Hornets-Goalie Steven Teucke sagt Tschüss „Eishockey war immer die Konstante in meinem Leben“

Zweibrücken · Nach 21 ereignisreichen Aktivenjahren bei den Hornets beendet Steven Teucke seine Karriere. Am Freitagabend steht der 37-jährige Goalie bei seinem Abschiedsspiel nochmal mit vielen alten Weggefährten auf dem Eis.

  Für Steven Teucke (Mitte) eine der schönsten Spielzeiten überhaupt: Mit 26 Gegentreffern aus neun Spielen stellten die Hornets 2005/06 die zu diesem Zeitpunkt beste Verteidigung der Regionalliga Baden-Württemberg, in der sie überraschend Vizemeister wurden. Zudem dabei waren Thomas Rau (liegend), Michael Sawicki, Reiner Lahm, Martin Deßloch, Bernd Hartfelder, im Hintergrund (von links): Marc Welsing, Manuel Sommerhalter und Stephen Brüstle  .

Für Steven Teucke (Mitte) eine der schönsten Spielzeiten überhaupt: Mit 26 Gegentreffern aus neun Spielen stellten die Hornets 2005/06 die zu diesem Zeitpunkt beste Verteidigung der Regionalliga Baden-Württemberg, in der sie überraschend Vizemeister wurden. Zudem dabei waren Thomas Rau (liegend), Michael Sawicki, Reiner Lahm, Martin Deßloch, Bernd Hartfelder, im Hintergrund (von links): Marc Welsing, Manuel Sommerhalter und Stephen Brüstle .

Foto: COS/Norbert Schwarz

Im Gespräch mit Steven Teucke huscht einem einfach ein Lachen ins Gesicht. Seine Offenheit und lockere Art lassen kaum einen anderen Reflex zu, wenn er voller Enthusiasmus von seinem Sport, den vielen Begegnungen und Erinnerungen erzählt. Sein ganzes Leben lang hat der 37-Jährige seinem EHC Zweibrücken die Treue gehalten. Im Alter von drei Jahren hat er bei den Hornets mit dem Eishockeyspielen begonnen. Bereits mit 15 gehörte er fest zum Kader der ersten Mannschaft. Nach 21 Aktivenjahren – mit beeindruckenden 339 Spielen – beendet die Nummer 22 nun ihre Karriere. Und viele Wegbegleiter erweisen Teucke in seinem Abschiedsspiel an diesem Freitag (20 Uhr) in der Ice-Arena die Ehre.

„Der Gedanke, langsam Mal aufzuhören, ist schon ein bisschen länger da. Es gab aber immer Gründe, warum es doch weiterging“, erklärt der Zweibrücker, der 1990 dem EHC beitrat. „Wenn man so lange in einem Verein ist, dann ist das wie ein Stück Heimat, in das man immer wieder gerne kommt. Mein Leben lang war ich oben in der Halle.“ Seit er als dreijähriger Pimpf die ersten Schritte auf dem Eis machte. „Und in den vergangenen Jahren war ich im Winter jeden Tag oben, da ich ja noch Torhüter-Training mache, seit ich 18 bin.“ Den Schlussstrich schon früher zu ziehen, wäre ihm schwer gefallen. Nach den abgebrochenen Corona-Spielzeiten wäre es nicht so ein schöner Abschluss geworden, wie jetzt mit der zweiten Regionalliga-Meisterschaft im Gepäck. „Und wenn ich ehrlich bin, habe ich bislang immer auch noch weitergespielt, weil der Ersatz gefehlt hat.“ Mit Viktor Lust wisse er nun, dass das passt. „So kann ich die Eishockey-Rentenzeit auch wirklich genießen.“

 Steven Teucke voll in seinem Element: In seinen 21 Aktivenjahren mit insgesamt 339 Partien für die Hornets hat der Goalie immer alles reingeworfen.

Steven Teucke voll in seinem Element: In seinen 21 Aktivenjahren mit insgesamt 339 Partien für die Hornets hat der Goalie immer alles reingeworfen.

