, hat mich schon gewundert, weil sie so viel in ihren Kader reingesteckt hatten. Auch davon, dass Stuttgart doch noch in die Oberliga hochgeht, war ich überrascht. Aber es ist für sie der richtige Schritt“, sagt Wolf und ergänzt: „Klar hatten wir uns mehr Mannschaften gewünscht. Ob es jetzt allerdings fünf, sechs oder sieben sind, macht auch nicht den Riesenunterschied.“ Zudem seien die Zweibrücker in der Südwest-Staffel, die dem baden-württembergischen Verband angesiedelt ist, „nur Gast. Dafür sind wir dankbar“, betont Wolf, der glaubt, dass „die Leistungsdichte bei den fünf übrig gebliebenen Mannschaften zunehmen wird. Und solche Spiele wie zuletzt gegen Pforzheim, die du 15:1 gewinnst, will ja eigentlich auch keiner sehen.“

Dass der Weg hin zum nächsten Titel bei der kleineren Anzahl an Konkurrenten leichter werden könnte, sieht Wolf als Trugschluss. „Wir müssen immer 100 Prozent abrufen– uns wird da nichts geschenkt“. Zumal die Clubs in der 2,5-fachen Hauptrunde trotz der kleinen Liga 20 Mal auf dem Eis stehen werden. Jedes Team wird vor der K.o.-Phase gleich fünf Mal gegen jedes andere antreten. Die besten drei Mannschaften erreichen die Playoffs. Doch selbst der Letzte erhält die Chance, noch in die K.o.-Runde einzuziehen. Das Schlusslicht trägt ein Relegationsspiel gegen den Vorletzten aus, um den vierten Teilnehmer zu ermitteln. Dass das für Spieler und Zuschauer zu unattraktiv werden könnte, glaubt Ralf Wolf nicht. „Es ist ja auch eine Herausforderung. Der Überraschungseffekt kann nach dem ersten Duell weg sein. Aber nur, weil man fünf Mal gegen den gleichen Gegner aufläuft, heißt das ja nicht, dass es fünf Mal gleich ausgehen wird“, sieht der Trainer, der am Dienstag seinen 44. Geburtstag feiert, in diesem Modus auch „viele Gefahren“. Der Gegner werde sich jedes Mal neu anpassen und auch man selbst müsse immer wieder kreative Lösungen finden.

Und Abwechslung in den Liga-Alltag wird darüber hinaus die Teilnahme der Hornets an der Pokalrunde Rheinland-Pfalz bringen. Dort werden die Zweibrücker je zwei Mal gegen Neuwied und Diez aus der Benelux-Liga sowie Bitburg (Hessenliga) antreten. „Das heißt, wir haben sicher sechs Spiele mehr. Die beiden Ersten werden den Sieger ausspielen.“ Der auch das Oberliga-Startrecht erhalten würde. „Im Worst Case, wenn wir davon ausgehen, dass wir eventuell ins Playoffs-Finale kommen, hätten wir 37 Spiele in knapp sieben Monaten“, zählt Wolf auf: „Wir werden da genug zu tun haben auf dem Eis.“

Und das hatte der 43-Jährige mit seinen Jungs auch in den vergangenen Wochen in der Vorbereitung. Nach den Abgängen beziehungsweise Pausen von Tim Essig, Frederic Hellmann, Michael Morrissey, Lukas Braun, Felix Stokwosiki oder Steven Teucke sei es viel darum gegangen, die Neuzugänge um die Stürmer Simon Klemmer, Kontingentspieler Albert Washco, Rückkehrer Cedric Striepeke sowie die Jungspunde Jonathan Lorei und Keeper Michael Seitz, der nach dem Karriereende von Teucke das Torhüter-Duo mit Victor Lust bilden wird, zu integrieren. „Wir haben versucht, Automatismen zu festigen und den Jungs, die in der vergangenen Saison weniger Eiszeit hatten, in den Testspielen mehr zu geben, um sie wieder heranzuführen.“ Wie Julian Weis, Karlis Plume oder Jaroslav Adolf. Der nach der Umstellung von Defensiv- auf Offensivspieler nun wieder in seine gelernte Rolle als Verteidiger zurückkehren wird. „Er bringt vieles mit, was uns weiterhelfen kann. Wir sind noch dabei, die Harmonie in den Reihen reinzubekommen, damit das flüssig läuft.“

