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Eishockey-Regionalliga Südwest: Einmal gekämpft, einmal völlig entfesselt

Eishockey-Regionalliga Südwest : Einmal gekämpft, einmal völlig entfesselt

Neu-Trainer Ralf Wolf hat beim Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken einen perfekten Einstand gefeiert. Dem 4:3 bei den Stuttgart Rebels am Freitag ließen die Hornets gestern Abend einen 6:1-Kantersieg gegen die Bietigheim Steelers 1b folgen.

Viel besser hätte es für Ralf Wolf kaum laufen können. Zwei Siege in nicht einmal 48 Stunden holen die Hornets unter der Regie ihres neuen Trainers und übernehmen damit die Tabellenführung. Dennoch gibt sich der 40-Jährige bescheiden: „Mit mir hat das eigentlich wenig zu tun. Die Jungs bringen eine überragende Qualität mit.“

Bei seiner Heimpremiere musste Wolf allerdings gleich auf eine ganze Reihe an Stammspielern verzichten. So fehlten neben den Trenholm-Brüdern Marco und Sebastian auch Vladimir Zvonik, Andreas Druzhinin und Maximilian Dörr. Dementsprechend vorsichtig agierten die Hornets im ersten Durchgang, Tore blieben Mangelware.

Doch mit Beginn des zweiten Drittels nahm der Wahnsinn seinen Lauf. Binnen 67 Sekunden schenkten die Hornets Bietigheims Schlussmann Frantisek Gistr drei Gegentore ein – mehr als 700 Fans in der Ice-Arena kamen aus dem Jubeln gar nicht mehr heraus. Auf Vorlage von Christian Werth war zunächst Claudio Schreyer mit dem 1:0 zur Stelle. Nur Augenblicke später lag der Puck wieder im zwischen den Pfosten des Bietigheimer Gehäuses. EHC-Toptorjäger Dan Radke legte nach, bevor sich auch Marc Lingenfelser in die Torschützenliste eintrug.

Bei den Gästen brachen nun alle Dämme. Beinahe unbedrängt durfte Marc Lingenfelser (26.) zum 4:0 nachlegen. Bietigheims Trainer Jakob Vostarek reagierte und tauschte die Torhüter. Ohne Erfolg, nur 20 Sekunden später klingelte es erneut, Auch Dan Radke markierte seinen zweiten Treffer des Abends – 5:0! „Ich habe in der Kabine kurz angesprochen, dass wir mit Tempo rauskommen müssen. Die Spieler haben das klasse umgesetzt“, bilanzierte Wolf den famosen Mittelabschnitt seiner Mannschaft.

Die letzten 20 Minuten ließen es beide Teams ruhiger angehen. Nach Radkes (43.) 6:0 durfte noch einmal Steven Teucke glänzen, der einen Penalty von Lukas Traub entschärfte. Kurz vor Schluss musste sich der EHC-Torhüter schließlich doch geschlagen geben. Traub erzielte das Bietigheimer Ehrentor zum 6:1.

Wolfs Debüt als Regionalliga-Trainer wäre am Freitagabend beinahe in die Hose gegangen. Die formstarken Stuttgart Rebels, die sich mit vier Siegen aus den letzten fünf Spielen wieder in Schlagdistanz zu den Playoff-Plätzen gekämpft haben, machten den Hornets das Leben richtig schwer und führten kurz vor Ende des zweiten Drittels schon mit 3:0. Doch im Stile einer Spitzenmannschaft drehte der EHCZ die Partie in den letzten 20 Minuten und gewann am Ende mit 4:3 (0:1/1:2/3:0).

Das Spiel begann mit einigen Minuten Verspätung, da sich vor dem Kassenhäuschen eine lange Schlange gebildet hatte. Angetrieben von über 1000 Zuschauern in der voll besetzten Stuttgarter Eiswelt nahmen zunächst die Rebels das Heft in die Hand. „Solche Freitagsspiele mit den langen Anfahrten sind immer hektisch. Es hat etwas gedauert, bis wir ins Spiel gekommen sind, zumal Stuttgart zu Beginn richtig giftig war“, sah Wolf, der im Stuttgarter Nachwuchs groß geworden ist, sein Team im Anfangsdrittel überraschend häufig mit Defensivaufgaben konfrontiert. Nach einem Fehlpass in der eigenen Hälfte prüfte Tim Becker (2.) Steven Teucke im Zweibrücker Tor mit einem Schuss von der blauen Linie, kurz darauf parierte der EHC-Schlussmann gegen Stürmer Patrick Martens.

In der neunten Minuten war Teucke allerdings machtlos: Die Hornets-Verteidiger schafften es nicht, den Puck aus der Gefahrenzone zu klären. Denis Matic passte von der linken Seite vor das Tor, wo Alexander Funk unbedrängt zur Stuttgarter Führung einschieben konnte. Zweibrücken, mit über 80 Toren bester Angriff der Liga, tat sich schwer mit dem frühen Pressing der Gastgeber. Erstmals gefährlich wurde es für den Kasten von Jannis Ersel, als sich Dan Radke in Überzahl durch die Stuttgarter Abwehr tankte und auf Maximilian Dörr durchsteckte. Doch der Hornets-Angreifer erwischte die Scheibe nicht voll und traf nur den Außenpfosten. „Leider haben wir unsere wenigen Chancen am Anfang nicht genutzt. Hinten konnten wir uns zum Glück auf Steven verlassen“, kritisierte Wolf. Und so ging es seine Truppe mit einem knappen Rückstand in die Kabine.