Foto: Martin Wittenmeier

Wobei Teucke den Hornets nicht komplett verloren geht. „Ich mache weiterhin Torhütertraining beim Nachwuchs. Da liegt mir was dran.“ Zudem habe sich herauskristallisiert, ergänzt der Keeper lachend, „dass ich sicher auch ein, zwei Mal zum Training bei der Ersten bin, um mal auszuhelfen“. Nun aber nach Lust und Laune. „In den vergangenen Jahren, auch durch die Familie, war es abends schon eine Quälerei, dienstags und donnerstags noch um 21 Uhr aufs Eis zu gehen.“ Selbst in der erfolgreichen vergangenen Saison habe er seiner Freundin, „immer den Kopf vollgeheult dass ich gar keinen Bock habe, fürs Training nochmal aufzustehen“. Damit sie „meine Weinerei“ nicht zu sehr vermissen wird, werde Teucke sicher das eine oder andere Mal bei seinen ehemaligen Teamkollegen vorbeischauen.

„Das wird nun mein Findungsjahr, um zu sehen, wie es im kommenden weitergeht.“ Er könne sich auch vorstellen, die schwere Torhüter-Ausrüstung gegen die leichte Schiri-Pfeife zu tauschen. „Aber dann wäre ich im Prinzip wieder jedes zweite Wochenende on Tour. Mal abwarten.“ Vielleicht tun sich auch ganz neue Wege auf. Während seiner längeren verletzungsbedingten Auszeit 2017/18, „als Marcel Kappes kam“, habe er ebenfalls eine neue Leidenschaft entwickelt: „Ich habe das Gärtnern für mich entdeckt“, erzählt Teucke: „Dadurch bin ich ein bisschen zum Hobbygärtner geworden.“

Steven Teucke mit seiner Schwester Michelle, die ebenfalls das Eishockey-Tor hütete.

Steven Teucke mit seiner Schwester Michelle, die ebenfalls das Eishockey-Tor hütete.

Foto: maw/Martin Wittenmeier

Davor gab es neben Beruf – Teucke arbeitet im Qualitätsmanagement bei der Firma Festo in St. Ingbert – und Familie fast immer nur Eishockey. Dass er seine Liebe für den Sport so früh entdeckt hat, lag an seiner Mutter und seinem Stiefvater, „die beide Eishockey gespielt haben“. Aufgewachsen ist Teucke „quasi“ bei den Eltern seines Stiefvaters. „Eishockey war da immer Thema. Ich bin in der Halle groß geworden“; blickt er zurück und fügt an: „Oma und Opa haben zudem extra in Bayern Urlaub gemacht, damit ich dort auf die Eishockeyschule gehen konnte. Eishockey war immer die Konstante in meinem Leben.“

Auch die Torhüterposition habe sich bereits früh herauskristallisiert. Schon mit sechs ist Teucke vom Feld in den Kasten gewechselt. „Ich sage immer, ich habe einfach Lust darauf bekommen. Aus Überlieferungen der Familie heißt es allerdings, dass ich ins Tor gegangen bin, weil ich keine Runden laufen wollte. Ich muss sehr lauffaul gewesen sein – aber daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt er mit einem herzhaften Lachen: „So zumindest steht es aber in den Familienmemoiren geschrieben.“ Ob nun aus Faulheit oder nicht, an der Position zwischen den Pfosten habe er dann einfach Gefallen gefunden. Auch die immer härter werdenden Schüsse der Konkurrenten hätten ihn mit zunehmendem Alter nie in Panik versetzt. Zudem habe er in Zweibrücken immer schon eine Jugend höher mitspielen können. „So war ich es als kleiner Knirps schon gewohnt, dass es auch mal weher tun kann.“ Und Erstmannschafts-Coach Miro Hantak hat den Keeper, als er gerade 14 war, sogar schon ins Training der Ersten hochgeholt.

