Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken Mit dem Glück des Tabellenführers

Heilbronn/Zweibrücken · Der EHC Zweibrücken hat mit dem knappen 4:3 im Topspiel beim Heilbronner EC am Sonntagabend seinen siebten Sieg im siebten Saisonspiel gefeiert.

 Albert Washco (rechts), derzeitiger Topscorer der Eishockey-Regionalliga Südwest, erzielte auch am Sonntag in Heilbronn wieder zwei Treffer für den EHC Zweibrücken.

Albert Washco (rechts), derzeitiger Topscorer der Eishockey-Regionalliga Südwest, erzielte auch am Sonntag in Heilbronn wieder zwei Treffer für den EHC Zweibrücken.

Foto: Martin Wittenmeier

 Der EHC Zweibrücken dominiert derzeit die Eishockey-Regionalliga Südwest. Mit dem knappen 4:3 (0:0/2:1/2:2)-Erfolg beim Heilbronner EC haben die Hornets den siebten Sieg im siebten Saisonspiel gefeiert und bleiben damit souveräner Spitzenreiter. Allerdings musste der amtierende Meister bei den Eisbären einiges an Kräften und Nerven lassen.

Unabhängig von der momentan so komfortablen Tabellensituation – mit 21 Punkten liegen die Zweibrücker bei einem Spiel weniger acht Punkte vor dem ersten Verfolger Heilbronn – „muss man immer konzentriert bleiben, muss schnelle Entscheidungen treffen, egal gegen welchen Gegner“, betont Hornets-Trainer Ralf Wolf und ergänzt: „Wir müssen als Tabellenführer Woche für Woche der Favoritenrolle gerecht werden.“ Das Duell zwischen den Eisbären und den Hornets habe sich letztlich zu einem „echten Topspiel“ entwickelt. „Leistungstechnisch ist der Abstand zu den Heilbronnern auch nicht so groß, wie es sich vielleicht gerade darstellt“, betont der 44-Jährige.

Zudem haben sich die Zweibrücker auf der große Eisfläche in Heilbronn noch immer schwergetan. Auch durch den 0:4-Rückstand im ersten Drittel des Hinspiels, das die Hornets noch mit 7:5 gewannen, waren diese vorgewarnt. „Die Spiele gegen die Eisbären sind immer von einer schönen Leidenschaft geprägt. Das macht aber auch Spaß. Da geht es um den Sport mit all seinen Facetten“, sagt Wolf.

Um nicht wie im ersten Aufeinandertreffen ins offene Messer zu laufen, sei die Marschroute am Sonntag gewesen, im ersten Drittel „konzentriert und strukturiert zu agieren, es nicht mit aller Gewalt erzwingen wollen“. Wolfs Spieler sollten immer auch die Defensive im Hinterkopf haben. Das hat im ersten, torlosen Durchgang gut funktioniert. „Ein 0:0 hört sich schon mal besser an als ein 0:4“, sagt Wolf mit einem Lachen.

Im zweiten Abschnitt war es dann vorbei mit der Abtastphase. Schnell schlugen die Hornets durch Simon Klemmer erstmals zu. Nach Vorarbeit von Albert Washco und Claudio Schreyer traf er nur 42 Sekunden nach Wiederbeginn zum 1:0 der Gäste. „Da haben wir derzeit auch ein bisschen das Glück des Tabellenführers, dass wir in solchen Situationen direkt mit Anpfiff in Führung gehen.“ Nur vier Minuten später war Maximilian Dörr mit dem Treffer zum 2:0 (25.) zur Stelle. „Da hatten wir augenscheinlich erstmal einen komfortablen 2:0-Vorsprung. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt eigentlich sehr positiv bei mir“, erzählt Wolf von dem folgenden Auf und Ab der Gefühle. Denn nach einem eigenen Bulli-Gewinn machten seine Schützlinge einen Fehler im Aufbauspiel und legten dem Heilbronner Stefano Rupp „durch einen Fehlpass die Scheibe schön auf“. Dieser nahm das dankend an und verkürzte auf 1:2 (34.). „Kleiner Fehler, große Wirkung“, betont Wolf, wie schnell es dann in dem Sport auch gehen kann. Die Eisbären hätten nun Lunte gerochen und den Glauben entwickelt, dass etwas zu holen ist gegen den bislang ungeschlagenen Spitzenreiter.