Kurz nach Wiederbeginn hätten die Hornets den Ausgleich machen müssen: Während Stuttgart gerade die Reihen austauschte, hebelte ein Pass über die Bande die komplette Hintermannschaft aus. Calvin Engel und Christian Werth liefen alleine auf Ersel zu, fanden aber im Rebels-Goalie ihren Meister. Diese Fahrlässigkeit mit den eigenen Chancen rächte sich zehn Minuten später. Nach einem Bully vor dem Zweibrücker Kasten landete der Puck wieder bei Funk, der mit einem abgefälschten Schlagschuss auf 2:0 erhöhte. Teucke im EHC-Tor war da machtlos. Und es kam noch bitterer: Keine 60 Sekunden nach dem zweiten Stuttgarter Treffer zappelte der Puck schon wieder im Netz. Ein Fehlpass von Claudio Schreyer machte den Weg frei für Matic. Ein EHC-Verteidiger schaffte es zwar noch, den Versuch zu blocken. Aber Ben Daubner schaltete vor Teucke am schnellsten und drückte den Puck zum 3:0 über die Linie.

Für viele Mannschaft wäre das der Todesstoß gewesen, nicht aber für die Hornets: Mit blitzschnellem Spiel nach einem Bully überrumpelten Dörr und Torschütze Dustin Bauscher die Rebels-Verteidigung – nur noch 1:3. „Wir sind auch nach dem dritten Gegentor ruhig geblieben und haben weiter gearbeitet. Die Jungs bringen die Fähigkeit mit, auch so einen Rückstand zu drehen“, sah Wolf sein Team nun immer besser ins Spiel kommen.

Eine Glanztat von Teucke, der in einer „Eins-gegen-eins“-Situation gegen Stuttgarts Martens (43.) läutete die Aufholjagd im Schlussdrittel ein. Defensivspezialist Stephen Brüstle fasste sich von der blauen Linie ein Herz und jagte die Scheibe zwischen die Pfosten. Obwohl Ersel die Sicht ein wenig verdeckt war, sah der Stuttgarter Goalie beim 2:3-Anschlusstreffer nicht glücklich aus. Von nun an drückten die Hornets aufs Tempo, schnürten die Hausherren im eigenen Drittel ein. Die verdiente Erlösung folgte dann erneut durch Dustin Bauscher (49.), der von Maximilian Dörr stark in Szene gesetzt worden war. Ausgleich, 3:3!

Die ersten beiden Aufeinandertreffen zwischen den Rebel und den Hornets in dieser Spielzeit waren jeweils ins Penaltyschießen gegangen. Auf eine dritte Zugabe hatten die Zweibrücker am Freitagabend offensichtlich keine Lust. Erneut versuchte es Brüstle nach einem Bully von der blauen Linie, der abgefälschte Schuss landete auf der Kelle von Bauscher. Mit dem dritten Treffer des EHC-Stürmers war die Partie neun Minuten vor dem Ende tatsächlich gedreht. In der Schlussphase warfen die Gastgeber noch einmal alles nach vorne, nahmen sogar Torhüter Ersel für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis. Doch die Hornets verteidigten den knappen Vorsprung geschickt über die Zeit und sicherten sich nicht nur drei weitere wichtige Punkte im Kampf um die Playoff-Plätze, sondern übernahmen mit dem Auswärtssieg sogar die Tabellenspitze vom EV Ravensburg, der zeitgleich mit 4:5 gegen den EC Eppelheim im Penaltyschießen den Kürzeren zog.

„Das war ein super Einstand. Es macht riesigen Spaß mit so einer tollen Mannschaft zusammenzuarbeiten“, freute sich Wolf über seinen ersten Sieg an der Bande. „Aber es geht hier nicht um mein Debüt, wir machen hier schließlich keine One-Man-Show. Das Team hat sich diesen Erfolg hart erarbeitet“, betonte der 40-Jährige, dem nur zwei Trainingseinheiten am Dienstag und am Donnerstag zur Verfügung standen, um dem Team seine Spielphilosophie nach der überraschenden Trennung von Vorgänger Terry Trenholm einzuimpfen. „Mit zwei, drei Jungs, die ich schon seit Jahren kenne, habe ich längere Gespräche geführt. Die Reihen habe ich dann nach Gefühl aufgestellt. Aber bei mir dürfen die Spieler auch eigene Ideen einbringen.“

Neu-Trainer Ralf Wolf war nach den beiden Siegen gegen Stuttgart und Bietigheim voll des Lobes für seine Mannschaft. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Am nächsten Sonntag steht das Spitzenspiel der Eishockey-Regionalliga Südwest. Um 19 Uhr ist der zuletzt etwas schwächelnde Tabellenzweite EV Ravensburg in der Zweibrücker Ice-Arena zu Gast.