Und so hat Steven Teucke bereits mit 15, 16 seine erste Saison bei den Aktiven absolvieren dürfen. „Damals war ich zunächst Backup von Vladi Kastargin. Das war gleich die erste Runde nach dem Aufstieg in die Regionalliga Baden-Württemberg.“ Da er schon in der Meistersaison im Aktiventraining dabei war, durfte „der kleine Junior Steven“ auch schon mit den Großen den Titel feiern. „Das war was Besonderes.“ Die ersten Einsätze hat er dann in der darauffolgenden Saison bekommen. Ganz genau kann sich der Zweibrücker noch an sein erstes Aktivenspiel erinnern. In der Relegation gegen eine Pforzheimer Truppe „haben mir bei den ersten Scheiben, die auch nur in meine Richtung kamen, so die Beine gezittert“. Doch der erste Puck, den er tatsächlich halten musste, kam ausgerechnet von einem eigenen Mitspieler. „Bernd Hartfelder hat die Scheibe passen wollen, traf sie aber nicht gescheit und sie wäre fast zurück ins kurze Eck geflogen. Im Halbspagat konnte ich den Puck aus Reflex gerade noch so raustreten“, erzählt Teucke, als wäre es erst gestern gewesen. „Und so locker Bernd dann ist in solch einer Situation, grinst einfach und ruft: ‚Huch, sorry!‘, während ich fast einen Herzinfarkt bekommen hätte.“

Viele tolle Momente hat Steven Teucke (rechts) mit den Hornets erlebt. Hier jubelt er mit Marc Lingenfelser.

Viele tolle Momente hat Steven Teucke (rechts) mit den Hornets erlebt. Hier jubelt er mit Marc Lingenfelser.

Foto: maw/Martin Wittenmeier

Zahlreiche weitere schöne Erinnerungen hat Teucke in den folgenden Spielzeiten bei den Hornets gesammelt. „Es sind extrem viele Dinge, gerade auch aus dem Jugendbereich, die mir im Kopf geblieben sind.“ Bei der Frage nach dem emotionalsten Erlebnis seiner Karriere „muss ich immer ein bisschen ringen“. Es gebe zwei spezielle Momente. „Die erste Regionalliga-Meisterschaft 2017. Dieser Adrenalinschub, die volle Halle, das ganze an einem Freitagabend. Was da los war. Keiner musste nach Hause und du hattest das ganze Wochenende zum Feiern“, erinnert er sich auch an die eine oder andere Anekdote. „Frederic Hellmann wollte, wie die halbe Mannschaft, eigentlich bei mir pennen. Er ist aber mit einem Fan ins Taxi und hat gesagt: ‚Fahr mich zum Teucke‘.“ Keiner im Auto hatte eine Ahnung, wo dieser wohnt. „Der Zuschauer hat ihn mit zu sich genommen und am nächsten Tag wieder zur Halle gebracht – das waren echt Highlights.“

Eine weitere „richtig geile“ Runde sei die 2005/06 gewesen, in der der vor allem mit Zweibrückern besetzte EHC Vizemeister der Regionalliga Baden-Württemberg wurde. „Das war die Riesensensation.“ Am letzten Spieltag, an dem gegen Bietigheim Platz zwei gesichert wurde, sei ein Festzelt aufgebaut gewesen. „Da waren extrem viele Leute da nach dieser Saison, in der wir das Überraschungsteam waren.“ Auch dank einer starken Abwehr. Lachend erinnert sich Teucke an einen Zeitungsartikel über die Defensive und vor allem das dazugehörige Foto. Auf dem etwa er selbst, der damalige Neuzugang Stephen Brüstle, „noch mit Dreadlocks“, Marc Welsing und Thomas Rau, zwischen den Beinen liegend, waren. „Das ist eine der coolsten Saisons, die ich erlebt habe, mit Momenten, die ich nie vergessen werde.“ Das Gefüge in der Mannschaft, die wie eine Familie war, sei unfassbar toll gewesen.