Mit dem knappen 2:1 für die Zweibrücker startete das Abschlussdrittel. „Und da ging es auch wieder schnell“, erzählt Wolf: „Anpfiff, Tor von Washco.“ Der mit seinem 13. Saisontreffer wieder den Zwei-Tore-Abstand herstellte (41.). Doch dieser währte erneut nicht lange. Der EHC bekam die Scheibe nicht aus dem Drittel raus, Heilbronn kombinierte gut über Felix Kollmar, Thomas Callaghan und Leontin Kreps, der den Puck „aus dem hohen Slot in den Winkel gehauen hat“. Der Anschlusstreffer zum 2:3 (45.). „Da ist das Momentum nochmal gewechselt, da gingen Aufschreie durch die Heilbronner Bank“, erklärt Ralf Wolf, dass die Eisbären da für ihre harte Arbeit belohnt wurden.

Doch erneut trat Heilbronn-Schreck Albert Washco in Erscheinung, der schon im Hinspiel mit vier Treffern maßgeblich zum späteren 7:5-Erfolg beitrug. Der 24-jährige US-Amerikaner suchte in einer Eins-gegen-eins-Situation den Abschluss und erzielte aus zentraler Position „eiskalt das Tor“ zum 4:2 (55.). „Er ist momentan in einer Top-Verfassung und ein Garant für Erfolg“, lobt Wolf den Kontingentspieler.

Dann aber kassierten die Hornets „ein paar Strafzeiten zu viel“, wie der Coach moniert. Und so gaben sie den Eisbären die Möglichkeit, ihr „starkes“ Powerplay aufzuziehen. Das das Team von Coach John Kraiss zum erneuten Anschluss durch Leon Rausch (56.) nutzte. „Aber dann haben wir nochmal Gas gegeben.“ Beide Mannschaften erarbeiteten sich weitere Chancen. „Es ging munter hin und her.“ Letztlich blieb es aber beim knappen 4:3-Erfolg für den EHC Zweibrücken. „Wir gehen schlussendlich als verdienter Sieger vom Eis, weil wir über drei Drittel konstant unsere Chancen erarbeitet und genutzt haben.“ Wenn die Verwertung der Möglichkeiten auch noch effizienter hätte sein können. „In einer Situation laufen Betzold und Schreyer alleine aufs Tor zu – diese Dinger müssen wir machen. Das hätte nochmal ein Stück weit mehr Sicherheit gegeben“, erklärt der Hornets-Coach. Doch auch die Eisbären hätten Chancen liegen lassen. Auch weil der starke EHC-Goalie Viktor Lust die Gäste „mit seinen Paraden immer im Spiel halten konnte“.

Sehr gerne habe Ralf Wolf diese drei Punkte beim Heilbronner EC mitgenommen, den der Coach „mit als den stärksten Gegner“ sieht. „Die spielen strukturiertes Hockey, haben einen starken Kader mit einer guten Mischung aus Jung und Alt, sind hungrig.“

Und das seien gegen die Hornets mit jedem Sieg mehr auch alle anderen Kontrahenten. „Die Gegner sehen schon, dass sie etwas Einzigartiges schaffen können, wenn sie uns erstmals besiegen in der Saison“, erklärt Wolf, dass es für seine Mannschaft kein Nachlassen geben darf. Auch nicht im Auswärtsspiel bei Schlusslicht SC Bietigheim-Bissingen am kommenden Sonntag. Auf das dann einige Doppelspiel-Wochenenden mit Liga sowie den ersten Rheinland-Pfalz-Pokal-Duellen gegen Bitburg, Neuwied und Diez folgen. Eine neue Situation in der die Hornets sehen müssten, wie die Mannschaft mit der zusätzlichen Belastung zurechtkommen wird. „Zumal wir jetzt schon den einen oder anderen Verletzten und Kranken haben.“ Etwa mit Julian Reiss und Michael Seitz. Auch nach der Absage der geplanten Rückkehr von Justin Grillo „müssen wir gerade noch ausloten, was wir noch für Möglichkeiten haben bis zum 1. Dezember“, erklärt Ralf Wolf. Der eine oder andere mögliche Neuzugänge habe im Training bereits seine Visitenkarte abgegeben. „Da müssen wir intern noch erarbeiten, welche Maßnahmen wir noch treffen können oder müssen.“ Denn ganz von alleine komme der Erfolg schließlich nicht.