Eine Olympiasiegerin als Vorbild

Viele junge Sporthoffnungen gibt es in der Region. In loser Abfolge stellt der Merkur einige von ihnen vor. Heute im 16. Teil: Nachwuchsreiterin Victoria Rubly, die im vergangenen Jahr die Pfalzmeisterschaft gewann.

Victoria Rubly ist immer für eine Überraschung gut. Die zwölfjährige Tochter der Reiterfamilie aus Kleinbundenbach wurde im vergangenen Jahr unerwartet Pfalzmeisterin in der "Children"-Klasse. Jetzt hat der Pferdesportverband Pfalz die Reiterin des RFV Zweibrücken in den E-Kader aufgenommen. "Ich bin schon stolz auf den Meistertitel und auch auf die Berufung in den Kader", strahlt die junge Amazone.

Zumal der Titelgewinn den absoluten Überraschungseffekt hatte. "Ich bin ja eher die Hobbyreiterin", sagt sie mit Blick auf Vater Andreas, international erfolgreicher Berufsreiter und Pferdezüchter und ihre ältere Schwester Johanna, die sehr diszipliniert seit sechs Jahren die Landesfarben auf anspruchsvollen Turnieren vertritt. "Vicy" macht lieber "ihr Ding", als jeden Tag zahlreiche Pferde unter dem Sattel zu haben und sich regelmäßig in Lehrgängen zwängen zu lassen. "Ich reite aus Spaß und bleibe dabei locker, ohne den Erfolgsdruck, wie Johanna ihn sich lange gemacht hat", stellt sie klar. Dazu gehört auch, dass der Geburtstag von Freunden bislang wichtiger war, als irgendein Turnier.

Außer bei den Pfalzmeisterschaften im vergangenen Jahr. "Ich hatte mir vorgenommen, das Treppchen zu erreichen und war sicher, dass das klappen kann", sagt sie so schlicht wie selbstbewusst. Nicht lange vorher hatten die beiden Schwestern ihre selbst gezogenen Pferde Silbergirl und Maja getauscht - eine gute Entscheidung. Victoria und die achtjährige, von Johanna ausgebildete, Stute Maja harmonierten auf Anhieb, so dass das Paar im ersten Stilspringen um die Meisterschaft bereits Bronze gewann. Da Victoria lieber auf Zeit reitet, kam ihr der zweite Parcours trotz seines anspruchsvollen A**-Aufbaus, entgegen. "Ich mache mein Ding", bleibt sie gelassen. Allerdings folge sie immer der Wegführung, die Papa Andreas beim Abschreiten des Parcours mit ihr bespricht. Unter 75 Startern wurde sie Dritte und freute sich. "Ich hatte mein Ziel erreicht, war auf dem Treppchen", schmunzelte sie. Bis Freunde ihr zur Schärpe und Meistertitel gratulierten. "Das ist typisch Vicy", lachten ihre Eltern: Mit geringem Aufwand zum größten Erfolg.

Jetzt freut sich die Schülerin am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium jedoch auch auf Lehrgänge . Als erstes sattelt sie, wie im vergangenen Jahr, bei dem luxemburgischen Nationaltrainer Marcus Wenz im Landgestüt. Ihr Traum: "Einmal bei Meredith Michaels-Beerbaum reiten." Die mehrfache Europameisterin und Olympiasiegerin ist ihr großes Vorbild, wird in ihrem Reitstil und ihrer Technik im Parcours bewundert. "Und dann kommt mein Papa", sagt die Zwölfjährige. Um die Springstunde bei ihm reiten zu dürfen, setzt sie sich sogar am Vortag auf ihr Pferd. Ansonsten trainiert die Wasserratte mit ihrer Freundin Selma Sahinoglu Schwimmen, 80 Bahnen auf Zeit. Auch hier hat sie größtes Talent.

Von klein auf begleitete sie ihre Schwester Johanna auf Turniere, half, die Pferde vorzubereiten und tröstete, wenn es mal anders lief, als erhofft. Dabei sind die beiden Schwestern mächtig stolz aufeinander, unterstützen sich neidlos gegenseitig und tauschen auch ihre Pferde, wo es sinnvoll ist. Auch die 15-Jährige ist erneut in den Kader berufen. Inspiriert von der Gelassenheit ihrer jüngeren Schwester, hat die mehrfache Landesmeisterin den Ehrgeiz und das Ziel, schnellstmöglich in der schweren Klasse S zu starten, etwas zurückgestellt.

Stattdessen widmet sie sich hingebungsvoll der Ausbildung ihrer sechsjährigen Stute Forsalie. Als Erste ist es Johanna gelungen, das schwierige Pferd bis zum Ende durch eine Springpferdeprüfung zu reiten - ganz neue Erfolgserlebnisse. Beide freuen sich, jetzt gemeinsam an Lehrgängen und Turnieren teilzunehmen und dabei viele Freunde zu treffen. Zuhause macht Vicy jedoch weiter "ihr Ding" - allerdings will sie statt dreimal jetzt viermal in der Woche aufs Pferd. Etwas unternehmen mit Freunden bleibt jedoch genau so wichtig. Mindestens.