Weitere tolle Erlebnisse durfte Teucke im Skaterhockey sammeln. Sogar im Nationalkader. „Das war eher ein lustiger Nebeneffekt“, verrät er. Bei den Zweibrücker Snipers habe er einfach nur als Aushilfe angefangen, weil das Team Not am Mann hatte. „Man kannte sich ja. Die Hälfte der Mannschaft hat mit mir Eishockey gespielt.“ Das sei eher ein „Hobby-Spaß-Ding“ gewesen. „Da haben wir auch schon mal zusammen einen Maracuja-Schnapper getrunken, bevor wir rausgingen“, erzählt der 37-Jährige. „Und wir haben auswärts geschaut, dass wir möglichst Doppelspieltage bekommen. In Düsseldorf und Köln etwa. Das war immer eine geile Sommerzeit.“ Und aus diesem Hobby habe sich die Anfrage vom Nationalteam ergeben. „Da sagt man ja nicht nein.“

 Die langjährige Nummer 22 der Hornets, Steven Teucke, beendet seine Kariere.

Die langjährige Nummer 22 der Hornets, Steven Teucke, beendet seine Kariere.

Foto: Marco Wille

Das hat Teucke auch zu seinem Abschiedsspiel am Freitag nicht gesagt. „Das ist schon eine Ehre.“ Das langjährige EHC-Vorstandsmitglied und Eismeister Dieter Feth habe gleich gefragt, ob sie da nicht etwas auf die Beine stellen sollten. „Da habe ich mich tierisch drüber gefreut. Ich glaube, das wird eine richtig lustige Veranstaltung.“

Ob Teucke bei dem großen Aufgebot an Wegbegleitern, die zu seinem letzten großen Tanz auf dem Zweibrücker Eis zusammenkommen, sentimental werden wird, könne er selbst noch nicht abschätzen. „Derzeit ist es einfach eine Riesenvorfreude“, erzählt er, dass vor allem die WhatsApp-Gruppe von „Team jung“ derzeit richtig heiß läuft. „Die brennt fast rund um die Uhr. Ich weiß gar nicht, was ich da losgetreten habe mit den alten Haudegen, die teils 18, 19 Jahre gar nicht mehr auf dem Eis waren.“ Nach einer von Feth in der Vorwoche gesponserten Eisstunde kam in der Gruppe kurz darauf ein Foto eines Spielers, der sich mit neuer Ausrüstung eingedeckt hat. „Zuerst war er froh, dass seine Oma die alten Sachen aufgehoben hatte. Die Schlittschuhe hat er mit Metallplatten geflickt.“ Für das Abschiedsspiel habe er sich nun aber doch lieber eine neue Montur gegönnt.

Gespickt ist diese „junge“ Mannschaft mit Eishockey-Cracks, mit denen Teucke schon im Nachwuchsbereich zusammengespielt hat. Etwa Benjamin Anken, Thomas Rau, Jochen Kettering und Michael Brill. „Lustig ist, dass dort auch unser Spielertrainer Fritz Höger, der jeden von uns mal gecoacht hat, dabei sein wird. Der war gleich on fire, das ist schon sehr schön.“ Im gegnerischen „Team alt“ stehen viele, mit denen Teucke in der Aktivenzeit aufgelaufen ist. „Was mich mit am meisten gefreut hat, ist, dass Mirolav Hantak extra als Spielertrainer für mich aus Wien angereist kommt. Das ist eine geile Sache.“ Mit ihm habe Teucke fast ein ganzes slowakisches Team aufstellen können. „Tomas Vodicka, Lukas Srnka und Radovan Pastorek sind auch mit dabei.“ Dazu kommen Spieler wie Patrick Mundanjohl und „die ganzen Klassiker wie Reichelt, Frenkle, Lahm, Hartfelder“, zählt Teucke auf, der selbst in beiden Teams auflaufen wird. Neben ihm ist bei „den Jungen“ Goalie Thomas Hartfelder dabei, bei „den Alten“ Niklas Hirtz. „Er war mit der geilste Backup, mit dem ich mich unfassbar gut verstanden habe. Ich habe noch nie so einen mannschaftsdienlichen Kerl kennengelernt“, verteilt er Komplimente an seinen ehemaligen Mitspieler. Und das wird der stets faire Steven Teucke bei den zahlreichen Schulterklopfern für ihn selbst, sicher auch nach seinem großen Abschiedsspiel am Freitagabend tun.