Die Neuen um Striepeke, den US-Amerikaner Washco und Klemmer „werden uns auf jeden Fall verstärken“, ist sich der EHC-Trainer sicher. Wenn die beiden sehr trainingsfleißigen Klemmer und Washco auch noch ein bisschen Anpassungszeit bräuchten. „Wir befinden uns noch mitten in einer Lernkurve.“ Und auch, was den Kader betrifft, sind die Zweibrücker zum Start noch nicht vollzählig. Die zweite Kontingentspielerstelle solle ab November aber wieder besetzt sein.

In Sachen Saisonziel zeigt sich der Hornets-Coach zurückhaltend. „Wir haben viel aus der Vergangenheit gelernt. Dass wir nicht von vornherein die Favoritenrolle in Anspruch nehmen wollen“, erklärt er und schiebt hinterher: „Klar sind die Erwartungen hoch. Wir haben die hoch gesetzt. Auch an uns selbst.“ Ihm sei durchaus bewusst, dass seine Mannschaft an dem Erfolg der Vorsaison gemessen wird. „Doch ich habe auch gesehen, dass die einzelnen Clubs ihre Hausaufgaben gemacht, dass Spieler die Vereine gewechselt haben. Durch andere Trainer ändern sich zudem die Spielsysteme“, betont Wolf, der daher auch „keinen klaren Favoriten“ in dem kleinen Teilnehmerfeld ausmachen kann. „Hügelsheim hat sich gut verstärkt, Heilbronn hat Leon Rausch verpflichtet, der frühere Heilbronner Artem Klein spielt nun bei den Mad Dogs Mannheim“, erklärt der Hornets-Coach, dass die Teams mit denen der Vorsaison nichts mehr zu tun hätten. „Es ist eine neue Runde mit neu zusammengestellten, hungrigen Mannschaften.“ Zudem werden die Zweibrücker als amtierender Meister in der Rolle des Gejagten sein. „Da möchte jeder eine Topleistung abrufen. Von daher denke ich, dass bei uns attraktive Spiele zu sehen sein werden.“ Natürlich wolle seine Mannschaft beweisen, dass der Vorjahrestitel „keine Eintagsfliege“ war. „Aber als Favoriten würde ich uns nicht sehen. Ich weiß doch, was alles passieren kann über eine Saison.“

Der erste Gradmesser kommt nun zum Auftakt am Sonntag mit den Bietigheim Steelers in die Ice Arena. „Die haben mit Marco Windisch einen jungen, motivierten Trainer an der Bande, der die Jungs begeistert und der auch dafür gesorgt hat, dass der eine oder andere Spieler zurückgekehrt ist“, blickt der EHCZ-Trainer, der das Amt im Januar 2020 von Terry Trenholm übernommen hatte, auf den Gegner: „Die haben Potenzial. Wir müssen sehen, dass wir unser Spiel, unsere PS aufs Eis bringen“. Um einen möglichst guten Start in diese etwas andere Runde zu erwischen. „Die Stimmung im Team ist gut. Wir sind gut vorbereitet und harren der Dinge, die da nun kommen.“

Einen Neuerung gibt es bei den Hornets in Sachen Ticketverkauf: Ab sofort können die Eintrittskarten für die Heimspiele – zusätzlich zur Abendkasse – online über den Anbieter Eventim (www.eventim.de) erworben werden. Insgesamt bleiben die Eintrittspreise bestehen: 13,50 Euro Vollzahler, 11,50 ermäßigt, 7 für Schüler. Online kommt eine Vorverkaufsgebühr dazu.